„LA kam gut in LE!“

Unterwegs im Ampelmännchen-Land: Carla Zwylle berichtet von ihren Erlebnissen bei der Oscar Night Party

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Liebe Conny,

war das eine lange Nacht! Kannst Du Dir vorstellen: Durchgemacht habe ich, und das in meinem Alter (hihi)!!! Aber der Reihe nach!

Mein Mann hatte mal wieder in Leipzig zu tun, just zu der Zeit, als in L.A. die Oscar-Preisverleihung über die Bühne ging. Das Leipziger Kempi (Du weißt: Wo wir im letzten Jahr beim Titanic-Abend so nett versunken waren 😉 hatte wieder mal eine tolle Idee, indem dort eine Oscar Night Party stattfand. Kleidungsvorschrift: Aufgemürzelt wie in Hollywood!

Kurz vor Mitternacht ging ’s los. Draußen vorm Hotel roter Teppich und zwei scharfe Limousinen, drinnen Colastand, Schampus und Hamburgerbar zum Selbermixen! Und die Leute (Du weißt, ich kann es nicht lassen…) echt klasse, mit Schlitzkleidern und frisch gestylt, einige Männer sogar im Smoking! Offensichtlich überwiegend junges Leipziger Publikum, die sich ’ne Nacht im Kempi gegönnt haben.

Zuerst gab ’s ne Talkshow mit Leipziger Filmemachern, die “Over the Rainbow“ gedreht haben. Nicht mein Geschmack, aber mal sehen, ob der Film gut kommt, wenn er im Herbst fertig ist.

Dann auf einer Riesenleinwand im Wintergarten (wo wir im vergangenen Jahr den Absacker getrunken hatten…) die Liveübertragung aus dem Shrine Auditorium. Viel Glamour und ansonsten im Prinzip the same procedure as every year, mit Dank an die Produzenten, die Eltern und sowieso. So gegen drei Uhr zog sich der beste Ehemann von allen müde zurück, und auch ich fragte mich, ob ich’s durchhalte bis in den Morgen – aber dann kam der Moment, in dem Roberto Benignis “Das Leben ist schön“ den Oscar als besten ausländischen Film bekam. Wie der Mann lachte, sich freute, auf die Lehne und über die Schultern seiner Nachbarn taumelte vor Freude, das war doch einfach riesig. Jaja, la vita e bella! Und als Strahlemann Roberto auf der Bühne ohne Punkt und Komma sagte, wie er sich freute und dass sicher alles ein terrible mistake war: Da waren wir alle wieder wach, weil wir mit ihm lachen mußten. The Party at its best! Fast, denn als Roberto auch noch für die beste männliche Hauptrolle seinen Oscar absahnte, riss er mich wieder aus dem drohenden Halbschlaf. Warst Du schon in dem Film? Wir sollten ihn uns zusammen ansehen!

Mit fortschreitender Stunde lichteten sich die Reihen ein wenig. Ursprünglich mögen es über hundert Partygäste gewesen sein (ich hab ’s nicht gezählt), doch als dem Morgen graute, waren wir immer noch knapp dreißig (da habe ich neugierig nachgezählt!). Als alles gelaufen war, kam noch mal kurz Spannung auf: Wir hatten alle vorher unsere Oscar-Tips abgegeben. Dichtung und Wirklichkeit: Einer der Gäste hatte 15 richtige Voraussagen – und gewann einen Lufthansa-Flug nach LA mit Übernachtung im Ritz Carlton Hotel Marina del Rey. Er freute sich wie Bolle! Ich hatte übrigens nur elf Richtige: Wir müssen nächstes Jahr öfter ins Kino!

Draußen war ’s schon hell, als ich dann ins Bett ging. Der beste Ehemann von allen ging gerade zum Frühstück, als ich ermattet den Matratzenhorchdienst bestellte: Mein Frühstück gabs um zwölf, und ich war nicht die einzige…

Bis bald zu Hause,
sei ganz doll geherzt von
Deiner Carla

Carla Zwylle

Veröffentlicht in: trialog 2/1999 | Als PDF betrachten (76 KB)

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