Hausnester in den Bergen

Casares: Weiße Häuser, enge Gassen, romantische Bodegas

Zweimal im Jahr kommen die Blanceadores, die Weißmacher. Sie streichen die Häuser – denn nur strahlend weiß dürfen sie sein, und das nun wirklich nicht für die Fotografen. Obwohl die sich auch freuen an den immer so adrett aussehenden Häusern.

Casares, nur rund zwanzig Kilometer von Estepona in den Bergen gelegen, ist so ein malerisches Dorf. Und während es ratsam ist, den Weg dorthin mit dem Auto zurückzulegen, empfiehlt es sich dringend, den Wagen auf einem der Parkplätze am Rande des Bergdorfes stehen zu lassen: Die Gassen werden zusehends enger, und Wendemöglichkeiten sind am Ende der Wege auch nicht immer vorgesehen.

Doch noch sind wir nicht da: Wie so oft, gilt auch hier der Satz: „Der Weg ist das Ziel“. Ob durch Estepona hindurch und immer entlang der Küste oder im Bogen auf der Autoschnellstraße – erste Blicke auf die sich stetig verändernde Landschaft ergeben sich. Der Weg führt vorbei an einer Siedlung mit dem wunderschönen Namen „Buenas Noches“ – Gute Nacht, was bei näherem Hinsehen gar nicht so schlecht gewählt scheint.

Wenig später dann das erste Mal ein Ortsschild „Casares“ – aber es ist nicht das richtige! Die Siedlung am Meer hat außer dem Namen mit dem romantischen Dorf nichts gemein. Der richtige Weg führt rechts ab – und schon nach wenigen hundert Metern verzaubert das Landesinnere mit seiner Ruhe den Reisenden. Die Straße schlängelt sich bergauf, immer wieder sieht man das Meer weit hinter sich – bis plötzlich nach einigen Fincas und vereinzelten Häusern linker Hand Casares auftaucht: Unter und an dem mächtigen Felsen mit der alten grauen Burg die weißen Häuser mit ihren roten Dächern. Die Straße zum Dorf führt steil bergab, bevor sie genau so steil wieder bergan durchs Dorf geht. Das Auto sollte man übrigens tunlichst auf einem der Parkplätze am Anfang des Dorfes stehen lassen – die Straßen werden zu Wegen, und die zu Gassen und somit nahezu unpassierbar. Wer‘s dennoch versucht, riskiert Kratzer und Schweißausbrüche!

So ganz ohne Fleiß geht‘s natürlich auch zu Fuß nicht: Wer den Weg durch das 3000-Seelen- (plus 1000 Ziegen, 27 Maultiere, fünf Esel) Dorf zur alten (einst maurischen) Festung auf Schusters Rappen zurücklegt, braucht schon ein wenig Kondition. Die Blicke im Dorf (wunderbar verwinkelte Gassen) und von oben ins Land hinein lohnen allemal! Und Bars für (je nach Geschmack:) Kaffee, Wasser, Sherry und Tapas gibt es auch…

Veröffentlicht in: Kempinski Olé 3/1999 | Beitrag als PDF ansehen (216 KB)

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