Louis C. Jacob

Es war im Jahre 1902 in Hamburg – und zwar dort, wo die Stadt am schönsten ist, an der Elbe bzw. der sie begleitenden Elbchaussee in Höhe der Hausnummer 401: Da traf der Maler Max Liebermann den Gastronom Carl Louis Jacob in dessen Etablissement und fragte artig an, ob er denn die Terrasse mit den Linden malen dürfe?
Er durfte, malte sein sehr berühmtes Bild der Lindenterrasse (Blick flussaufwärts, hängt heute in der Hamburger Kunsthalle) und fertigte ein weiteres Werk (Blick flussab, hängt heute im “Louis C. Jacob”), das die Lindenterrasse ohne Linden zeigt.

Das “Jacob”, das jüngst zum “Hotel des Jahres 2003” eines Reiseführerverlages gekürt wurde, hat also Geschichte – wenn man sich ein wenig hereinfrizzelt, sogar eine sehr spannende! Weil es so schön ist, sein hier kurz der Anfang nacherzählt. Im Dorf Nienstädten vor den Toren der Hansestadt Hamburg gab es den Zuckerbäcker Burmester, dessen Plaisir es war, Schiffe auf der Elbe zu begrüßen. Nicht mit lauten Hurra, sondern mit drei Böllerschüssen, abgefeuert aus einer veritablen Kanone. Am 18. Juni 1790 tat er dies auch, allerdings offensichtlich ein wenig zu heftig. “Er kam ums Leben, da eine abgefeuerte Kanone zersprang und ihn zerfetzte” steht in den kirchlichen Annalen.

So hatte ein gewisser Daniel Ludwig Jacob die Chance zum Auftritt, und er nutzte sie. Er kaufte das Anwesen, heiratete die Witwe und machte aus der Zuckerbäckerei eine Wirtschaft.

Schnitt, Zeitreise um gut zweihundert Jahre voraus: Aus der Wirtschaft wurde ein feines Hotel, das nun nicht mehr nur an der Elbe liegt, sondern auch jenseits der Chaussee. Dort sind das alte “Landhaus Dill” sowie das “Holthusen” integriert. Mit welch einem – pardon: – Affentheater die Modernisierung und der optische Erhalt des dörflich anmutenden Ensembles von statten ging, ist ein Stück aus dem Tollhaus von Bürokratie und Kleingeist, den man in der freien Hansestadt Hamburg nicht erwartet hätte. Der Journalist Kurt Grobecker hat die Geschichte notiert, und es ist nachlesenswert, auch wenn der Investor des neuen Louis C. Jacob, Horst Rahe, an der Entstehung des Buches mit beteiligt war. Es gab also den leider schon fast üblichen Streit um fünf Bäume, knapp 50 Quadratmeter Fläche mit seltenen Pflanzen und dem auch sattsam bekannten Hickhack der Parteien und konkurrierenden Ämter. Doch irgendwie hat der Investor es durchgestanden – und nun kommen die Hamburger ins Hotel und die Gaststätte gelaufen, als wenn das alles ihre Idee gewesen wäre.

Und was aus dem Ensemble geworden ist! Ein Haus, das Luxus auf sehr schöne Art pflegt, mit 85 großzügigen Zimmern und Suiten, die individuell eingerichtet zum Wohlfühlen einladen. Insgesamt 500 Bilder – Originale, versteht sich – hängen im Hotel, und jedes Zimmer ist natürlich auch entsprechend ausgestattet und hat, was den kleinen Unterschied ausmacht, eine Mappe, die die Bilder beschreibt.

Für Feinschmecker gibt es Jacobs Restaurant – besser kann man in Hamburg nicht essen, befinden die Berufskritiker.

Aber manchmal darf’s ja auch ein bisschen weniger sein! Wenn dem so ist und man nicht in die City möchte, dann ist das “Kleines Jacob” im ehemaligen Landhaus Dill der Ort der Wahl: Eine üppige Weinkarte, eine kleine und feine Speisekarte, eine nette Atmosphäre und freundliche Bedienung – da geht der Abend schnell um. Und da offensichtlich der Hamburger als solcher auch gerne ins Kleine Jacob geht, gibt’s auch viel zu sehen…

Hotel Louis C. Jacob 
Elbchaussee 401-403
22609 Hamburg

Telefon: 0 40 / 82 25 5-0
http://www.hotel-jacob.de

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