Winterzeit

Zweimal im Jahr ticken die Uhren nicht richtig – und ich verstehe nie, was sich denn nun wirklich ändert. OK: Ab heute ist Winterzeit, da müssen nach dem Aufwachen die Uhren eine Stunde – ja was denn?
“Zurück gestellt werden!” sagt SIE, die als Frau natürlich alles verstanden hat und überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum ich mich zwei Mal im Jahr so anstelle.

Gut, sage ich, zurück, und stelle fest, dass diese überall herum stehenden Bad-, Küchen- und Schlafzimmerradiowecker immer nur positiv denkend vorwärts denken und also nicht eine Stunde zurück, sondern 23 Stunden vor gestellt werden wollen. Nur mein Schreibtischsony musste ich nicht umstellen – da habe ich die Gebrauchsanweisung schon lange verschlampert und im Frühling, als es Sommerzeit wurde, die Uhr einfach auf Winterzeit stehen lassen. Und siehe da: Seit heute geht sie wieder richtig.

Mein eigentliches Problem aber ist nicht dieses mechanische Umstellen der Uhr, sondern die Antwort auf die Frage: Was bedeutet die Umstellung auf die Winterzeit für mich?

“Es ist abends früher dunkel!” sagt SIE, aber dafür sei es morgens früher hell. Hmm, ja, schön oder egal oder auch nicht: Aber ich stehe nicht früh auf, wenn es nicht unbedingt sein muss, und wenn ich ins Bett gehe, ist es sowieso dunkel, auch im Sommer und sogar während der Sommerzeit. Was ich eigentlich wissen wollte: Sind meine Lieblingssendungen „Zimmer frei“ und „Die Harald Schmidt Show“ nun früher oder später, so rein körperzeitmäßig gesehen?

“Ist doch ganz einfach!” sagt SIE, was ich aus meiner Sicht für eine glatte Lüge halte. Wenn es einfach wäre, müsste ich doch nicht fragen, und überhaupt: seit wann belügt mich meine Frau? Sie wechselt die Tonart und greift erklärungsmäßig in die Intonationsschublade für Vierjährige, denen man (oder heißt es hier: frau?) mit Engelsgeduld auch immer alle Fragen beantwortet. Also: Du hast heute Morgen die Uhren eine Stunde zurück gestellt, also ist heute Abend Zimmer frei sozusagen eine Stunde später, aber eigentlich fängt es natürlich wie immer um 23 Uhr an!”

Das finde ich gemein, dass es später anfängt, obwohl es zur gleichen Zeit beginnt, aber zur Vorsicht lege ich mich nun erst mal ins Bett: Mittagsschlaf ist ja alles, was nach dem Mittag und vor dem Abend ist – da brauche ich keine Uhr.

Und morgen früh – wenn ich da zu spät komme… kann ich dann sagen, dass es an der Uhren-Umstellung liegt oder habe ich das alles falsch verstanden und die dümmste aller möglichen Ausreden produziert???

Muss ich SIE mal fragen…

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