Hinter den Deichen

Kalender Norden - Januar

Die geduckten Bauernhäuser hinterm Deich in Ostfriesland befinden sich in der Landschaft, die man „Marsch“ nennt. Die Landschaft ist oft namengebend: Ortschaften und Gebiete heißen beispielsweise „Westermarsch“ oder „Ostermarsch“.

Bauernhof hinter dem Deich 2002

Bauernhof heute

Bauernhof hinter dem Deich 2002
Landgewinnung

Bauernhof hinter dem Deich 2002

Land-Entwässerung

Die Marsch gilt als besonders fruchtbar – fette Wiesen sind den ostfriesischen Kühen ein schmackhafter Anlass, die für den Tee so dringend benötigte Sahne zu produzieren (naja, eigentlich ist der Vorgang komplizierter, aber für den Moment muss es reichen).

Marschen entstanden vor der Eindeichung des Landes; im Wechselspiel von Ebbe und Flut blieb Schlickboden zurück. Das neu gewonnene Land ist niedrig, es liegt kaum über dem mittleren Meeresspiegel und liegt teilweise sogar darunter. Die Häuser wurden deshalb häufig, um bei überschwappendem Wasser trocken zu bleiben, auf leichten Anhöhen gebaut, den so genannten Warfen.

Was für die Marsch in der Vergangenheit geschrieben ist, funktioniert heute übrigens auch noch: Vor den Deichen gewinnen die Friesen Neuland, indem sie mit kleinen Dämmen (den Buhnen) überschaubare Vierecke abzäunen. Bei Flut (wenn das Wasser kommt), werden diese Dämme überspült, bei Ebbe (dem Abfließen des Wassers) bleibt der Schlick im Geviert gefangen. So wird Schicht über Schicht abgetragen, bis das Wasser immer seltener und dann gar nicht mehr dieses äußerst fruchtbare Neuland (das man Polder nennt) überflutet.

Wenn die Marsch das gewonnene Land ist, gibt es auch ursprüngliches: Die Geest. Sie liegt höher als die Marsch, besteht aus Sandboden und ist dementsprechend trocken. Die Geest entstand durch eiszeitliche Aufschüttungen. Man erkennt sie an der abwechslungsreichen Landschaft mit Wald, Weiden und Äckern. Die Stadt Norden beispielsweise liegt auf einem Geestrücken.

Print Friendly, PDF & Email

Mehr lesenswerte Beiträge

  • Land unter an der MoleLand unter an der Mole An der Grenzlinie zwischen Festland und Meer zu leben hieß schon immer, mit der Natur und den Naturgewalten im Einklang zu leben. So ist die Geschichte […]
  • Tee, Theelacht und Wohnkultur aus alten TagenTee, Theelacht und Wohnkultur aus alten Tagen Heimatmuseen haben häufig den Ruch des Muffigen, und meistens bedarf es einiger Überredenskunst, die komplette Familie zum Besuch zu bewegen. Manchmal, aber […]
  • Hoch im NordenHoch im Norden Es war (lang, lang ist's her) am Ende der Sommerferien in der Sexta eines Bielefelder Gymnasiums. Da stellte der Deutschlehrer die typische […]
  • Nipptide und OstwindNipptide und Ostwind Juist, die ostfriesische Nordseeinsel vor dem Norder Festland, ist mit dem Schiff nur bei genügend Wasser zu erreichen. Abhängig von den Hochwasserzeiten […]
  • Aufsandende WindeAufsandende Winde Wenn der Wind aus Osten pfeift, hat man ihn bei einer Inselumwanderung entweder von vorne oder von hinten. Letzteres ist eindeutig angenehmer, bei der anderen […]
  • Mr. Harris‘ BombMr. Harris‘ Bomb Britischer Humor kann manchmal sehr trocken sein, walisischer ist es offensichtlich immer. Alan Harris, Waliser in Deutschland, Segelfluglehrer und als […]

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*