Ein Wochenende auf Mallorca

Mallorca

Mallorca, die am meisten verkannte Insel: Nur einen Katzensprung entfernt trägt sie, je nach Befragtem, das Image der Putzfrauen-Proll-Insel oder der Schickimickiria. Beides ist wahr, beides ist falsch. Die Insel hat so viele Facetten, dass man ihr mit einem Satz eh nicht gerecht wird. Und sie hat Charme – vor allem, wenn es hier zu Lande noch eher zögerlich frühlingshaft wird.

Da man von Dresden aus schneller und preiswerter nach Mallorca kommt als mit der Bahn nach München oder Hamburg, ist ein Wochenende auf der Insel eine gute Alternative. Ohne Alternative ist die Insel zu Zeiten deutschen Schmuddelwetters, wie es im März und April eher die Regel als die Ausnahme ist. 22 Grad im März, ein laues Lüftchen, hin und wieder einmal eine freundliche Wolke und eine saftig grüne Landschaft sind Eckpunkte einer besseren Lebensqualität. Die Verbindung dieser Eckpunkte sind gutes Essen, ungezwungene Lebensart, freundliche Menschen, Erholung pur.

Abflug am Freitag um 11 Uhr.

Air Berlin bringt uns von Dresden nach Palma. Flugzeit: Zweieinhalb Stunden. Beim Überfliegen der Alpen den Schnee sehen, beim Anflug der Insel blaues Wasser und grüne Wiesen – Vorfreude!

Um 15 Uhr machen wir die ersten Bilder vom Balkon des Hotels. Das Tryp Bellver (heißt jetzt Meliá Palas Atenea) liegt gegenüber vom Sporthafen am Paseo Maritimo, der Promenade entlang der Bucht. Vier Sterne, großartiger Blick über den Hafen auf die Stadt, ganz oben weit genug vom Straßenlärm entfernt – wir sind zufrieden.

Palma, la ciutat, die Hauptstadt: 350.000 Einwohner, mehr als die Hälfte der gesamten Inselbevölkerung (650.000) lebt hier. Entsprechend quirlig ist es hier, auch wenn die große Touristenwelle im März noch nicht über die Insel schwappt.

Natürlich führt der erste Spaziergang zum Hafen und dann via Paseo Maritimo zur Bar de Tapas Xim’s. Wir sitzen, natürlich draußen unter Palmen – so viel Klischee muss sein. Zum Rotwein gibt es das typisch mallorquinische Versperbrot Pa Amb Oli: Bauernbrot mit Olivenöl, Tomaten, Schinken, Käse. Einfach nur gut!
Noch ein wenig bummeln und dann zurück zum Hotel.

Der Abend beginnt zugegebenermaßen typisch deutsch, weil für spanische Inselverhältnisse viel zu früh. Doch das kann auch von Vorteil sein, denn wer zu früh kommt, der bekommt noch Plätze (und seien es die, die für Einheimische ab zehn oder elf Uhr abends reserviert sind).

Das Es Mollet ist ein Fischrestaurant am Rande von Palma de Mallorca, direkt am Wasser und weit genug entfernt von der Hauptstadt der Insel wie auch dem Hauptort des Dumpfbackentourismus. Hier kommen Einheimische wie Touristen hin, um fangfrischen Fisch zu genießen (einen ausführlichen Bericht dazu gibt es auch).

Samstag.

Wann ist das Hotel gut? Wenn das Frühstück stimmt, zum Beispiel. Unseres war excellent, mit frisch gespresstem Orangensaft, mallorquinischen Spezialitäten und allem, was das Herz begehrt. Ein guter Auftakt für den Tag. Das erste Ziel sollte Port de Sóller sein, und wir wählten die zweitbeste Art der Annäherung: Mit dem Mietwagen über die Passstraße. Die beste Art wäre ganz sicher die Fahrt mit der berühmten Schmalspurbahn gewesen – aber trotz des Namens “Roter Blitz” ist das eine zwar schöne, aber für einen Wochenendaufenthalt doch zu zeitintensive Art der Fortbewegung. Es gibt, aus meiner Sicht zumindest, aber auch anstrengendere Arten, die gut 1.000 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Die zahlreichen Radfahrer auf der Strecke, die bergan schuften und bergab sausen, sehen das sicher anders – ein schöner Sport!

Durch Sóller geht’s zum Hafen – die Bahn, die hier bimmelnd ankommt, ist übrigens nicht die aus Palma: Die geht nur bis Sóller, wo man in den Pendelzug zum vorgelagerten Hafen umsteigen muss.

Das Hafenstädtchen will zu Fuß erobert werden! Die Läden entlang der Hauptstraße sind die gewohnte Mischung aus Tourifalle und selten einmal netter Keramik oder anderem Ansehenswerten, die Gaststätten sind so, wie man es sich an derlei touristisch orientierten Orten vorstellt. Schön hingegen ist der kleine Hafen – vor allem mit Blick auf die hohen Berge im Hintergrund. Und die Bahn, wenn sie rangiert: Schöne alte Holzwagen, Nostalgie pur! Wer nur halbwegs Eisenbahnfan ist (wer ist das nicht?), braucht mindestens einen Extra-Film bzw. eine weitere Speicherkarte für die DigiCam!

Nach dem Besuch am Hafen geht’s ab in die Berge nach Fornalutx. Manche sagen, es sei das schönste Dorf Mallorcas – um das beurteilen zu können, müsste man alle kennen: Reizvoll ist es auf jeden Fall! Treppen machen das Dorf aus, sie gibt es überall – richtige Straßen kaum. Parkplätze an den Ortsenden sind also mehr als Show: Sie sind ein ernst zu nehmendes Angebot. Das Bergdorf Fornalutx will erlaufen sein. Pausen kann man genug machen: Um Häuser zu schauen, Hotels (sehr vorzügliche wie das Petit Hotel Fornalutx oder das exklusive Ca’n Verdera mit nur neun Zimmern und zwei Suiten – und natürlich nur über Treppen zu erreichen! Damit beim Erwähnen all der Treppen kein falscher steiniger Eindruck über das 600-Seelen-Dorf entsteht: Fornalutx ist eine blühende Landschaft, mit Orangen- und Zitronenhainen und Olivenplantagen auf den terrassierten Bergen.

Gut gegessen haben wir übrigens auch, draußen selbstverständlich und mit einem Glas Wein. Gambas in Knoblauchsauce schmecken auch in den Bergen!

Zurück über Sóller Richtung Valldemossa führt die kurvenreiche Straße mit teils atemberaubenden Aussichten die Küste entlang. Das fernsehseriengeschädigte Künstlerdorf Deià meiden wir, das malerische Son Marroig jedoch nicht. Ludwig Salvator von Habsburg, der 1867 auf abenteuerliche Weise zwanzigjährig nach Mallorca kam und sich in die Insel verliebte, baute die Finca. Son Marroig hat zwei Seiten: Zum Berg eine eher trutzige Finca, zum Meer hin eine heiter-verspielte Villa im südlichen Stil. Der italienische Marmorpavillon ist eine beliebte Postkarten-Ansicht der Insel.

Sonntag.

Das Frühstück im Hotel ist wieder gut, die Sonne, die sich am Samstag teilweise hinter Wölkchen verzogen hatte, scheint, der Reiseführer schreibt: Meiden Sie Plama am Sonntag – denn da ist nichts los! Wunderbar! Die Hauptstadt in Ruhe ansehen – das hat doch was!

Da alle Geschäfte geschlossen haben, bummeln wir zuerst den Paseo de la Riba gegenüber der Kathedrale hinaus. Das Café am Ende dieser Mole hat erstaunlich guten Espresso und bietet einen feinen Blick auf Palma und die im lauen Wind kreuzenden Segelschiffe in der Bucht.

Der Stadtbummel offenbart zwar architektonische Einblicke in Hinterhöfe und auf ehrwürdiges Mauerwerk. Aber irgendwie ist Palma mit Gewusel dann doch netter.

Eine Überlandfahrt führt uns über Llucmajor und Campos zur Colònia de Sant Jordi. Ds ist ein ziemlich allein gelassener Ferienort, ohne aufregendes Hinterland und mit einem Strand, der eigentlich ganz supertoll ist – aber zum einen ist Es Trenc mittlerweile in der Ferienzeit arg überlaufen, was man ihm ansieht – und dass man sogar Anfang März auf dem Parkplatz vor dem Strand saftige Gebühren kassiert, macht’s auch nicht gerade freundlich. Aber man kann ja umkehren.

Der Hafen des kleinen Ortes entschädigt, das schöne Wort pittoresk umschreibt ihn ganz gut. Strand und angrenzende Restaurants sind genau so, wie man sich buntes Treiben am Mittelmeer vorstellt – und in “Bar Restaurante Xaloc” kann man erstaunlich gut zu Mittag essen…

…was, entsprechend ausgedehnt und mit einem Verdauungsspaziergang garniert, die Zeit bis zum Abflug am frühen Abend schnell vergehen lässt.

Ulrich van Stipriaan

Originalbeitrag STIPvisiten

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