Italienisch einkaufen (Teil 1)

Erlebnisse auf den Äolen (1)

Das Beste vom Thunfisch

So ein Urlaub will ja ordentlich vorbereitet sein – auch sprachlich. Also schnell noch einen Sprachkurs gekauft und auf den iPod geschmissen, so dass auf dem Weg zur Arbeit und beim Rückweg nach Hause das Hirn quasi subkutan mit Italienischem gefüttert wird. In unserer Ferienwohnung auf Lipari war die Küche gut ausgestattet, der Platz auf der Dachterrasse himmlisch und das Angebot an Frischem in den Alimentari göttlich. Also beschlossen wir eines Morgens, Fisch zu kaufen. Morgens, weil die örtlichen Fischer ihre Ware dort frisch anboten und meistens schon am späten Vormittag ausverkauft waren. Sylke empfahl „die beiden Läden am Ende des Hafens“ – warum nicht? Wir also hin. Wir also da. Wir zögerten: Läden waren das nicht, eher, sagen wir: finstere Räume mit einer kleinen Tür davor und wiederum davor Männern, die fürchterlich viel und italienisch (was sonst?) palaverten. Gerade vor uns der Laden machte einen den Umständen entsprechenden guten Eindruck, der links daneben einen besseren.“Oder wollen wir doch lieber in die Stadt und dort…???“ hub ich an, doch Sylke machte mir Mut: Ob wir nicht doch hier…???

Dottore Pescatore hatte uns bemerkt, kam und fragte (italienisch, wie sonst), was wir denn wollten und ob er uns helfen und überhaupt… Ich hatte natürlich alle Lektionen vergessen und antwortete fließend im kleinkindlichen Einwortsatz: „Tonno!“ Er nickte, ging in die finstere Höhle, ganz tief, noch weiter – und kam dann mit einem kompletten Tunfisch zurück. Wir sahen uns etwas entsetzt an, ich fasste mich und deutete, mehr mit Händen als wohl geformten Worten (wie denn auch: ohne iPod im Ohr???), an: Zwei Tranchen, due fetti, per piacere

Wir waren ziemlich verunsichert, ob das überhaupt möglich sein würde. Sah mehr aus wie ein Großhandel, dachte ich. „Sieht hier ja mehr aus wie ein Großhandel!“, sagte Sylke. Dottore Pescatore übergab den tonno completo einem Kollegen, der ihn (den Fisch), haste-nicht-gesehen-wie-das-blut-spritzt, einen Kopf kürzer machte und uns lächelnd ansah, den kopflosen Tun vor der Brust. Ein englisch radebrechender dritter Mann tauchte auf und fragte, ob wir wirklich zwei Tranchen haben wollten. Er deutete auf die Mitte des Fisches, sagte: Könnten wir natürlich haben. Aber – er deutete auf die Seiten des Fisches – weitaus besser seien diese beiden Teile. Eigentlich würden sie die nie verkaufen, weil sie soooooo lecker seien.

Nun bilden wir beide uns ja bekanntlich ein, einiges vom Essen und Kochen zu verstehen – aber „diese beiden Teile“ kannten wir nicht. Aber da uns sechs italienische Männeraugen ehrlich anstrahlten, nickten wir: si, si… Wir zahlten zehn Euro fürs Pfund Seitenlappen, brachten die Tüte in den heimischen Kühlschrank und gingen wandern…

„Es gibt,“ sinnierte Sylke, „zwei Möglichkeiten: Entweder die lachen sich jetzt ins Fäustchen, wie doof doch Touris sind, den Abfall zu nehmen – oder es ist in der Tat ein tolles Stück!“ – Und dann, wenig später: „Aber warum sollten die uns übers Ohr hauen?“ – Und dann, noch später: „Glaubst Du, dass das gut schmeckt?“ – Und dann, später: „Was ist, wenn das nun nicht gut ist?“ – Und dann, später, am Abend, nach dem tonno aus der Pfanne auf den Tisch des Hauses kam: „Der beste Tunfisch meines Lebens!“

[Zum Teil 2]

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