Römische Verhaftungen

Way out

Die spinnen, die Römer! Sie haben offensichtlich die abstrusesten Regeln, was das Fotografieren anbelangt. Als ich im Flughafen beim Warten aufs Gepäck den Schilderwald ablichtete und schon wieder auf dem Weg zum Band war, kam ein ganz süßer Mann in Grün hinter mir her. In perfektem Italienisch (da sind sie gut drin, die Italiener!) fragte er mich, ob ich Italiener sei, worauf ich in perfektem Englisch antwortete, dass ich aus Deutschland käme. Daraufhin bat er mich, ihm zu folgen. Sein Kollege interessiere sich für meine Bilder!

Hurra! Endlich interessiert sich mal jemand für meine Bilder! Aber warum kommt er nicht selbst, um nach einem Autogramm zu fragen, sondern schickt den Kollegen?! Egal. Der ordernde Kollege sah nicht so gut aus und sprach auch kein Englisch. Und er machte auch nicht den Eindruck, ein Fan zu sein oder werden zu wollen. Griesgrämig sah er sich die drei Bilder an, die ich mit meiner kleinen Pocketkamera gemacht hatte – zeigte sie etwa Verbotenes? Oder nicht das, was er sich erwartet hatte?

Ich habe es nicht erfahren, denn ich durfte wieder gehen – ohne die Bilder zu löschen. Das war meine erste Quasi-Verhaftung in Rom. Die erste, nicht die letzte…

Den zweiten Polizisten-Kontakt hatte ich beim Forum Romanum. Ich schleppte die DVCAM und ein veritables Stativ mit mir herum und baute beides mittig auf einer nicht befahrenen Straße auf, weil mein geschultes Auge mir sagte (jaja, mein Auge kann reden!): Das ist ein super Standort hier! Sylke sicherte das Unterfangen ab, indem sie mir den Rücken frei hielt – aber vergebens: Die Staatsmacht kam von vorne! Der Uniformierte hatte sich wohl gleich gedacht, dass ein Italiener es sich nie mitten auf der Straße bequem machen würde und redete mir auf englisch ein, dass ich hier nicht stehen dürfe! „Wie soll es da einen ultimativ tollen Rom-Film geben?“ fragte ich mich, packte aber alles ein und verzog mich auf den Gehweg. Danach war Ruhe mit Pseudo-Verhaftungen, was vielleicht auch daran lag, dass ich wegen der einbrechenden Dunkelheit nicht mehr filmte.

Aber offensichtlich war mein Steckbrief über Nacht an alle einschlägigen Stellen geschickt worden. Am nächsten Tag traf mich die Gewalt der Uniformierten wieder zwiefach – wobei die Geschichte aus dem Pantheon sehr sehr schön ist.

PantheonIch war mit DVCam und Stativ ins Pantheon eingezogen, um dort Aufnahmen für ein Filmprojekt der TU Dresden und der DFG (Deutschen Forschungsgemeinschaft) zu machen. Es geht um den Beton der Römer – und da kommt man um die Kuppel des Pantheon nicht herum. Ohne ordentliches Stativ sind aber solche Aufnahmen nicht zu gebrauchen, hatte ich in einer Schulung durch kompetente Kameraleute gelernt. Also baute ich das Teil auf. Doch zack, haste nicht gesehen, stand eine uniformierte Italienerin neben mir. Ja, bedeutete sie mir auf englisch: Filmen dürfe ich. Aber nicht mit Stativ! Dazu bräuchte ich eine Genehmigung, schriftlich – und sie untermalte das mit rollenden Augen und eindeutiger Handbewegung. Ok ok – wo könne ich die denn bekommen? fragte ich – worauf sie plötzlich kein englisch und auch keinen Spaß mehr verstand und mir nicht mehr so nett gestikulierend bedeutete, nun endlich abzubauen, bessser noch: abzuhauen.

Ich tat willig und filmte weiter. ich komme doch nicht nach Rom, um mir meine Aufnahmen versauen zu lassen! Hastewiedernichtgesehen stand sie erneut neben mir und wiederholte (irgendwie zu Recht, aber doch nervend) ihr „no tripod!“. Nicht im Pantheon, draußen gerne!

Also ging ich raus. Dort baute ich direkt vor den imposanten Säulen des Pantheon mühsam die Zweieinigkeit von Dreibein und Kamera auf – und hatte erneut Miss Meckerliese neben mir: Hier sei zwar draußen, aber noch nicht der Platz. Und sie scheuchte mich rund achtzig Zentimeter weiter zurück. Großes Grinsen rundrum. Gut zwanzig Minuten hätten die Leute drinnen machen können, was sie wollten, denn meine persönliche Filmmitstativverhinderin ließ den Blick nicht von mir und erzählte die Unglaublichkeit einem Kollegen, der für die Sauberkeit des Pantheon zuständig war.

Krippe vor dem PetersdomDa bin ich also nochmal davon gekommen und trollte mich weiter, Richtung Vatikan. Auf dem Petersplatz war eine Krippe aufgebaut, mit lebensgroßen Figuren. Ich schlich drumherum, zuerst mit der Spiegelreflex und dann mit der Filmkamera – ohne Stativ. Ich hatte gerade die erste von geplanten acht Szenen abgedreht, da sprach mich auch schon ein netter Polizist an. Ob ich professionelle Aufnahmen machen würde? Angesichts der Tatsache, dass ich die Kamera mal gerade erst drei Tage hatte, log ich nicht und sagte: Nein! Das glaubte er natürlich angesichts des doch profihaft aussehenden Modells nicht und wollte die Aufnahmen der letzten fünf Minuten sehen. Ich solle doch mal bitte mitkommen, auch seine Kollegen seien sehr interessiert! Darauf bildete ich mir nichts mehr ein, Polizisten sind nicht an Kunst interessiert. Also zeigte ich den Schrunz der vergangenen fünf Minuten, darunter zehn Sekunden Krippe. „Halt!“ sagte der, der der Boss zu sein schien. Von hier an solle ich die Kamera zu Boden halten und die Aufnahmen überspielen. Mit Dackelaugen beteuerte ich, dass das nicht ginge, weil diese Kamera das nicht könne. „I must do it on a computer, you know?!“ Okay, vielleicht kann die Kamera es, aber ich kann es definitiv nicht – also ging’s nicht. Wir hatten dann noch ein nettes Gespräch über was man darf und was nicht, in dem ich mich als vehement kooperativer Partner der italinenischen Aufpasser outete.

So viel Spaß musste sein!

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