Schlafen, Essen, Trinken

Venezianische Impressionen (9)

Viele einschlägige Reiseführer empfehlen für eine Stadterkundung Museen, Kirchen und andere Hochkultur. Eigentlich tun das sogar die meisten, und irgendwie wollen die Leute ja auch dringend wissen, wie der Vater und der Bruder des Domenico Robusti hießen, und warum.

So spannend und kulturgeschichtlich wertvoll die Anhäufung derlei Wissen auch sein mag – man kann sich einer Stadt auch anders nähern. Schlendernd, beobachtend und immer wieder einhaltend, um Land und Leute zu studieren. Und wie sollte das besser geschehen als bei einer Tasse Caffé oder einem Glas Wein?

Hier nun also eine Zusammenfassung der einschlägigen Erlebnisse in Venedig, subjektiv sowieso und keineswegs repräsentativ: Wir sind wirklich spontan und uninformiert in die Läden gegangen, die uns nett und gut erschienen – und nicht enttäuscht worden.

In der Reihenfolge, wie wir sie besucht haben, hier die Kurzkritiken:

Pane Vino & San Daniele
Spezialität: San DanieleNicht weit von der Rialto-Brücke und deutlich touribefreit fanden wir Pane & Vino – ein kleiner einfacher Laden mit Holztischen und einfachem Angebot. Vorspeisenteller 7 Euro, zweiter Gang (bei uns: Hauptgang) 10 Euro – unspektakulär war’s, wir hätten den Schinken nehmen sollen, denn der sah gut aus (bei der Antipasti war er auch dabei und schmeckte!). Eine Flasche Hauswein 11 Euro, und sie war genießbar!
Calle dei Boteri 1544, S. Polo Tel. 03428700276

Trattoria Pizzeria Antica Capon

Campo Santa MargheritaAm Campo Santa Margherita findet man – weil es lange genug als Geheimtipp gehandelt wurde – genug Touristen, um es nicht mehr nett zu finden, aber auch ausreichend Einheimische und (dies vor allem abends!) Studenten, um doch zu bleiben. Über die Anmache der Tourifänger habe ich schon berichtet, dass es dennoch gut schmeckte, auch. Im Antica Capon lässt der Chef die Bedienung tanzen – er sieht nach dem Rechten und hält seine Jungs an, schnell zu servieren – wer fertig ist, geht und macht den Weg frei für neue Gäste. Wenn man sich aber nicht scheuchen lässt, lassen einen die Ober in Ruhe und man kann es locker angehen lassen und die Schönheit des Platzes genießen. Wir hatten Penne (7 EUR) und Pizza (8 EUR), und beides war in Ordnung, der Wein dazu auch.
Campo S. Margherita Dorsoduro, 3004 | Tel. 041/ 52.85.252
[Nachtrag 2015: Beim Besuch im Januar war das Restaurant geschossen]

Caffé in Castello
Bar in CastelloOh wie peinlich, da habe ich keinen Namen. Es war am Campo S. Maria Formosa, wahrscheinlich an der Ecke zur Calle Lunga. Es gab jede Menge Außenplätze, und drinnen ging es venezianisch-rustikal zu, mit lautstarkem Dialog zwischen Cheffe und la Mamma. Wir nahmen nur zwei Caffé an der Theke und waren zufrieden. Und wie das heißt, krieg ich auch noch raus!(Es ist an einer Ecke, und es hat auf der grünen Markise „Bar Gelateria Pizze Toast …“ stehen. Und es sind wohl nicht das Al Mascaron, Calle lunga Santa Maria Formosa, 5525, 30122 Venezia, Tel. 041 52 25 99 5, Calle Lunga S. Maria Formosa 5225, Castello, Tel. 04 15 22 59 95 und auch nicht die Enoteca Mascareta, Calle Lunga Santa Maria Formosa,Castello 5183, Venice, Tel.041/523-0744)

[Nachtrag 2009:] 
Na also: Das ist die Bar All’Orologio. Castello 6130, Campo Santa Maria Formosa, Tel. 041 / 5230515

Osteria al Bomba
Osteria Al Bomba (3)Die Calle de l’Oca findet man garantiert nicht, wenn man gezielt nach ihr sucht – sie ist klein genug, um auf normalen Stadtplänen namenlos zu bleiben. Wenn man allerdings nur so durch Cannaregio läuft und auch mal links und rechts der Hauptstraßen einen Blick riskiert, findet man sie. Die Osteria al Bomba leuchtete in der einbrechenden Abenddämmerung bis zur Haupteinkaufsstraße des Sestiere Cannaregio, der Strada Nova – und wir fühlten uns irgendwie magisch angezogen, dort einmal nach Spritz und Cichetti zu schauen.Eine lange Theke, hinter deren Glas tatsächlich Leckereien lagen, an der Wand jede Menge Flaschen und reichlich Zettel mit lustigen Sprüchen oder Werbung fürs Essen und Trinken. Vor der Theke zwei, drei Einheimische, dahinter der Wirt mit hochgekrempeltem Hemd und Pullover – und Sonnenbrille, hoch ins schwarze Haar geschoben. Wir hatten so was wie eine Eckkneipe erwischt, nur dass sie nicht an der Ecke lag.

Wir waren, nur wenige Schritte von der viel begangenen Strada Nova, in einer der besten kleinen Osterias des Viertels gelandet. Der Wirt empfahl „Spritz“ – und irgendwann muss man die Mischung aus Aperol, Wein und Kohlensäure ja mal probieren. Die Leute links und rechts neben uns an der Theke bestellten alle etwas zu essen, und es sah hinter dem Thekenglas auch sehr verlockend aus. Wir hatten für den Abend vor, ins Al Brindisi zu gehen – also gönnten wir uns nur einen Teller voll Pulpo-Salat. Es war: köstlich! So einfach gemacht, aber eben einfach gut!

Calle de l’Oca, Cannaregio | Tel. 041 5205175

Al Brindisi
Al BrindisiDazu gibt’s bereits einen ausführlichen Bericht – ein netter Ort für einen schönen Abend. Wenn es wärmer ist, kann man sicher auch abends draußen sitzen und das pulsierende Leben am Campo genießen.
Campo S. Geremia, Cannaregio, Tel. 041 716968

Cantine del Vino gia Schiavi / Al Bottegon
Cantine del Vino gia SchiaviAuch zum Al Bottegon, das viele eher unter dem Namen Cantine del Vino gia Schiavi kennen, weil das überm Eingang steht, gibt es einen ausführlichen Bericht, den man wie folgt zusammen fassen kann: Es lohnt sich, wieder hierhin zu gehen – auch wenn es manchmal sehr voll ist, weil sich das herum gesprochen hat!
Al Bottegon | Fondamenta Nani, Dorsoduro 992 | Tel 041 523 0034

Caffé Belle Arti
Im Caffé Belle ArtiUnweit der Accademia werden auch anderweitig die schönen Künste gepflegt – im Caffé Belle Arti mühen sich zwei Männer ungemein freundlich, dass sich im engen Laden die Touristen wohl fühlen. Wir waren nur auf eine Kaffee an der Theke dort und beobachteten das muntere Treiben, und ich glaube, dass ich dort auch nur für einen Kaffee (und nicht zum Essen) wieder hingehen würde. Das aber jederzeit!
Dorsoduro | Calle Gambara (an der Accademia)

Osteria Al Bacareto
PauseIn San Marco, aber nicht so im Zentrum der Besucherströme gelegen, fanden wir die Osteria Al Bacareto. Rammelvoll, viele Italiener aus der Gegend, die hier ein Häppchen an der Theke oder auch am Tisch nahmen. Venezianisches ist im Angebot: Fisch, Gemüse – alles sah gut aus. Uns reizte das Vitello tonnato (9,50 EU), eins von der besseren Sorte, wie sich zeigen sollte, mit hauchdünnem zarten Fleisch und feiner Tuna-Sauce. Wein und Espresso zu den üblichen Theken-Preisen (2 EU das Glas, 1 EU das Tässchen).
Calle Crosera, S. Samuele 3447, San Marco | Tel. 041 5289336

Cantina Vecia Carbonera
Cantina Vecia CarboneraAm Ende der Rio Tera de la Maddelena in Cannaregio lädt die Cantina Vecia Carbonera ein, eine Weinbar. „Andar per ombre“ – in den Schatten gehen, nennen die Venezianer ihre Ausflüge in die vielen sich anbietenden Gaststätten und Bars. Diese Cantina ist ein elendig langer Schlauch, wo es vorne an der Bar zum üblichen Spottpreis von 1 Euro den Schatten (ombra) gibt – trinkbarer Zechwein, weiß oder rot. Außerdem Spritz (Aperol, Weißwein, Prosecco, Kohlensäure) und natürlich Kleinigkeiten zu essen. „Cicheti“ wie Schinken, Tintenfische, die beliebten Sardinen a saor – ach, das einfache Leben kann so nett sein!
Campo della Maddalena, Cannaregio 2329 | Tel. 041 71 03 76

La Cantina
La CantinaLa Cantina ist das begehrteste Ziel an der Strada Nova, viel ChiChi mit BussiBussi und nicht nur mit Cicheti, sondern auch mit größeren Häppchen, die Mitbesitzer Francesco Zorzetto mit Wissen um die Effekte in der offenen Miniküche zubereitet. Wer will, kann auch nur ein Glas Wein trinken – die Auswahl ist reichlich, allein die etwa 40 offenen lassen keine Wünsche übrig (ausführlicherer Bericht).
La Cantina | Campo San Felice/Strada Nuova, Cannaregio 3689 | 041 522 8258

Trattoria La Rosa dei Venti
Rio GaffaroFernab der Touristenströme in der eher beschaulicheren Ecke Santa Croces sitzt man gar nicht so schlecht in der Windrose (im Bild bei Tag aufgenommen: vorne links). Die Tische eher einfach-rustikal, das Essen eine Mischung aus der italienischen Varianten von „gutbürgerlich“ und „typisch venezianisch“ – nicht allererste Wahl, aber wenn das Hotel („unser“ Hotel!) gleich nebenan ist, ein praktischer Ort, den Abend angemessen zu verleben. Zum Preisgefüge: Vorspeisenteller (sehr gut) 9 Euro, Hauptgerichte zwischen zehn und 15 Euro, eine Karaffe Hauswein (halber Liter, wenn ich mich recht erinnere) 5 Euro, Espresso 1,50. Nette Bedienung – aber die hatten wir eigentlich überall!

Taverna Ciardi
Eine Cicheteria in Cannaregio, etwas abseits gelegen, aber man kann es gut in einen Cannaregio-Bummel einbauen. Wir waren zu einer unmöglichen Zeit da – so gegen elf am Vormittag. Unmöglich? Nicht für ein Gläschen Wein, dort gereicht mit Oliven. Die Karte las sich so, dass man noch einmal abends hin sollte. Supernetter Wirt hinter der Theke – und siehe da: Eigentlich sind sie zu zweit, und offenischtlich greifen sie abends schon mal beide zur Gitarre und singen. Ordentliche Songs, ohne Italoschmalz.
Calle dell‘ Aseo, 1885 | Cannaregio | 30100 Venezia |Tel. +39 041 5241026
www.tavernaciardi.it | armando@tavernaciardi.it

Paradiso Perduto
Paradiso PerdutoDas „verlorene Paradies“ ist eher als Szene-Treff für gute Musik bekannt, wir fanden es in Cannaregio direkt am Rio della Misericordia. In der Küche steht ein Inder, der Chef selbst ist Trompeter – eine lustige Kombination. Uns hat’s geschmeckt, und wir fanden es (anders als die Kollegen vom Max Cityguide) auch nicht zu teuer für venezianische Verhältnisse: großer guter Antipasti-Teller 12 Euro, Spaghetti mit Pesto 10 Euro, ein halber Liter Hauswein 6 Euro, Espresso 1,50. Wir saßen mittags draußen – zu den Toiletten (die etwas abenteuerlich sehr küchennah im Hof liegen, aber das hat man ja oft) geht’s durch die Kneipe vorbei an Poster, Postkarten und anderem Ansehenswerten.
Fondamenta della Misericordia 2540 | Tel. 041 / 720581

Locanda Salieri

Übernachtet haben wir in einem kleinen Hotel, dem Locanda Salieri. Für venezianische Verhältnisse mehr als günstig – und für unsere Zwcke gut gelegen: Nahe am Busbahnhof, nahe am Canal Grande. Einfaches Zimmer unterm Dach, Frühstück nebenan – aber nettes Personal. Was also will man mehr?
160, Fondamenta Minotto – Rio del Gaffaro – 30135 Santa Croce | www.hotelsalieri.com

Ach ja, um noch einmal auf den Anfang zurück zu kommen: der Vater von Domenico Robusti war Jacobo Tintoretto, sein Bruder hieß Marco, und den Namen Tintoretto hatten die Robustis, weil Il Tintoretto „das Färberlein“ heißt – und das war der Beruf des Vaters von Jacobo. So steht’s in der Wikipedia und nun auch hier… Werken des Malers Tintoretto begegnet man in Venedig quasi auf Schritt und Tritt – beispielsweise im Dogenpalast und auf der Klosterinsel St. Giorgio Maggiore.

[Karte bei Google-Maps]

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