Cala Gonone

Geschichten aus Sardinien (6)

Golfo di Orosei

Unser Ferienhaus ist am Ende der Welt und doch mittendrin. Es liegt direkt am Wasser – allerdings in der dritten Etage von Cala Gonone: 35 Meter hoch. Es gibt wenig Bilder von außen, die das Haus zeigen, weil es am Hang liegt. Um es einmal gesamt zu sehen, müsste man fliegen können. Oder eine Bootstour unternehmen und es mit dem Tele heran zoomen.

Aber es gibt Meerblick! In die eine Richtung gen Hafen und darüber hinaus die weit geschwungene Küstenlinie des Golfo di Orosei entlang – mit den vielen kleinen Buchten, die nur mit dem Boot oder als Wanderung zu erreichen sind. Zwei von ihnen, die Cala Luna und die Cala Goloritze, stehen auf dem Plan. Noch aber sind sie terra incognita und verschwinden in den Wolken, die tief hängen am Morgen.

In die andere Richtung, unter drei Palmen sitzend, verfolgen wir ein nettes Spektakel: Mondaufgang bei Vollmond. Das ist ein vollwertiger Sonnenaufgangsersatz, der uns, wie schon mehrfach gebeichtet, wegen der frühen Morgenstunde meist verwehrt bleibt. Und da an einer klassischen Ostküste die Sonnenuntergänge mit Wasserspiegelung extrem selten vorkommen, war die Sache mit dem Vollmond eine willkommene Abwechslung.

MondaufgangEinige Minuten vor dem als Mondaufgang im Kalender verzeichneten Zeitpunkt beginnt sich das Wasser – an diesem Abend ist es wunderbar ruhig – in ein rot-blaues Zebra zu verwandeln. Da tut sich was, signalisieren die Schlieren! Wenig später steigt ein feurig roter Ball aus den dunkelblauen Fluten: Wie bei einem veritablen Sonnenaufgang, ich bin begeistert! Nur dass es statt heller nun dunkler wird und der Mond auf dem Weg in die Nacht das Rot abwirft, gelblich-weiß leuchtet und seine gewohnte Kleinheit einnimmt.

Bis zum Meer sind es 98 Stufen und eine Straßenüberquerung. Netter Frühsport, um an frische Mortadella, Panini, Milch und Tomaten zu kommen! Aber auf dem Weg zum Supermercado liegt ein Restaurant, das zwar noch nicht wirklich geöffnet hat – aber due cafe bekommen wir immer, während der Chef die Kasse einrichtet und die Servicekraft die Tische eindeckt. Erst a banco, an der Theke. Ab dem dritten Tag werden uns die beiden Espressi nach draußen an den Tisch gebracht – zum gleichen Preis wie stehend drinnen. Der Chef der Bar Gelateria Fronte del Porto hat ein sehr fotogenes Gebiss, mit Naturwuchs und Lücken. Da er immer freundlich ist, sieht man es häufig. Später im Supermarkt an der Wurst- und Käsetheke treffen wir uns wieder. Während gute Lage ja oft ein Killer von Qualität ist, ist im Fronte del Porto alles bestens, auch bei unserem einen Mittagbesuch (mit Pizza und Meeresfrüchtesalat): netter Service, sehr guter Espresso und vernünftige Preise bei ordentlicher Qualität.

SonnenbadAm Strand von Cala Gonone ist nicht viel los. Der Hausstrand mit feinem Kies – gelblich bis rötlich – macht nicht viel her, aber sonntags ist es hier auch in der Vorsaison richtig voll, weil die italienischen Familien generationenübergreifend auf Achse sind. Zum Baden lud uns das nicht ein, zum Entlangschlendern mehrfach. Zum Ende der Bucht wird der Kiesstreifen immer schmaler und geht dann in Felsen über, die man munter entlang kraxeln kann.

Rot-grün-blauHinunterblickend sieht man tief ins Wasser, das schön klar und natürlich in allen Türkisvarianten schillernd die Felsen formt. Und wenn man dann nach oben guckt, blickt man auf eine andere Farbkomposition: steil aufragende rote Felsen, grün bewachsen – natürlich vor blauem Himmel. Diese Farben können einen besoffen machen. Und das sogar ganz ohne Nebenwirkung!

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