Die Buchten nördlich von Cala Gonone

Geschichten aus Sardinien (10)

Golfo di Orosei

Während die Schiffe (Schiffe? Kutter! Seelenverkäufer!) wie verrückt die Buchten südlich von Cala Gonone anfahren, meiden sie die Tour gen Norden. Das hat einen Vorteil: Die Buchten dort sind leerer! Man erreicht sie mit dem Auto und gegebenenfalls ein bisschen Tippelei – aber keineswegs mit Wanderaufwand: kleine Spaziergänge reichen – und lohnen sich!

Der Weg zum Spiaggia Cartoe und zum Spiaggia Osalla führt von Cala Gonone über einen alten Pass mit kurvenreicher schmaler Straße. Gegenverkehr gibt’s hier häufiger von Schafen und Ziegen als von Autos – aber die Vierbeiner haben natürlich auch ihren Stolz und können einen schon ein wenig aus der Fassung bringen. Bei Schafen auf der Straße ist es wie bei einem Feuer im Hochhaus: Als erstes muss man Ruhe bewahren. Wenn die einen stur angucken: einfach zurückfotografieren. Wenn sie näher kommen: einfach Gas geben (aber langsam, Tierfreund!). Irgendann geben die Schafe meist auf und gehen wieder auf die Wiese, wo sie sich Geschichten von touristischen Autofahrern erzählen, denen sie es mal wieder ordentlich gegeben haben. „Hast du gesehen, mit was für einer miesen Kamera der uns fotografierte?“ und ähnliche Kommentare könnte man da hören, wenn man nur richtig schäfisch spröche!

GegenverkehrDie Schafherde auf dem Weg zur Cala Cartoe kam gesenkten Hauptes auf uns zu, so als ob sie den Asphalt abfuttern wollten. Je mehr sie sich unserem Panda (jaja: ein Panda!!!) näherten, desto häufiger lunschten sie auch mal hoch. So aus dem Augenwinkel. Das blieb eine ganze Weile so, und erst nach etlichen Minuten mähten die Schafe deutlich hörbar ein „Der Klügere gibt nach“, drehten sich um und trollten sich, als ob nichts gewesen wäre, von hinnen.

Spiaggia CartoeDie Straße zum Strand von Cartoe endet irgendwann einfach, genauer: Sie hört auf, eine komfortable Straße zu sein. Freundlicherweise gibt es kurz vorher einen Parkstreifen, an dem man das Auto abstellen sollte, denn bei Weiterfahrt drohen nur das Nichtfinden eines besseren Parkplatzes und eine längere Rückwärtsfahrt, weil es zum Wenden zu eng wird. Man läuft also die letzten paar hundert Meter zum Strand hinab und wird – wie so oft – mit bezaubernden Blicken belohnt. Hinten das wirkliche Meer, im gewohnten Blau des reflektierenden Himmels, vorne ein kontrastierend gelbes Blütenmeer von Mittelmeer-Margeriten, in dem sich zur großen Fotografenfreude hin und wieder eine rote Mohnblume verirrt hat.

Der Strand selbst ist vor allem eins: fast menschenleer. Weitere Pluspunkte: Feiner Sand, Wasser mit Wellen, schönes Hinterland. Nachteil: Keinerlei touristische Versorgung, aber wir hatten natürlich unsere Wasserflaschen dabei.

Lonely TreeAuf dem Rückweg stellten wir übrigens fest, dass die Steigung erträglich ist. Der leichte Aufstieg zum Parkplatz bot, das liegt in der Natur der Sache, völlig neue Blickwinkel, zumal die Sonne mittlerweile deutlich tiefer stand als bei der Ankunft. Der einsame Baum hoch oben auf dem gegenüberliegenden Felsen war uns auf dem Weg zum Strand entgangen – jetzt war er der Blickfang schlechthin. Beachtlich, was die Natur da manchmal so in die Landschaft stellt, nur um uns Heimwanderern den Weg zu versüßen!

Jump!Die Spiaggia Osalla ist nur eine Bucht weiter – aber geregelt kommt man von Cartoe nach Osalla nur, indem man die Straße mehrere Kilometer landeinwärts fährt und dann nahezu parallel wieder zur Küste. So ist das in Landschaften, wo sich Bergzüge und Täler abwechseln. Zwischendurch gibt es von der Straße einen schönen Blick auf die Bucht mitsamt Fluss, der freilich nur kurz vor dem Meer diesen Namen halbwegs verdient. Dafür sind seine Ausläufer extrem sprunganimierend und somit ein nie versiegender Born der Heiterkeit.

Spiaggia OsallaIn der Saison ist hier deutlich mehr los als am Strand von Cartoe – man kommt halt noch leichter hin und kann mit dem Auto quasi vorfahren. Bei unserer STIPvisite war es schön leer (und zu kalt zum Baden), obwohl der Sandstrand und das blaue Wasser recht einladend waren. Kioske und Strandbars gibt es hier auch, aber mangels Touristenansturm hatten sie noch geschlossen. Dafür schlenderte ein Verkäufer heimischen Obstes den Strand entlang und pries seine Waren an.

Schiffe versenken - TrefferEinen kleinen Hafen gibt es hier auch, bei dem ein Schiff beim beliebten „Schiffe versenken“ deutlich den Volltreffer abbekommen hatte. Es lag als Wrack so für sich hin und wird da wohl neben der Hafenmauer auch liegen bleiben, bis es verrottet ist. Als Fotomotiv, als Versteck für kleine Fische, für Taucher – was weiß ich.

Der vier Kilometer lange Strand hinterm Hafen bietet im Rücken noch eine nette Besonderheit: ein Pinienhain mit Fluss. Dann und wann eine Brücke über den Osalla ermöglichen Rundspaziergänge: Fabelhaft, hier im Schatten zu schlendern!

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