Orosei und Galtelli

Geschichten aus Sardinien (12)

Frauenschwatz

Wir waren an der Küste des Golfes von Orosei unterwegs und wollten auch die Marina Orosei kennen lernen – zumal der Reiseführer auf der Stichstraße zum Strand ein Restaurant empfahl, das einen Mittagsbesuch wert erschien. Natürlich kamen wir wieder mal zu spät: mittags geöffnet bis 14.30 Uhr, und es war schon kurz vor drei. Aber es saßen noch Leute dort, und so fragten wir. Naturalmente könnten wir noch was essen und trinken – nur bitte keine Pizza mehr, der Ofen sei schon aus! Große Freude unsererseits, und der kleine Mittagsimbiss im La Veranda wurde auch vom Geschmack her ein Vergnügen: Insalata di Mare und ein großer Teller mit Muscheln in Weißweinsauce, dazu pane karasau und ein leicht perlender leichter lokaler Wein waren genau das, was wir haben wollten! (La Veranda, Via del Mare 83, Orosei).

Marina OroseiDie Marina selbst haben wir nicht genossen – farblose Großanlagen mögen wir nicht. Auf dem Weg dahin fiel uns noch eine Plastik auf, die den hier in der Gegend vorkommendem Marmor huldigt. Die Abbaugebiete südlich von Orosei hattten wir ja schon auf der Hinfahrt nach Cala Gonone gesehen und waren not amused über den Raubbau an der Landschaft. Dieser Eindruck hat sich beim zweiten, diesmal gezielten Besuch nicht geändert.

OroseiOrosei ist eine beschauliche Kleinstadt mit vielen alten Kirchen, die alle in einem angeblich ausgeschilderten Rundgang besucht werden können. Wir verloren relativ schnell den Anschluss, waren aber nicht wirklich böse. Man kann nämlich auch einfach so durch die Gassen schlendern und bekommt dennoch fasst alles mit: Erstens gibt es genug alte Kirchen und zweitens nicht so viel Gassen. Beim planlosen Schlendern kann man sogar noch unverhofft auf eine Eisdiele treffen, die natürlich im historischen Kirchen-Corso nicht vorgesehen ist. Die Gelateria Smeralda macht leckeres Eis!

OroseiBeim Altstadtbummel fielen die Frauen in traditioneller Kleidung besonders auf. Schwarzer Rock, schwarze Bluse, blaue Schürze mit weißem Blümchenmuster oder die eher ins Graue gehende Variante mit zusätzlichem lila Kopftuch sind normal im sardischen Alltag – außer fotografierenden Touristen guckt sich keiner danach um. Und man sollte vielleicht erwähnen, dass eher die älteren Frauen sich so kleiden. (Über die Männer gibt’s an dieser Stelle nichts zu berichten: Die saßen, wie immer, auf Bänken im Schatten und palaverten vor sich hin.)

GaltelliNoch mehr Kirchen auf noch weniger Raum gibt es übrigens ein paar Kilometer weiter im Landesinneren in Galtelli. Die zentrale Kirche begrüßt uns mit schönem Glockengeläut. Auch hier bewundere ich wieder die palaverfreundliche architektonische Feinheiten: Die Kirche wirft um diese Spätnachmittagszeit gerade ein, zwei Meter Schatten: Und genau da ist eine Bank angebracht, damit die beiden Männer sich nicht unter brütender Sonne unterhalten müssen. Im Innern von Sanitissimo Crocifisso ist es übrigens seit dem 14. Jahrhundert schon deutlich kühler, aber drinnen ist ja der Pfarrer und feiert mit drei Frauen in Tracht und mit schwarzem Kopftuch eine Abendvesper. Für die vielen Kirchen von Galtelli gibt es natürlich eine Erklärung: das Örtchen war bis ins 18. Jahrhundert Bischofssitz. Aber hier unten im Tal des Cedrino wütete, Bischofssitz hin, reichlich Kirchen her, die Malaria doch zu sehr – da zog es die Amts-Kirche ins höher gelegene und gesündere Nuoro. Die Malaria ist überwunden, der Bischof aber dennoch nicht zurück gekommen.

Bar in GaltelliWir bummelten durchs Städtchen und erheischten immer wieder einmal einen Blick über die Dächer auf den 806 Meter hohen Monte Tuttavista. Ein Abstecher noch in eine lokale Bar an der Hauptstraße, wo eine jungsche Bedienung mäßigen Landwein servierte, und dann hielt uns nichts mehr in Galtelli.

Lago del CedrinoDer Lago del Cedrino auf der Heimfahrt und eine gar liebliche Landschaft auf dem Weg dahin sollten vielleicht noch Erwähnung finden! Also lobpreise ich die Hügel, die Pinien, die Olivenhaine – und alles das in feinem abendlichen Licht, das der Optik ja sowieso schmeichelt. Dass es dann noch so nette Kleinigkeiten wie eine Schafherde (ausnahmesweise nicht auf, sondern neben der Straße) mit niedlichem Nachwuchs und dem einen sprichwörtlich schwarzen Schaf gab, ging ebenfalls in die Plusliste des ereignisreichen Tages ein.

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