Wenn der Koch überarbeitet ist…

Das Restaurant Brüders wird in Görlitz als Geheimtipp gehandelt

Brüders

Görlitz ist nicht nur die östlichste Stadt Deutschlands, sie ist auch eine im touristischen Aufschwung. Als Folge davon haben auch Restaurants eine Chance, die allein von und mit den Einheimischen nicht leben könnten. Die Frage ist nur, ob sie diese Chance nutzen…

„Brüders“ heißt das Restaurant, das es seit September 2008 in der Brüderstraße gibt – allerbeste Lage mit Blick auf Ober- wie Untermarkt also. Uns wurde es von Görlitzern als „Geheimtipp“ genannt, mit Hinweis auf die köstliche Senf-Champagner-Suppe.

Wir gingen also hin und erlebten die erste positive Überraschung: Es war ein Sonntag, es war halb drei, der Laden leer, die Servicekraft telefonierte, der Koch stand nichts tuend hinter der Theke. „Können wir noch etwas essen?“ – „Ja, natürlich!“ Sprach’s und entschwand in die Küche, die Bedienung stellte ihr Telefonat ein und brachte die Karte: Na, geht doch, nix da Servicewüste!

Das Ambiente ist zurückhaltend modern: Im Gewölbe (nichts Besonderes in Görlitz!) machen sich die fein eingedeckten dunkelbraunen Tische und die (bequemen) Korbsessel gut, draußen sitzt man ähnlich stylish, wenn das Wetter mitspielt.

Die Karte ist klein, zwei Seiten (sie war wohl schon mal doppelt so groß, aber ich mag kleine Karten – sie sind ein Indiz, wenn auch kein Garant, für frische Ware). Wir bestellten natürlich die „Feine Champagner-Senfrahmsuppe mit Senfkörnern“. Ob da wirklich Champagner drin war? Spuren vielleicht, aber der Rotisseur-Senf übertönte sie, so dass es eine angenehme, aber keineswegs sensationelle Suppe war. Die zweite Suppe, „Kresseschaum mit Streifen vom geräucherten Lachs“, schmeckte hingegen passabel – gut gewürzt, wenn auch keineswegs schaumig aufgeschlagen, wie der Name vermuten ließ.

Der „Gemüsespieß vom Grill mit grobem Meersalz Knoblauchbrot“ hatte ein deutliches Übergewicht von getrockneten Tomaten, wir vermissten Auberginen und/oder rote Paprika. Aber er war wenigstens das, als was er auf der Karte stand: Ein Gemüsespieß (mit, übrigens, fein gewürztem Dipp). Aber die „Flusskrebsschwänze mit Sommergemüse im Omelett“, die auch draußen an der Tafel als Spezialität für die „Solide internationale Küche“ angepriesen wurden, kamen im gelieferten Gericht gar nicht vor: Statt dessen lugte ein Octopussi aus dem Ei – im Omelett tummelten sich Meeresfrüchte! Natürlich bekamen wir anstandslos eine neue Portion – aber mit zusammen essen war nichts, und beim dann zwar reichlich mit Flusskrebsschwänzen versehenen zweiten Versuch war das Omelett reichlich blass, um nicht zu sagen: es hatte über weite Partien die Pfanne nicht gesehen.

Immerhin ließ der Koch ein „Entschuldigung“ ausrichten – aber als wir später den Chef des Service fragte, wie man denn Flusskrebse mit Meeresfrüchte verwechseln könne, murmelte der nur etwas von „Überarbeitung“ – was keine gute Antwort ist. Auf die Idee, vielleicht den (wirklich sehr guten!) Espresso hinterher aufs Haus gehen zu lassen, kam man auch nicht – Kundenfreundlichkeit hat auch seine Grenzen.

Eine Internetseite hat das Restaurant, natürlich auch – aber sie ist auch ein Jahr nach der Eröffnung mehr Schein als Sein: Nicht mal die Telefonnummer kann man der Seite entnehmen, sie soll, wie andere Inhalte, nachgereicht werden.

Restaurant Brüders 
Brüderstraße 1
02826 Görlitz

Telefon: 03581 – 84 55 73
Internet: www.restaurant-brueders.de

[Besucht am 6. September 2009 | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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