Fichtepark – Hoher Stein – Plauenscher Grund (2/2)

Plauenscher Grund

Was bisher geschah

Unten im Tal führt dann ein Weg zur Hofmühle: Der Bienert-Wanderweg. Er ist im Rahmen einer großen Aktion und mit Fördergeldern der EU entstanden, was die zahlreichen informativen Hinweisschilder erklärt. Als Wanderweg für Uneingeweihte ist er freilich dennoch nicht geeignet: Bei unseren zahlreichen Spaziergängen dort haben wir noch keine Wegemarkierung entdeckt. Geld für die dafür nötige Farbe war bei den 695.000 Euro, die das Projekt gekostet hat, wohl nicht mehr drin. Der Weg unten durchs Tal ist dennoch schön und wird auch gut angenommen. Ganz am Anfang, wenn es noch an der Stichstraße zum Felsenkeller entlang geht, lohnen sich Blicke auf die beeindruckende Felswand. Vorbei geht es am alten Bahnhof, in dem jetzt (Glas-)Kunst zu Hause ist. Züge halten hier nicht mehr.

HegereiterbrückeAnschließend beginnt der neu angelegte Wanderweg. Zuerst geht es zur Hegereiterbrücke, die an einem Wehr über die Weißeritz führt – ein toller Punkt, an dem anzuhalten sich lohnt. Das Weißeritzwehr gibt es an dieser Stelle seit 1594, die Hegereiterbrücke seit 1782. Sie ist die älteste Steinbogenbrücke Dresdens – und beide bilden ein Ensemble, das bei Dresdner Malern sehr beliebt war. Als Fotograf hat man es nicht so leicht, die Romantik einzufangen, zumal die Bahn auf modernen Geisen gleich daneben die Weißeritz quert. Aber egal – wir sind ja auch nicht mehr in Kutschen unterwegs. Alles hat seine Zeit…

Bienert-WanderwegDer Wanderweg verläuft nun entlang der alten Dresdner Straße, von der man aber nichts mehr erahnt. Kein Wunder, denn sie wurde bereits vor rund 90 Jahren ans andere Ufer der Weißeritz verlegt (wo sie heute noch verläuft). Später gelangt man zu den Resten von Bienerts Garten. 1902 war er als “romantischer Garten” angelegt, aber ihm erging es wie der Straße: Er verwilderte und ist von der Natur zurück erobert worden. Die erhaltenen Säulen der alten Umzäunung geben ein prächtiges Bild ab!

Bienerts GrabstelleAn der Hofmühle, die viele Dresdner auch Bienertmühle nennen, verlassen wir den Wanderweg und biegen ab zur Plauener Kirche und ihren Friedhof. Gottlieb Traugott Bienert, der sächsische Rockefeller (Elbhangkurier 2002), liegt hier begraben. Gleich nebenan gibt es ein sehr schlichtes Grab für Erwin Bienert (1869-1930) und Friedrich Bienert (1891-1969), das kein Geringerer als Walter Gropius geschaffen hat (und ich wette, dass auf die Frage nach einem “Gropius-Bau in Dresden” kaum einer dieses Grab nennen würde). Der Innere Plauensche Friedhof an der Plauener Auferstehungskirche ist auch letzte Ruhestätte für andere bekannte Plauener Industrielle wie den Direktor der Felsenkellerbrauerei A. Evereth, den Baumeister Fichtner (der den Fichteturm errichtet hat) und den Großindustriellen John Daniel Souchay, der viele Jahre Besitzer von Schloss Eckberg war.

Nach der Friedhofsbesichtigung haben wir uns den Besuch beim nahe gelegenen Lieblingsitaliener verkniffen und sind in den Bus gestiegen, der uns zurück zum Ausgangspunkt der Tour brachte…

Karte der Tour

Start und Ziel: Haltestelle Kotteweg, Linien 3 (Straßenbahn) und 63 (Bus)

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