Vierter Spaziergang – Wichtiges im Vorübergehen

In Florenz (11)

Santa Croce

Ein Kurzreise-Städtebesuch ist ja immer eine Aneinanderreihung von Kompomissen – und so sind wir mindestens fünf Mal an Santa Croce vorbei gekommen, haben es aber nie hinein geschafft. Das ist nun aber wirklich schade, denn Santa Croce ist die größte und eine der bedeutendsten Franziskanerkirchen Italiens. Die Grabmäler von Galileo Galilei, Michelangelo, Macchiavelli und anderen sind hier zu finden, und am Bau beteiligt war alles, was Rang und Namen hat (Entwurf von Arnolfo di Cambio, der auch der Dom-Architekt war, Brunelleschi entwarf eine Kapelle, Fresken u.a. von Giotto).

Santa CroceVon vorne ist Santa Croce prächtig, an den Seiten – wir kennen das von anderen Kirchen in Florenz – eher im schlichten Braunton gehalten. Bei den Luftaufnahmen vom gegenüberliegenden Ufer und von der Kuppel des Domes bekommt man einen guten Eindruck davon. Santa Croce gehört zu den „groß­ar­tigs­ten Raum­schöp­fun­gen der go­ti­schen Ar­chi­tek­tur Eu­ro­pas“, sagen die Fachschreiber von archINFORM – und die sollten es ja wissen. Ein Fall für den zweiten Besuch! Dann geht’s auch in das Kloster nebenan, in dem etliche der Schätze lagern – und abends auf den Platz vor der Kirche, auf dem dann das nicht so christlich geprägte Leben pulsiert.

Synagoge und Santa CroceSant`Ambrogio ist ein noch sehr typisches Viertel von Florenz. Wir hatten eigentlich den Markt sehen wollen, der neben dem Mercato Centrale in San Lorenzo als besonders sehenswert gilt. Der Markt öffnet um sieben Uhr und schließt um zwei – da waren wir, nach dem Kunst-Spaziergang mit Vasarikorridor und Verschnaufpause in der Lieblingsvinothek, schlicht ein bissel spät dran, so kurz nach eins. Es gab also nichts Spannendes mehr im Markt (Vormerkung für den nächsten Besuch: Dort anfangen!), so dass wir uns gezwungen sahen, eine Trattoria zu suchen. Wir fanden dann ja auch eine ganz nette

SynagogeAuf dem Rückweg besuchten wir kurz die Synagoge. Sie stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und mischt orientalische Elemente mit italienischer Tradition. Was uns verwunderte: Die Synagoge ist nur am Shabbat geöffnet und kann dann – außerhalb der Gottesdienste – nur mit einer Tour besichtigt werden, die vom Museum im ersten Stock der Synagoge organisiert wird. (In Prag war’s gerade umgekehrt: Da konnte man die Synagogen an allen Tagen außer dem Shabbat besichtigen – aber egal).

SynagogeMan steht also draußen vorm Zaun und sieht hinein – und wenn nicht zufällig jemand mit dem Auto das Grundstück verlassen will, wozu das Tor natürlich geöffnet werden muss, gibt es zusätzlich zu den Streifen aus Travertin und Granit an der Synagoge noch die vom schmiedeeisernen Gitter des Zauns. Die Farbe der Streifen soll übrigens früher deutlich stärker gewesen sein – wobei der Pastellton eigentlich so schlecht auch nicht aussieht!

Note di VinoDen Abschluss des Spaziergangs bildete noch ein Abstecher in eine Weinbar (so wie am Anfang, wir haben das mal verschwiegen, auch eine stand, die schon separat beschrieben wurde: All’antico Vinaio). Das Note di Vino liegt nahe an der Piazza Santa Croce und dehnt sich, das kennt man ja schon, auf die Straße aus. Innen geht es gediegen zu – kleine Holztische mit Holzbänken vor Regalen mit Wein und Olivenöl geben ein stimmungsvolles Bild ab. Es gibt eine kleine, aber sehr feine Auswahl von Leckereien: Käse, Würste, Schinken. Die Weinauswahl ist groß und gut – wobei die Preise die Qualität durchaus reflektieren. Wir wollten nur ein Gläschen trinken, weil am Abend noch ein richtiges Restaurant auf dem Plan stand – bekamen aber ungefragt (und ohne Berechnung) einen Teller mit diversem Naschkram aus der Theke: Es war kurz vor Ladenschluss, und bevor man es wegwirft…

(Borgo dei Greci, 4/6r (Piazza Santa Croce) | 50122 Firenze | Tel. 055 218 750 | http://www.notedivino.it)

[Spaziergang (lila) auf der Karte | Alle Beiträge In Florenz]

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