Zwischen Kleinzschachwitz und Wachwitz

Spaziergänge im Welterbe (12)

Den Titel ist Dresden los: Man wollte sich nicht an die Spielregeln halten bei dem Spiel, wo man ja von sich aus mitmacht und das das heißt: Welterbe zu sein. Trauer trägt seitdem die Flagge an der Pillnitzer Weinbergkirche – und das zeigt: nicht alle Dresdner denken so wie diejenigen, die das Debakel zu verantworten haben. (Sollte jemand nicht wissen, worum es geht: hier ist die Sachlage detaillierter beschrieben.)Als Dresden noch Welterbe war, haben wir bei Spaziergängen im Welterbe die Gegend erkundet. Eine (hier noch nicht beschriebene) Wanderung unternahmen wir im Juni 2008 und wiederholten sie jetzt: Zwischen Kleinzschachwitz und Wachwitz (2008) bzw. Blauem Wunder (2010) bleibt man vom Brückenneubau am Waldschlößchen verschont und genießt die Kulturlandschaft in vollen Zügen. Wir werden es auch für weitere noch ausstehende Spaziergänge daher wohl auch beim Serientitel belassen…

Schloss Pillnitz
Los geht’s also im Zungenbrecherort. Eine Fähre verbindet Kleinzschachwitz (das lässt sich übrigens durch Vernuscheln bzw. Ignorieren des “z” ganz leicht aussprechen!) seit 1727 mit dem gegenüber liegenden Pillnitz. Wir bleiben aber links der Elbe und gönnen uns nur den einen oder anderen Blick zum Schloss, bevor es immer links der Elbe Richtung Dresden geht. Je nach Wasserstand der Elbe kann man einen der gut ausgetretenen Trampelpfade oben am Ufer oder den Elbkies nutzen (aber aufpassen, wenn ein Schiff kommt: Die ziehen schöne Wellen nach sich!).
Maria am Wasser

Am anderen Ufer taucht eine Kirche auf, die man von der Optik eher im Bayerischen verorten würde: Maria am Wasser. Die Schifferkirche steht seit 1495 drüben in Hosterwitz, das barocke Aussehen mit Zwiebelturm kam allerdings erst ab 1704 hinzu. Die Kirche mit ihrem kleinen Friedhof steht unter Denkmalschutz und ist auf jeden Fall einen Besuch wert – bitte vormerken für einen eigenen Spaziergang! Im Moment kann man nur rübersehen, was aber durchaus seinen eigenen Reiz hat – zumal die Hänge im Hintergrund sich sanft erheben und manchmal gar schaurige Wolkenformationen einen dramatisschen Hiintergrund bieten (Pillnitz ist berühmt für dramatische Wolkenformationen und Gewitter! Sagt wer? Na: Ich!).Im Hintergrund sieht man – je nach Standpunkt – manchmal das Keppschloss. Es hat, wie viele derartige Gebäude, eine bewegte Geschichte. Vom Sommersitz aus dem Umkreis derer von Augusts Gnaden (Marcolini, Brühl) zur Eigentumswohnanlage für deutlich besser Betuchte der Jetztzeit – eine spannende Geschichte, die zu erzählen ist, wenn wir mal da sind (das andere Ufer hat’s offensichtlich in sich!).

Elbe mit Blick auf Wachwitz
Wir haben vor uns: Die erste Raststätte am Wanderweg! Die Elbterrasse Laubegast ist zweigeteilt: Ein Restaurant (bürgerlich), ein Biergarten (sehr bürgerlich). In letzterem gibt es auch Wein – und zwar roten und weißen! Aber zusätzlich eine geniale Aussicht, und irgendwie eine Garantie für vorbei schippernde Dampfer. Die wurden übrigens zum Großteil in der Laubegaster Werft gebaut – und da die direkten Zugang zum Fluss braucht, um die Schiffe aus dem Wasser zu holen (für Renovierungsarbeiten) oder reinzulassen (bei Neubauten oder nach den Pflegeeinheiten), verlässt der Weg ausnahmsweise einmal die Elbe und führt ums Gelände herum. Das kann man verschmerzen – und es ist die absolute Ausnahme: Normalerweise kann man immer direkt am Fluss entlang laufen oder radeln.
Wo der Besen hängt…

Vom Laubegaster Ufer aus lohnt sich noch enmal ein Blick zurück – bei klarer Sicht kann man nämlich elbaufwärts bis zur Festung Königstein gucken, vorbei an der Fähre und dem Schloss Pillnitz. Dann umdrehen und voraus blicken: Dort steht, oben am anderen Ufer, der Dresdner Fernsehturm. Unterhalb (zumindest optisch) liegt Wachwitz, ein altes Fischerdorf mit schönem Dorfkern und kleinem Segelhafen. Das ist unser Ziel – denn freundlicherweise gibt es auf halbem Weg zwischen Laubegast und Wachwitz eine Personenfähre nach Niederpoyritz. Drüben auf der rechten Elbseite wäre das Erbgericht Niederpoyritz eine mögliche Station, aber wir gehen weiter, denn wir haben ein Ziel: Freytags Weingarten in Wachwitz!

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