Neuer Wein aus neuen Flaschen

Etiketten-Skulptur

Die Skulpturen von Małgorzata Chodakowska sind wunderschön – aber sie haben ihren Preis. Ganz gewiefte Zeitgenossen haben allerdings einen Weg gefunden, sich eine stattliche Sammlung von Skulpturen der in Polen geborenen Künstlerin ins Haus zu holen: Sie kaufen Wein von ihrem Mann! Denn die Flaschen, in die Klaus Zimmerling seine Weine auf dem Weingut in Pillnitz bei Dresden abfüllt, schmückt als Etikett jeweils eine Skulptur (bzw. ein Ausschnitt). Die Dame aus Holz, deren Konterfei auf dem Jahrgang 2009 zu sehen ist, sitzt – mit nichts als der auf dem Etikett gut zu sehenden Mütze bekleidet – als starke Stammfrau grazil-aufreizend im Weinkeller und guckt, als ob sie denkt: Was wollt ihr denn hier?

Klaus Zimmerling Clemens BuschDie Antwort ist, wen wundert’s, ganz einfach: Wein trinken! Es gab neuen Wein von zwei Winzern: Klaus Zimmerling stellte den Jahrgang 2009 vor und hatte jemand eingeladen, „der noch länger wartet als ich, bis er den Wein auf die Flasche zieht“: Clemens Busch. Deswegen hatte der aus Pünderich an der Mosel auch vom Jahrgang 2009 nur Fassproben mitbringen können, die anderen präsentierten Weine waren aus den Jahren 2008 und 2007. Busch ist Riesling-Fan (an der Mosel kein Wunder!), 93 Prozent seines Weins ist Riesling. Aber da die Trauben auf unterschiedlichen Böden wachsen, haben sie das Zeug zu ganz unterschiedlichen Weinen – und Clemens Busch kitzelt genau diese Unterschiede aus dem Wein heraus.

Busch ist Mitglied im VDP und damit wie Klaus Zimmerling Teil der (etwa 200, die Zahl schwankt) deutschen Prädikatsweingüter, die dieses Jahr ihr Hundertjähriges feiern. Wobei Busch wie Zimmerling dem Verband noch nicht so lange angehören: Clemens Busch ist seit 2008 Mitglied im VDP, Klaus Zimmerling seit Anfang diesen Jahres. Die beiden eint aber mehr als der unbedingte Wille zur Qualität: Beide bauen ihren Weine biologisch an – und beide machen kein großes Buhei darum. Und beide trinken gerne den Wein des anderen 😉

RysselkuppeWomit wir beim Zimmerling des Jahres 2009 sind. Das war, Kenner wissen es, ein übles Jahr für die sächsischen Winzer, weil es stellenweise bitterlich kalt war im Winter. Temperaturen bis zu minus 30 Grad hat viele Reben erfrieren lassen, und zur Erntezeit hatten etliche Winzer (Zimmerling nicht, wenn ich das richtig mitbekommen habe) auch noch gegen öchslefeindlichen Regen zu kämpfen. Die Folge des Frosts: Weniger Wein, viel weniger Wein. „Ein Drittel!“ sagt der wortkarge Zimmerling, macht eine Pause und setzt nach: „Nicht ein Drittel weniger, sondern ein Drittel der normalen Ernte!“

Wenn man noch weiß, dass Klaus Zimmerling eh nur 4 ha bewirtschaftet, ahnt man: Viel ist da nicht übrig geblieben – aber das, was nun in den 0,5-Liter-Flaschen ist, steht dem vom Vorjahr nicht nach. Einfache Qualitäten gibt es kaum, vom Kerner, Weiß- und Grauburgunder schaffte es nur in die Flasche, was über 100 Öchsle hatte (bei Zimmerling sind alle Weine lediglich als Qualitätswein eingestuft, aber das „A“ auf dem Etikett signalisiert Auslesequalität). Der komplette Jahrgang ist übrigens in Flaschen mit Schraubverschluss abgefüllt – was die anwesenden Gastronomen und Händler durch die Bank begrüßten: Endlich kein Ärger mit Korkschmeckern mehr!

IllusionEine Spätburgunder Illusion – also weiß gekelterten Roten – hat Zimmerling aus zugekauften Reben gezaubert. Die Winzer sind aus der Gegend, er kennt sie und weiß, auf was für Trauben er sich einlässt. Da die Probe an einem schönen sonnigen und (wir sind hier schließlich im Weinberg) warmen Tag stattfand, gefiel der uns außerordentlich gut! Und bevor jemand fragt: Natürlich ist so eine Weinprobe das große Spucken. Aber bitteschön: Doch nur in der ersten Runde, um urteilsfähig zu bleiben. Wer nicht mehr arbeiten musste an dem Abend, zog sich im Anschluss aus dem kühlen Keller zurück nach draußen und genoss die persönlich am besten benoteten Weine ganz ohne professionelle Zurückhaltung!

[Besucht am 16. August 2010 | Früherer Bericht Besuch beim Winzer]

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