Im Genussimperium der Stahlbauer

Zum Giesser

Von außen macht das Brauhaus „Zum Giesser“ einen eher unscheinbaren Eindruck – trotz oder vielleicht sogar wegen seiner massiven Schlichtheit. Lediglich der voll besetzte Parkplatz lässt ahnen, dass dies ein beliebter Treffpunkt ist. Das aber zu Recht, wie man spätestens beim Herausgehen weiß, aber schon beim Betreten der Räume innen erahnt: Hier kann man sich wohlfühlen!

Das Brauhaus ist vor zwölf Jahren in den Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erbauten Sozialräumen der Gießerei nebenan entstanden – das erklärt den äußeren Rahmen. Innen ist alles anders: Im großen Saal im ersten Stock bildet die Bar mit den beiden kupfernen Sudkesseln den optischen Mittelpunkt. Die Ausstattung ist rustikal, wie man es erwartet. Aber in der Kombination der dunklen Wände mit den hellen Tischen und dem reichlichen (und auch nicht unüblichen) „Rumstand“ auf den Fensterbänken ergibt es ein nettes Bild.

Aus den Hähnen fließen drei Biere (mindestens – manchmal kommt noch eine jahreszeitliche Spezialität dazu): Das „Giesser dunkel“ ist beinahe schwarz und süß, das rötliche „Pirnaer Stadtbier“ herrlich süffig und das „Bastei Pils“ hellgelb und herb, wie man es erwartet. Alle Biere zu probieren und gegebenenfalls seine gefundene Lieblingssorte weiter zu verkosten, ist allerdings Autofahrern nicht zu empfehlen. Bei unserem Besuch saßen dann auch erstaunlich viele Fünfergruppen an den Tischen, von denen jeweils eine Person tapfer Saft oder Wasser trank: Da sind die Pirnaer dann doch vernünftig; man kann sich ja abwechseln, beim nächsten Mal fährt ein Anderer.

Die Küchenbrigade werkelt hinterm Fenster und ist – wie das Servicepersonal – flink. Was dann auf den Tisch kommt, ist vor allem eins: Reichlich. Und es schmeckt! Auch wenn der hauchdünne Flammkuchen etwas zu trocken war (gehört da nicht Sahne, Schmand oder Crème fraîche drauf?). Aber ob andere Kleinigkeiten (vorsicht bei dem Wort: auch die sind reichlich!) wie der cremigen Karotten-Ingwersuppe mit Schinkenstreifen und Pistazien oder bayerischem Obazda (mit warmer Laugenbrezel!) oder die deftigen Dinge wie die Schweinshaxe: Da kann man nicht meckern. Und wer klug genug war, einen Fahrer dabei zu haben, sollte sich zum Abschluss einen „Geist von Rathen“ gönnen. Selbst ganz fein gebrannt etwas elbauf in der Schaubrennerei, die ebenfalls zum Genussimperium der Stahlbauer gehört…

Brauhaus Pirna »Zum Giesser«
Basteistraße 60
01796 Pirna-Copitz

Telefon 03501 464646
http://www.brauhaus-pirna.de

[Besucht am 20. Februar 2010 für Augusto, Magazin für Genuss und Lebensart.
Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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