Kunst im Castello

Panzano in Chianti

In Panzano in Chianti. Es gibt dort einen berühmten Fleischer, für den wir keine Verwendung hatten, weil wir ja unterwegs waren. Außerdem gibt es eine Akademie, von der später noch ausführlicher zu berichten sein wird, weil sie sich um guten Geschmack kümmert. Eine Kirche, der man sich durch eine lange Gasse nähert und die quasi Pflicht für Fotografen ist, die zu zweit kommen: Eine(r) setzt sich auf die Stufen, eingerahmt von Blumen, der andere fotografiert. Dann Kameratausch und los geht’s mit vertauschten Rollen. Es ist, mit anderen Worten, echt schwer, hier einmal touribefreite Bilder zu machen. Wir rächten uns, indem wir den berühmten Dreierknips arrangierten.

Castello di PanzanoDie Kirche ist Teil des Castellos, oder umgekehrt, wie man will. Das heißt: Beide Gebäude sind miteinander verwoben, und wenn man so durch den Innenhof schleicht, ist die eine Mauer Kirche und die andere Schloss. Ein großes Tor lädt ein zum Drücken: es lässt sich öffnen, man ist draußen. Oder drinnen, in einem Garten? „Das Tor war ja quasi offen, da dürfen wir lang!“ lautete der Reisegruppenbeschluss. Steineichen empfingen uns: Mit Steinen gestützte Baumstämme. Man kann außen um den Komplex herum laufen und einiges sehen: Kräuter im Nahbereich, Landschaft in der Ferne. Und eine Frau (dies sicher nicht immer, falls mal jemand nachreisen sollte).

Evi FerstererSie steht wie meditierend auf einem Stein vor dem Castello, außerhalb der Mauern. Wir gehen vorbei, fotografierend die einen, Kräuter sammelnd die anderen. Auf dem Rückweg von Kraut- und Fotopirsch bemerken wir den weiblichen Teil unseres local guide-Teams im Gespräch mit ihr. Wir stellen uns vor, sie sich auch: Evi Fersterer, Schlossherrin und Künstlerin. Es wird ein Gespräch voller Überraschungen. Evi Fersterer ist Österreicherin, hatte 1987 zuerst lediglich den Turm und ein Jahr später („wir können ja goar nicht um den Turm herum tanzen“ hatte ihr Mann gesagt) das ganze Castello gekauft.

Nun soll es ein Museum werden, mit ihren Werken einerseits und den wieder hergestellten Räumen andererseits. Aber sie traut sich irgendwie nicht, es an die Öffentlichkeit zu lassen. Außer es kommen so Leute wie wir, denen sie einiges zeigt und sich freut, wenn man sich dran erfreut. Was wir gesehen haben (längst nicht alles!) bot einen vorzüglichen Einblick in die Harmonie alter Gemäuer und neuer Kunst. Passt scho! Besonders interessant, die (natürlich nicht zufälligen) Arrangements zu sehen: Hier der Stuhl mit dem Hut auf der Lehne, da das Bild dieses Stillebens. Hier der Blick aus dem Fenster in den Schlosshof, nach einer 180-Grad-Drehung das Bild eben dieses Motivs.

Im Keller macht ihr Sohn, der Seppi, Glühwein. 1991 begann ihr Mann Sepp als Winzer in der Toskana, nun führt sein Sohn Seppi (bei Fersterers heißen sie offenbar alle Sepp, wenn sie Jungs sind…) das fort: Er ist Winzer im Chianti und produziert seinen eigenen Wein, der dann im Winter mit Spezereien angereichert im Österreichischen im Art & Ski-in Hotel-Hinterhag verglüht. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

[Besucht am 10. September 2010 | Lage ]

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