Nachhaltig gut

Und wo ist der Adler?

Am 26. November 1910 gründeten 13 Herren in Koblenz einen Verein, der heute VDP. Die Prädikatsweingüter heißt. Kein Zufall: Zum 100. Geburtstag gründeten vier Winzer den VDP-Regionalverband Sachsen-Saale-Unstrut. Sie trafen sich auf Schloss Proschwitz, das Weinkennern nicht unbekannt ist: Es gehört einem der vier Winzer, Georg Prinz zur Lippe. Der andere Sachse im Bunde ist Klaus Zimmerling, die beiden Winzer von der Saale heißen Bernard Pawis und Uwe Lützkendorf.

Georg Prinz zur LippeDass die vier nicht nur Mitglieder im VDP sind (Prinz Lippe und Lützkendorf seit 1996 schon, Pawis seit 2001 und Zimmerling seit 2010), sondern auch einen eigenen Regionalverband bilden, hat nicht nur etwas mit deutscher Vereinsmeierei zu tun: Man wolle der Welt deutlich zeigen, dass in Mitteldeutschland Spitzenwein erzeugt wird, und das gehe am besten eben gemeinsam, sagte Prinz Lippe. Wobei unsereins sich fragt, ob das wirklich nötig ist, wo die hierzulande erzeugten Mengen auch in Jahrgängen mit normaler Ernte eher so gering sind, dass man als Fan ja immer Angst haben muss, vor einem „Ausgetrunken“-Schild zu stehen…

Uwe LützkendorfDie Geschichte des Weinbaus an der Elbe und in den Tälern von Saale und Unstrut ist alt – Schloß Proschwitz ist Sachsens ältestes noch existierendes Weingut; die Proschwitzer Berge waren von der Mitte des zwölften Jahrhunderts bis zur Reformation im Besitz des Bischofs von Meißen. Der Pforteser Köppelberg, den Uwe Lützkendorf bewirtschaftet, stellt den ältesten noch bewirtschafteten Weinberg des Saale-Unstrut-Gebiets dar; er wurde bereits 1154 als Gründung der Zisterzienser-Mönche des Kloster St. Marien ad Portem erwähnt.

Gleichzeitig hat der qualitätsbewusste Weinbau im Osten eine junge Geschichte: Spitzenweine passten irgendwie nicht in das Gesellschaftsbild des irreal existierenden Sozialismus der DDR, und die vielen Hobbywinzer haben sich sicher um den Erhalt der Weinkulturlandschaft verdient gemacht. Aber weil sie als Flasche zurückbekamen, was sie als Rebe ablieferten, gab es ein buntes Rebsortendurcheinander auf den kleinen Parzellen.

Bernard PawisDa hat sich seit 1990 viel getan – und es ist vielleicht ein schöner Zufall, dass von den vier Spitzenwinzern des neuen VDP-Regionalverbandes zwei Quereinsteiger sind: Das Weingut Pawis wurde 1990 von den Eltern des jetzigen Inhabers gegründet – einem Hobbywinzer mit 0,5 ha Anbaufläche. Bernard Pawis übernahm dann 1998, und mittlerweile wuchs die Anbaufläche durch Pacht und Zukauf auf elf Hektar an. Das Weingut befindet sich mittlerweile an einem traditionsreichen Ort, im Klostergut Zscheiplitz: Ein Schafstall aus dem Jahr 1862 ist saniert, eine 400 Quadratmeter große Kellerei neu gebaut.

Klaus ZimmerlingKlaus Zimmerling, der seine Weinberge bei Pillnitz in Dresden hegt und pflegt, ist gelernter Maschinenbauer. „Ich habe mir gedacht: Wenn selbst gemachte Marmelade besser schmeckt, dann doch sicher auch selbst gemachter Wein!“ sagte er einmal – wobei uns sein selbst gemachter Wein immer sehr gut schmeckt! Zimmerling ist erst im Frühjahr 2010 zum VDP gestoßen – nicht weil seine Weine vorher nicht gut genug waren, sondern wohl eher weil der bekennende Eigenbrötler sich ungern in irgendwelche Zwangsjacken stecken lässt. Aber mit seiner Freiheit beim Weinmachen eckt er im VDP ja nicht an!

Michael Prinz zu Salm SalmDer neue Regionalverband hat natürlich auch einen Vorsitzenden: Prinz Lippe. Aber er (der Verband) entspricht natürlich mit vier Winzern nicht deutschem Vereinsrecht: Da halfen aus dem Präsidium des Bundes-VDP drei Herren aus, damit die nötigen sieben Unterschriften zusammen kamen. Einer von ihnen, Michael Prinz zu Salm-Salm, ist Ehrenpräsident des VDP und sprach dann auch ein paar Worte, die aufmerken ließen. Es sei doch nichts schöner, als wenn man sich frei entwickeln könne, meinte er (und blickte dabei den Herrn Zimmerling an…). Bei seinem ersten Besuch nach der Wende, 1991 im Winzerhaus gegenüber der Albrechtsburg, sei er ja noch ein wenig skeptisch gewesen – aber das habe sich geändert. Emotional bewegt sagte er den vier Winzern: „Ihr habt eine super Leistung erbracht. Mich bewegt das sehr!“

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