Silvester: Galadinner in der Semperoper

Nein, ein Restaurant ist die Semperoper nicht. So wenig wie eine Brauerei, um einen ausgeleierten Witz einmal rundzuerneuern. Aber manchmal passieren hinter den Kulissen Dinge, die nicht alltäglich sind – und wenn man dann das große Vergnügen hat, (als Fotografen) dabei zu sein, kann man ja auch einmal die eine oder andere Zeile darüber verlieren.

Während des Silvesterkonzerts der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Christian Thielemann herrschte vor den Türen des Zuschauerrunds emsiges Treiben: Das Team von bean&beluga machte aus dem Rundfoyer ein Restaurant. Klingt leicht, sieht sich auch easy an – ist aber nicht ohne: Tische mussten gewuchtet werden, Stühle ebenfalls. Und Geschirr. Und Gläser. Besteck, Tischschmuck, Servierten – alles! Wer die Oper kennt, weiß: Der Fußboden ist keineswegs mit flauschigen schalldämmenden Teppichen ausgelegt. Er ist im Gegenteil schön laut. Aber Krach ist nun alles andere als erwünscht, er ist nicht einmal geduldet: Mucksmäuschenstill hatte alles zu passieren – und schnell.

Making ofWir haben einen Teil des Aufbaus im Zeitraffer festgehalten – mit dem iPhone. Sah niedlich aus, wie das Mehrzwecktelefon auf dem Stativ klemmte! Alle sieben Sekunden schoss die eingebaute Kamera ein Bild, und am Ende hätten wir das Ergebnis eigentlich hochladen können – wenn es in der Oper besseren Empfang gegeben hätte. Gibt’s aber nicht, weil man dort aus nachvollziehbaren Gründen eines gewissen Ruhebedürfnisses keinen großen Wert auf Handyempfang legt. Im Film sieht man übrigens auch Sylke hin- und herwuseln: Sie dokumentierte den Aufbau, während ich das Stativ bewachte!

Semper2 - ProbebühneNach dem Konzert wurden die etwa 200 Gäste des Gala-Dinners durch die Gänge des Opern-Funktionsgebäudes zur Probebühne geleitet. Semper2 war mit roten Sofas und einer Riesenbar ausgestattet. Hier gab es Fingerfood und Champagner, Fachsimpeleien über das gerade erlebte Konzert und große Erwartungen: Was wird der weitere Abend bringen? Genuss für die anderen, bislang nicht beanspruchten Sinne?

Galadinner SilvesterSo könnte man es formulieren: Unter Bedingungen, die nicht wirklich einfach waren, zauberte das Team Beachtliches. Da wir nicht zum Testen da waren, hier nur die Menüfolge mit dem dezenten Hinweis, dass uns die Unterlage unterm Saibling extrem gut gefiel und das Reh als Kompletterlebnis schlicht sensationell gut geraten war.

Salade Niçoise vom Hummer mit Poveraden
und feinen Bohnen
*
Mild geräucherter Saibling
mit Austern-Meerrettich-Vinaigrette
*
Risotto mit Kalbsschwanz und Périgord Trüffel
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Medaillons vom Reh aus der Dresdner Heide
mit Rouenaiser Sauce und Sellerie
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Fourme d’Ambert mit Portwein und Ananas
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Kleines Pot-au-feu von Rumfrüchten
und gesalzenem Pekannuss-Nougat

2008 Riesling Dazu hatte der umtriebige Sommelier Jens Pietzonka kenntnisreich erlesene Spitzengewächse aus dem Weinkeller von bean&beluga ausgesucht. 2008 Riesling „R“ Pillnitzer Königlicher Weinberg von Klaus Zimmerling, 2008 Chassagne Montrachet von Michel Niellon (Burgund), 2000 Château Chasse Spleen Cru Bourgeois Exeptionnel (Moulis/Bordeaux) und 2003 Wehlener Sonnenuhr Auslese von J.J.Prüm (Mosel) aus der 1,5 Liter Magnum.

Prosit Neujahr!Knapp, aber noch rechtzeitig kurz vor Mitternacht war alles durch – und schon wieder gaben die Champagnerkorken jenes nette Geräusch, das als feine Tonkulisse große Momente ankündigt. Jahreswechsel auf dem Balkon der Oper, mit Blick auf den Theaterplatz, die Elbe und das Dresdner Feuerwerk. Willkommener Insidertipp für die Nichtdresdner: Nicht über die Frühböllerer ärgern, die kurz vor Mitternacht schon nicht mehr an sich halten konnten und losknallerten: Wenig später gab’s nämlich den berühmten alljährlichen Neujahrsnebel!

Sylvi Piela und BandNachdem das alte Jahr nun also endgültig ad acta gelegt werden konnte, war’s Zeit für was Frisches: Semper2, die Probebühne, als Ort für die Mitternachtsparty. Sofas und Bar waren die gleichen wie noch im alten Jahr, aber auf der Bühne vor dem Riesensofa lieferte Sylvie Piela mit ihrer Band dem neuen Jahr die ersten Reize – akustisch und auch sonst. Sie spielten und spielten und spielten, die üblichen Verdächtigen tanzten und tanzten und tanzten – und wenn die Sonne früher aufginge im Januar, hätte sie fast bis zum Morgengrauen gespielt…

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