Ein Abend mit Geheimnissen

Schlemmerzimmer Bei Schumann

Das Schlemmerzimmer im Hotel „Bei Schumann“ ist sicher nur ein kleiner Mosaikstein im Gesamtplan der „erlebten Sinnlichkeit“ des Hauses. Umso mehr interessierte es uns, welche Folgen für das kulinarische Niveau der Weggang des erst vor einem Jahr mit großem Presserummel angekündigten Kochs Robert Klaus, ehemals „L‘Ambiente“ Bautzen, wohl hat. Heiko Mühlig, sein Nachfolger in Kirschau, jedenfalls verspricht uns auf der Speisekarte, dass wir „erfahrene handwerkliche Kochkunst“ erwarten dürfen.

Die Bedienung überraschte uns gleich zu Beginn des Besuchs mit einer überraschenden Entscheidung: Wir bestellten ein stilles Wasser und bekamen – ungefragt – 0,375 Liter einer norwegischen Spezialität für 6,90 Euro. Darüber waren wir nicht wirklich glücklich – weniger wegen der Gerüchte, die vor einem Jahr kursierten und besagten, dass es sich bei VOSS letztendlich um Leitungswasser handele (was die Firma dementierte), sondern weil wir prinzipiell regionale Produkte bevorzugen. Also fragten wir nach und bekamen ein Oppacher (das, genau wie das Voss, nicht auf der Karte steht).Das Menü verzeichnet acht Positionen, aus denen man sich ein Dreigang-, Fünfgang- oder Komplett-Menü zusammenstellen kann. Die umfangreiche Weinkarte bietet etliche Positionen auch offen im 0,1-l-Glas an. Wir ließen uns auf die fachkundige Empfehlung ein und bestellten die passenden Weine zum Essen, dass man übrigens auch als “Überraschungsmenü” bestellen kann. Die Überraschung besteht darin, die Karte vorweg nicht lesen zu dürfen (“denn dann wissen Sie ja, was es gibt”). Ähnlich geheimnisvoll kam der Wein an den Tisch, eingewickelt in eine Serviette: Der Gast darf probieren und raten.

Das durchaus schmackhafte Essen lieferte immer wieder Diskussionsstoff wegen der handwerklichen Verarbeitung. Bei der Entenstopfleber war glücklicherweise nur die beiliegende Brioche zu trocken, aber die (vorzüglichen) frischen Waldpilze kamen in einer arg hart-mehligen Nudeltasche. Und auch das eigentlich perfekt rosa gebratene Bisonfilet war erstaunlich saftlos – und Saucen sind ja bei vielen Köchen immer noch nur ein Hauch von Irgendwas (in diesem Fall wenig sehr dickflüssiger Trüffeljus). Mehr Glück hatten wir bei “Weisser Heilbutt mit Kohlrabi-Salpicon und Rote-Bete-Schaum”, weil hier Geschmackskombination und Gargrade keine Wünsche offen ließen. Die beiden Desserts schließlich setzten nachhaltige Akzente – mit einer Käseauswahl vom Brett, bei der auch die Beratung stimmte und einem Mousse-Teller, von dem jeder Löffel wie Schaum auf der Zunge zerging.

Schlemmerzimmer
im Hotel Bei Schumann
Bautzener Str. 20
02681 Schirgiswalde-Kirschau

Tel. 03592 – 520-520
www.bei-schumann.de

Öffnungszeiten: Di – Sa ab 19.00 Uhr

[Besucht am 17.09.2011 | Veröffentlicht am 22.09.2011 in PluSZ, Beilage der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung] 

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