Landhaus Lockwitzgrund

Landhaus Lockwitzgrund

Vor hundert Jahren etwa befand sich im Lockwitztal zwischen Sobrigau auf der einen und Burgstädtel auf der anderen Seite eine Maccaroni- und Eierteigwarenfabrik, deren Produkte mit Goldenen Medaillen und Ehrenpreisen prämiiert waren. Lang ist’s her, aber ein Hauch von Goldprämie schwebt immer noch über dem Gelände – genauer: über dem ehemaligen Stallgebäude. Das beherbergt nämlich seit der letzten großen Renovierung des Komplexes nach der Wende das „Landhaus Lockwitzgrund“, in dem Thomas Kaiser eine ambitionierte und dennoch bodenständige Küche pflegt. Mit seinem Angebot aus schmackhaften, aber nicht überkandidelten Speisen und erstaunlich günstigen Preisen hat Thomas Kaiser sich sein Stammpublikum ins Haus geholt: Wer nicht reserviert, hat häufig trotz der 48 Plätze unterm Gewölbe und 38 im Wintergarten das Nachsehen (und im Sommer ist es auch im schönen Biergarten voll…).

In der Lokalzeitung finden sich regelmäßig Gutscheine, die ein veritables Fünfgang-Menü für Zwei zum Preis von einem anbieten – und der ist mit 35 Euro auch noch mehr als akzeptabel. Ein Schnäppchen? Mal sehen, was Kaiser draus macht!

Zur Begrüßung bringt der Service, der dieses Mal flott und freundlich agierte (das hatten wir auch schon mal anders dort…) Brot mit Kräuterbutter und als Küchengruß Chiliquark. Nicht aufregend, aber in Ordnung! Der erste Gang ist ein Endiviensalat in Dijonsenf-Melfor-Vinaigrette – und er ist exemplarisch für das, was uns fast den ganzen Abend begleiten soll: Schmucklos auf dem Teller, überraschend große Portion – aber mit einem vorzüglichen Sößchen.

Die Bouillon von der Barbarie-Ente mit Kräuterpfannkuchen ließ nicht erahnen, dass Thomas Kaiser mal in einem Sterne-Restaurant gearbeitet hat, wir haben sie unter Pflicht abgehakt und warteten auf die Kür. Die begann dann mit einem Passionsfrucht-Sorbet auf Mango Joghurt, bei dem beide Bestandteile erstmals zu erfreutem Augenbrauenheben Anlass gaben: Leicht und cremig, fein im Geschmack – eine nette Vorbereitung auf den Hauptgang.

Zarte Rinderzunge in zerlassener Butter mit Schwarzwurzelgemüse und Petersilienkartoffeln folgtem dem Muster der unauffälligen Präsentation mit ordentlichen Produkten: Die Zunge zart, die Butter reichlich, die Schwarzwurzeln ein gaaaanz klein wenig zu weich, aber (der Butter sei Dank) von angenehmem Geschmack. Besser gefiel das Gegrillte Rotbarschfilet auf Zitronengras-Sauce mit jungem Blattspinat und Jasminreis: Kross der Fisch und dennoch innen saftig, die Sauce würzig und fein aufgeschlagen, sogar die Gesamtoptik sehr angenehm. Wenn doch alle Teller so wären!

Ein Wort noch zu den Weinen: Die Karte ist umfangreich, die Weine sind sehr freundlich kalkuliert – und die Zahl der offen dargereichten ist erfreulich groß. Kein Wunder also, dass es hier immer voll ist, denn unterm Strich fühlt man sich am Ende des Abends dann doch angenehm bedient!

Landhaus Lockwitzgrund
Lockwitzgrund 100
01257 Dresden
Tel.: 0351 / 27 10 01 – 0
http://www.landhaus-lockwitzgrund.de

Geöffnet:
Dienstag-Sonntag: 11.30-22.00

[Besucht am 19. Februar 2011 | Eine kürzere Version erschien im Mai 2011 in Augusto, dem Magazin für Genuss und Lebensart der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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1 Kommentar

  1. wir waren gestern da essen, mir hat es geschmeckt! ich hatte allerdings auch den eindruck das das personal ein wenig überfordert war ( von einer sehr lobenswerten ausnahme abgesehen ). es war ein angenehmer abend, aber mein lieblingsrestaurant wird es aber sicher nicht…
    danke für deinen artikel!

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