Wachbergschänke

Wachbergschänke

Als „vermutlich ältestes Ausflugslokal Dresdens“ bezeichnen die Betreiber der Wachbergschänke ihr Haus. Den Beweis, die in eine Steinplatte gehauene Jahreszahl 1883, haben böse Buben leider geklaut, so dass wir das erst mal ungeprüft glauben. Was man hingegen leicht überprüfen kann ist die Tatsache, dass es sich hier um ein äußerst romantisch gelegenes Haus handelt: Hoch über dem rechtselbischen Wachwitztal thront es wie eine kleine Burg – und richtig: innen drin gibt es sogar einen Rittersaal! Das Haus hat tolle Jahre erlebt vor dem Krieg, denn die angebotenen Annehmlichkeiten lesen sich wie das Angebot eines frühen Vergnügungsparks: Eine Camera Obscura (so eine Art früher Fotoapparat – Canaletto hat seine realistischen Bilder mit so einer Gerätschaft gemalt) stand in einem kleinen Pavillon, es gab eine Kegelbahn, einen Musikpavillon und eine Jagdhütte. Esel (vierbeinige!) zogen Kutschen und standen zum Reiten zur Verfügung, aber der Clou war die Kamerunbahn, die vom Standort des jetzigen Fernsehturms bis zum Gasthaus führte. Hei, was für ein Vergnügen – vor allem, wenn die beiden Afrikaner aus Kamerun die leeren Wagen wieder hoch bugsieren mussten!

Nach dem Krieg wurde aus der Wachbergschänke ein Betriebsferienheim und später ein Studentenwohnheim der Musikhochschule – und seit 1996 ist es wieder Gaststätte. Seit etwa zwei Jahren geben neue Betreiber dem Traditionslokal etwas vom alten Charme zurück: Drinnen ist es mit viel hölzernem Mobilar und alten Öfen und Kaminen recht gemütlich (vor allem nach einer Wanderung durch den Schnee weiß man derlei Heizung ja zu schätzen!), und draußen findet man im Sommer ein schattiges Plätzchen.

Unsere Bedienung ist ein Herr der alten Schule, kenntnisreich und mit subtilem Mutterwitz. Beim ersten Besuch probierten wir zwei Sachen gegen den kleinen Hunger: „Feines Würzfleisch vom Huhn mit knuspriger Käsehaube und Toast“, natürlich mit Dresdner Worcestersauce serviert, passte genau zur Stimmung: rustikal gehalten, macht satt – und danach kann man getrost weiter losmarschieren. Der „Karamelisierte Ziegenkäse an Salatbukett mit getrockneten Tomaten“ hätte ein wenig knackiger außen sein können, aber mit einem schmackhaften Dressing war uns diese Vorspeise gerade recht als kleiner Sattmacher.

Beim zweiten Besuch nahmen wir uns mehr Zeit und probierten „Rumpsteak mit Chilibernaise an Rosmarinkartoffeln“: Das Steak nicht ganz so zart wie erhofft, aber korrekt rosa gebraten. Leider suchten wir lange nach der Chilisauce, fanden sie aber nicht. Keine Probleme gab’s beim „Green Curry vom Seeteufel an Vanillerisotto“ – mit nicht zu trockenen Fischstücken und einem schönen Geschmackskontrast zwischen Curry einerseits und dem vanillesüßen Risotto andererseits. Soweit waren wir also schon zufrieden, aber nach der „Trilogie von warmen Schokokuchen, Zimtparfait und Marzipanmousse“ schleckten wir uns schwärmend die Lippen…

Wachbergschänke
Wachwitzgrund 84
01326 Dresden

Tel. 0351 2640014
http://www.wachbergschaenke.de

[Besucht am 26. Februar 2011 | Veröffentlicht im Mai 2011 in Augusto, dem Magazin für Genuss und Lebensart der Sächsischen Zeitung | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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