Gasthaus Hellerau

Kaffee Hellerau

Wer als Tages- oder Wochenendtourist nach Dresden kommt, schafft es meistens nicht in die Gartenstadt Hellerau im Norden der Stadt. Das ist ein Fehler, aus vielerlei Gründen. Zu allererst verpasst man dann natürlich die 1909 von Richard Riemerschmidt geplante Gartenstadt, zu der so wunderbare Straßenzüge wie „Am grünen Zipfel“ (was für ein bezaubernder Straßenname!) gehören. Und natürlich ergibt sich ohne Besuch von Hellerau auch nicht die Gelegenheit, ins Gasthaus am Markt einzukehren. Was schade ist, denn da ist es richtig nett.

Man könnte dort als flüchtiger Besucher auf der Suche nach einem Restaurant vorbei gehen, denn in feiner Bauhaus-Schrift stehen die Worte Hellerau und Kaffee am Haus, und an der Ecke wartet schon seit 1930, als das Haus gebaut wurde, ein Bäckersjunge mit einem Sandsteinkuchen auf dem Arm auf Kundschaft. Drinnen aber befindet sich seit 2008 (als das Haus durch den Wirt Torsten Pötschk renoviert wurde) eine Kneipe im einen und ein Restaurant im anderen Zimmer.

Im Kneipenteil gibt’s schon mal Fußball im Fernsehen für die Stammgäste und auf jeden Fall Pils vom Fass (0,3l Radeberger für 2,10 Euro) – im Restaurantteil gepflegtes Hintergrundgedudel in schöner Atmosphäre. Für die sorgt, was Hellerauer nicht wundert, Heike Pötschk von der „grünzeug“ Floristik gegenüber mit geschmackvollen Blumenarrangements.

Wir probierten Ziegenkäse-Crostini auf Ruccolasalat (5,90 Euro) und wunderten uns, dass die Weißbrotscheiben so gar nicht kross waren. Doch der Geschmack und das schlichte, aber ordentliche Dressing trösteten über die nicht erfüllte Erwartungshaltung hinweg. Die Holundersuppe mit Calvadosapfelspalten (4,10 Euro) wurde in einem schwungvoll designten Teller serviert – und schmeckte prima: So richtig was für die kalte Jahreszeit.

Sehr erfreut waren wir, wie ernst die Küche das Wort rosa bei der Entenbrust genommen hatte. Zart war das Fleisch auch, und zusammen mit der Thymiansauce und dem knackigen Gemüse sowie den Hellerauer Quarkzipfeln (15,90) war dieser Gang ein Genuss, der uns ein fröhliches „Geht doch!“ entlockte. Ebenso positiv fiel das auf der Haut gebratene schön saftige Zanderfilet aus (14,90 Euro), wobei der dazu servierte Blattspinat besonders gefiel und fast ein Grund wäre, noch einmal nur deswegen wiederzukommen (das Geheimnis: ein Hauch Knoblauch und ein Schuss Weißwein im frischen Spinat).

Dessert oder nicht? Wir blätterten noch einmal durch die liebevoll gestaltete Karte, blieben aber an den Hellerauer Skizzen von Carola Finkenwirth hängen, weil einfach kein Platz mehr war für Crêpe oder Quarkzipfel…

Gasthaus Hellerau
Markt 15
01109 Dresden-Hellerau

[Update Oktober 2015: Betreiberwechsel im Gasthaus Hellerau]

Tel.: 0351 | 8 83 44 70
www.gasthaus-hellerau.de
Öffnungszeiten: Di – Fr 16 – 22 Uhr | Sa 11 – 23 Uhr | So 11 – 21 Uhr Mo Ruhetag

[Besucht am 17. Februar 2012 | Lage | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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