Zum Trinken und Ansehen

Rudolf Knoll am Auktionshammer

Wein kann man trinken (für mich die schönste der hier genannten Möglichkeiten) oder verschenken oder sammeln, weil Wein in alten Flaschen ja manchmal richtig wertsteigernd sein kann. Manchmal aber auch nicht, aber das ist dann eine Frage für Essigenthusiasten. Bei der Weinversteigerung “Vinoficio“, die der Lionsclub “Dresden Brücke Blaues Wunder” (mit lustiger Webseite, in denen auch Lyoner vorkommen!) jetzt in der Gläsernen Manufaktur veranstaltete, kam zum Trinken und Sammeln freilich noch ein Aspekt hinzu: Der des Spendens. Da die Weine dem Club für die Versteigerung zur Verfügung gestellt waren, kam da das ganz nette Sümmchen von 12.200 Euro zu Gunsten des Deutschen Kinderschutzbundes und des Projektes Rollimaus in Dresden zusammen – da lohnt sich die Mühe doch allemal.

Die Bieterkarten hoch!
Die Bieterkarten hoch!

Als Beobachter hat man natürlich ganz andere Dinge im Sinn als einen 1921er Château Palmer Appelation Margaux zum Einstiegspreis von tausend Euro zu ersteigern (ich brauch mehr Taschengeld!) und freut sich an den kleinen Dingen des Lebens. Beispielsweise die gut behütete Flasche hinter Glas fotografieren zu können oder sich mit einem der Clubmitglieder darüber zu unterhalten, wieso zu so hochkarätigen Veranstaltungen nicht ein Riesenandrang herrscht? 110 Gäste etwa seien da gewesen, steht in der Pressemeldung des Veranstalters – ausreichend, um den schon erwähnten Spendenbetrag zu ersteigern, weil die meisten der 283 Flaschen (von 130 Weingütern aus elf Ländern) den Besitzer wechselten. Aber weit über den Kreis der Veranstalter und deren Freundeskreis reichte das Interesse nicht hinaus, was schade ist. Das wäre in (bitte einsetzen: Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, München, Berlin) anders gelaufen!

Rudolf Knoll
Rudolf Knoll

Dass das mit den Anwesenden so gut klappte, lag sicherlich auch an dem Mann, der die Versteigerung durchführte. Rudolf Knoll ist ein alter Hase im Weingeschäft, er kennt sich aus und weiß zu jedem Wein was zu erzählen. Das macht er, gewiefter Weinjournalist und erfahrener Weinprobierer, mit einer Prise Humor und reichlich Sachkenntnis. Der Herr Knoll, das einmal so nebenbei als Notiz für den Memoirenband, ist übrigens einer meiner ersten Weinwissenvermittler (weil er Chefredakteur der Zeitschrift Vinum war, die ich seinerzeit las). Der andere Lehrmeister für Wein und Restaurantkritik – wo ich schon mal abschweife und aus der Jugend erzähle – ist Armin Diel, den ich seinerzeit bei der Münsterschen Zeitung betreuen durfte, weil wir dort (die erste ernst zu nehmende?) lokale Gourmetrestaurant-Test-Serie ins Blatt gehoben hatten.

Kay Leonhardt
Kay Leonhardt

Für Kurzweil sorgte aber nicht nur der Auktionator. Annegret Föllner hatte als Vinificio-Botschafterin charmant wie immer die Werbetrommel gerührt und führte souverän durchs Programm. Als ehemalige sächsische Weinkönigin hat sie sich nach wie vor der Propagierung guten Weins verschrieben – und an Tagen wie diesem muss es ja nicht immer nur ein sächsischer sein. Obwohl: Die Doppelmagnum, die der Meißner Künstler Kay Leonhardt live zum Kunstwerk machte, hatte es auch in sich. Gestiftet von Gerd Kastenmeier, enthielt die Flache Kastenmeiers Edition vier – Grauburgunder und Riesling vom Weingut Schloss Proschwitz. Ach ja: das doppelte Kunstwerk – innen und außen Extraklasse – wechselte für 350 Euro den Besitzer. Und auch der Traminer, den die sächsische Weinprinzessin Katharina mitbrachte und versteigerte, waren ein Mitbieten wert. Wo sonst gibt es schon Königinnenwein, das ist doch Bückware!

Gunther Emmerlich
Gunther Emmerlich

Noch ne Überraschung, und zwar eine ganz ohne Wein (naja, fast, denn der Herr ist Weinbotschafter der Nachbarn vom Gebiet Saale-Unstrut): Gunther Emmerlich trat mit dem Dresden Swing Quartett auf, bei dem – große Freude hinter meiner Kamera – ich Silke Krause und Micha Winkler entdeckte, die man ja auch aus anderen Combos kennt. Mein Emmerlich-Urteil konnte ich revidieren: Es ist jetzt ein deutlich besseres als je zuvor. Es macht sich eben bezahlt, wenn man die Menschen mal live und nicht medial vermittelt erlebt…

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