Französisches beim Italiener

Brunetti Centro, Dresden

Brunetti-Centro

Das erste Gericht auf der Karte des italienischen Restaurants ist ein Klassiker der französischen Mittelmeerküche: eine Bouillabaisse (5,20 €). Wir bestellen sie dennoch und werden es bereuen. Wir sitzen im Brunetti – aber nicht dem in Striesen, sondern dem im Dresdner Zentrum. Der Raum hat Tradition: Hier war früher (bis zur Flut vor zehn Jahren, so lange ist das schon her!) die Fischgalerie von Gerd Kastenmeier – wer es nicht erlebt hat: ein Klassiker in der frühen Nachwendezeit, ein place to be, aus gutem Grund.

Einer der Azubis war Elvis Herbek. Der steht nun seit Juli 2011 wieder hier am Herd, allerdings als Chef. Eine schöne Karriere! Zuvor war er schon im Striesener Brunetti, wo es uns beim Besuch (allerdings schon vor zwei Jahren) bestens gefallen hatte. Das war hier im Stadtzentrum dann allerdings doch ein bisschen anders: Wir hatten einen Abend lang Probleme mit der Bedienung. Warum, fragten wir uns, dauert es Ewigkeiten, bis das bestellte Getränk kommt? Und überhaupt: Warum dauert alles so lange – obwohl der Laden nicht voll ist?

Dass es als Vorspeise eine französische Fischsuppe geben sollte, hatte mich ja von Anfang an verwundert. Aber ich konnte mich schnell beruhigen: Das war gar keine echte Bouillabaisse! Rein geschmacklich war die Brühe eher Briehe, reichlich wässrig und überhaupt nicht intensiv nach einem Mix aus reichhaltigen Fischen schmeckend. Natürlich gab es auch keine Rouille, jene schön scharfe knoblauchige Sauce. Brunetti, also der aus den Krimis von Donna Leon, hätte sicher keinen Spaß dran gehabt (aber sich wahrscheinlich auch nicht für so’n französisches Zeugs entschieden. Also alles meine Schuld!).

Carpaccio di Manzo (hauchdünne Scheiben vom Rinderfilet mit Rucola, Parmesan, Trüffelmayonaisse, 10,20 €) klang schon italienischer, konnte uns aber auch nicht begeistern. Abgesehen davon, dass die begleitende Sauce falsch geschrieben wurde: Wir fanden erstens kaum Mayonnaise, haben sie allerdings zweitens auch nicht vermisst als Beilage und mussten drittens konstatieren, dass das Preis-Mengenverhältnis arg in Richtung Preis ausschlug.

Fegato alla Venezia (Rosa Kalbsleber auf geschmorten Portweinschalotten an karamelisierten Apfelspalten, 17,00 €) hatte ich, einem Bauchgefühl folgend, ohne Beilage bestellt – in Italien nichts Außergewöhnliches. Ich ließ mich dann aber doch auf einen Risotto ein. Die Kalbsleber war topp, gerade richtig gebraten und mit leckerem Sößchen serviert, frischer Thymian passte hervorragend dazu. Der Risotto gehörte nicht zu den (be)merkenswertesten der Stadt, diente sich aber ganz nett der Sauce an.

Tagliatelle mit Scampi (Tagesgericht 14,50 €) kann man ein Gericht ja schon nennen, wenn es nur Spurenelemente des Krustentieres enthält. Unser Teller hatte zwei, was wir immer noch zu wenig fanden bei dem Preis. Irgendjemand im Service- oder Küchenbereich offensichtlich auch, denn unaufgefordert kam ein dritter Scampo extra. Da schmeckte es dann gleich nochmal so gut, vor allem nachdem einmal kräftig nachgesalzen wurde (am Nebentisch fragten sie dann auch gleich nach dem Salzstreuer!)…

So französisch wie wir begonnen hatten, beschlossen wir auch den Abend: Crème brûlée mit hausgemachtem Basilikumsorbet (6,20 €). Ein sehr dominantes, schweres Sorbet. So gesehen hat es den Abend irgendwie rund gemacht…

Brunetti Centro
Maxstraße 4/6
01067 Dresden

[Update: geschlossen]
Telefon 0351 / 48 45 49 30
www.brunetti-centro.de

Geöffnet:
Montag bis Samstag 11:00 bis 00:00 Uhr

[Besucht am 29. September 2012 | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

 

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