Wandern nach Röhren

Cervo sardo

Der sardische Hirsch Cervo sardo hat eine neue Heimat. Nahe der Inselhauptstadt und dennoch fern aller Zivilisation gönnt man ihm rund um den Monte Arcosu 4.000 qkm Auslauf und die Möglichkeit, sich ungestört der Fortpflanzung zu widmen. Das jedenfalls ist das Ziel im WWF-Nationalpark Oasi Monte Arcosu, und wenn wir die Geräusche während der Wanderung richtig interpretiert haben, herrschte großes Röhren im Wald.

WWF-Naturschutzgebiet Monte ArcosuDer World Wildlife Fund (WWF) kümmert sich in diesem Nationalpark um alles, auch um den Eintritt: Nur am Wochenende ist der möglich (genau: die Hirsche sollen ja ihre Ruhe haben!), fünf Euro pro Person sind zu zahlen. Dafür sind die Wanderwege gut ausgeschildert, was schon hilfreich ist im Gewusel der macchiösen Landschaft.

Die Macchia, für all diejenigen, die bei mediterraner Fauna in der Schule gefehlt haben, ist jenes wohl riechende stachelige Unterholz, von dem Napoleon in Bezug auf Korsika gesagt haben soll: Ich erkenne meine Heimat am Geruch der Macchia. Im Frühjahr, wenn dort alles blüht, sieht das gar lieblich aus, im Herbst ist farblich weniger los.

WWF-Naturschutzgebiet Monte ArcosuDie WWF-Leute haben einen leichten Rundweg ausgeschildert (SN1) und einen viel schöneren, der mit dem SN1 startet und endet, aber einen weiteren Bogen zum Rocca lada schlägt. Der breite Felsen auf etwa halbem Weg ist der ideale Punkt für eine Rast, mit recht fantastischen Blicken auf die Granitzinnen des Monte Giuturru Ludragus, die sich im Licht der Nachmittagssonne schön rot aus dem (trotz September!) saftig grünen Wald hervorheben.

Blick nach CagliariBis dahin war alles ein feiner Spaziergang, der zwar gemächlich bergan führte, aber auf relativ bequemen Wegen. Danach wurde es unwegsamer: Schmale Pfade, heftigerer Anstieg, wilde Büsche. Einmal hätten wir beinahe den Weg verloren – aber das laute Röhren der Hirsche zur Rechten veranlasste uns, weiter links noch einmal zu suchen: Und siehe da, dort war der richtige Weg. Wandern nach Röhren, der neue Trend nach Wandern nach Blumen!

Peep ShowEs geht dann weitgehend schmalpfadig durch die Macchia, erst quasi auf dem Grat und später dann heftig runter. Die Belohnung: Echte Hirsche – allerdings im Freigehege präsentiert, ein wenig nach Art einer Peep-Show: Eine Holzbretterwand trennt Mensch und Viech, Löcher ermöglichen das Durchgucken. Am Ende der Sichtschutzwand konnte man allerdings nah ran – und es störte offensichtlich weder die Hirsche noch die Fotografen…

Wanderung WWF Oasi Monte Arcosu als GPS

Mehr lesenswerte Beiträge

  • Zur Spiaggia di Isola MannaZur Spiaggia di Isola Manna Der minimale Verdauungsspaziergang ist etwa 666 Meter lang – so weit ist es vom Parkplatz zum Ittiturismo, und zurück ist es dann natürlich wenigstens genau so […]
  • Von Nébida zum Monte SaiVon Nébida zum Monte Sai Walter Iwersen und Elisabeth van de Wetering sind die mit den Siebenmeilenstiefeln. Zumindest hinterlassen sie den Eindruck mit ihren waghalsigen Beschreibungen […]
  • Abendessen im La PeschieraAbendessen im La Peschiera Das kleine sardische Fischerhaus duckt sich vor dem Strand in Porto Pino neben der Straße in die Dünen – man kann es schnell übersehen. Das wäre allerdings ein […]
  • Wandern nach BlumenWandern nach Blumen Meine Vorliebe für poetische Wanderführertexte führt manchmal zum Kauf von Büchern, die nicht wirklich hilfreich sind. Wir hatten für Sardinien ein Buch dabei, […]
  • Die GenusskreuzungDie Genusskreuzung Die Kreuzung der Staatsstraße 293 mit der Zufahrt zum kleinen Ort Santadi ist ein Tipp für Leute, die gerne essen und trinken. Gleich nebeneinander liegen hier […]
  • Bosa (2)Bosa (2) Passegiata heißt das Ritual des Extremherumschlenderns am frühen Abend, dem in Italien wahrscheinlich alles, was laufen kann, frönt. Den abendlichen Bummel […]

4 Kommentare

  1. Eine treffliche Idee! Wobei, wenn dann nach 20 Sekunden dieser Bock kommt, da macht’s ja auch keinen Spaß mehr!

    PS: Wolle Termin?

    • PS: Das schaffe ich jetzt nicht mehr vorm Mittagessen… Wir würden aber irgendwann, wenn die Vorbestellzeit abgelaufen ist, wieder mitkommen, jetzt, da Elena Jupiter sogar weiß, wo sie hinfahren muss.

  2. Ab 2005 bis 2009 fanden in den Schutzgebieten so etwas wie “Volkszählungen” unter den Hirschen statt. Man darf annehmen, dass die scheuen Tiere nicht freiwillig hingegangen sind. Daher griff die “Ente Foreste della Sardegna” zu einer merkwürdig anmutenden Methode – aber jeder erfahrene Förster schwört drauf: Im September (Brunftzeit der Hirsche) wurden zwischen 21 Uhr und Mitternacht die Förster an unterschiedlichen Stellen im Schutzgebiet postiert, die auf das Röhren der männlichen Hirsche hören und diese unterscheiden sollten. In vorangegangenen Studien der Bestände hat man zudem herausgefunden, das in der Nähe eines röhrenden Hirsches etwa fünf bis sechs weitere Tiere (Weibchen und Jungtiere) präsent sind – was wir aus eigener Erfahrung (siehe oben) bestätigen können. Die Maßnahme wurde dann an weiteren acht Tagen wiederholt, um die Genauigkeit der Schätzung sicherzustellen.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*