Spieglein, Spieglein an der Wand…

Die Frage nach den Besten wird ja immer gerne wieder gestellt. Befragt man die Betroffenen, sehen sie sich selbst eher oben als unten, lesen oder hören sie dann die Wahrheit, sind sie oft enttäuscht. „Tja, so ist das“, pflegt Sven Regener dann immer zu sagen, obwohl der mit Köchen und Restaurantkritik meines Wissens nichts zu tun hat. Das Spieglein der Kochzunft sind die Gastro-Guides, die meistens im Herbst erscheinen und für das kommende Jahr gelten (sollen), obwohl sie doch Erfahrungen nur aus der Vergangenheit wiedergeben (können).

Wie im vergangenen Jahr hier ein kurzer Überblick über das, was uns die Profitester zu sagen haben. Wobei eigentlich nur die beiden von vielen eh als die wichtigsten bezeichneten übrigbleiben: Der Michelin, der sich in Sternen und fürs gastrophile Fußvolk in Bib Gourmands mitteilt, sowie der Gault Millau, der geliebt (von den LeserInnen) und gefürchtet (von den Beschriebenen) ist wegen seiner scharfen, oft ironischen – aber meist richtigen Texte. Der Feinschmecker (für den ich selbst fünf Jahre den Raum Ostsachsen bereiste) kam in diesem Jahr mit seiner best-of-Liste schon am 16. August auf den Markt, die Ergebnisse für Dresden und Umgebung haben wir am Veröffentlichungstag bereits beschrieben (bitte auch die Kommentare lesen).

Über den Michelin 2013 hat – man ist geneigt zu schreiben: in bekannt ungenauer Weise – die Sächsische Zeitung irritierend bis falsch geschrieben. „Sachsen ist im „Michelin“-Sterneregen wieder leer ausgegangen“ lautete der erste Satz eines Beitrags am 7. November, und da die Überschrift schon „Keine neuen Sterne für Sachsen“ verkündete, dachte ich kurzfristig an den Zusammenbruch der Gourmandise im Osten. War aber nicht so, sondern nur schlampig geschrieben – angefangen vom Wort „Sterneregen“ (wer hat schon Sterne regnen sehen?) über den Vertipper (jaja, habe ich auch manchmal!) beim Bib Gourmand bis zum inhaltlichen Unsinn scheint man der neuen Unsachlichkeit anzuhängen. Qual(itäts)journalismus, wie ihn der Kollege Stefanolix nebenan schon länger beobachtet.

Die Wahrheit: Nix Neues in Sachsen, was die Sterne anbelangt. Also eins mit zwei Sternen (Peter Maria Schnurrs „Falco“ in Leipzig) und vier mit je einem Stern: Das „bean&beluga“ von Stefan Hermann und das „Caroussel“ mit Chefkoch Dirk Schröer in Dresden sowie in Leipzig der „Stadtpfeiffer“ von Detlef Schlegel und als östlichster Sternekoch im Lande André Tienelt im „Sendig“ in Bad Schandau.

„Gehobene Qualität zu günstigen Preisen“ bietet, wer laut Guide Michelin einen Bib Gourmand verdient. Mit dabei in Dresden sind Bülow’s Bistro (neu), das Landhaus Lockwitzgrund, das Lesage, Schmidt’s, die Villa Weltemühle Brasserie und, auch neu, das Villandry. In Freiberg hat das „Le Bambou“ so einen Bib, in Görlitz die Schneider Stube im Tuchmacher. In Chemnitz ist man demnach im „alexxanders“ und in der „Villa Esche“ gut aufgehoben.

Und beim Gault Millau? Auch da gab’s nicht so arg viel Bewegung, was die Häuser in Sachsen anbelangt. Mit je 18 (von 20 möglichen) liegen das Falco in Leipzig – zur Erinnerung: zwei Sterne im Michelin – und das Caroussel in Dresden (ein Stern) hier gleichauf an der Spitze. Je 17 Punkte gab’s für bean&beluga in Dresden sowie den Stadtpfeiffer in Leipzig, neu in dieser Klasse ist das St. Andreas in Aue. 16 Punkte fürs Sendig, 15 für den Gasthof Bärwalde – wie im Vorjahr. Den haben die anderen immer noch nicht entdeckt (so wie ich Olav Seidel kenne, ist er darob aber nicht einmal unglücklich – und für uns ist er eh einer der Besten!) Für die Reisenden: 15 Punkte gab’s auch für die Drei Schwäne in Zwickau (mag ich sehr!) und (neu dabei) fürs Heine in Leipzig.

Wenn nun einer denkt, jetzt kämen die Schlusslichter: 14 Punkte sind schon richtig gut, und die gab’s für das Elements in Dresden, den Feengarten in Hartenstein, Drogerie und Niemanns Tresor in Leipzig sowie die Schillerstuben in Schkeuditz.

Was fehlt? Die, die der Feinschmecker exklusiv hat und die, die ich dort schon vermisst habe. Leute, schickt die Tester los!

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2 Kommentare

  1. Hallo Ulli,

    es macht immer wieder Freude, Deine Restaurantkritiken zu lesen.

    Lustig war die Rezension zu Deinem Besuch im „Palmenhaus“, wo Du den 01326 in die Hand und an den Gaumen bekommen hast. Sind wir stolz drauf – selbst (mit) gelesen, beim Anpressen und der Abfüllung bei Aust dabei und natürlich Name und Etikett mit ausgewählt – Sauer’s sind gute Freunde von uns und seit 2011 „Neuweinbauern“. Im Herbst 2011 war die erste „Grauburgunder“-Lese von rund 400 Weinstöcken, und dafür ist er gut gelungen…
    Ist ein hübsches Hobby.

    Wenn Du also mal im Sauerschen Keller den aktuellen Jahrgang probieren möchtest – können wir arrangieren. Ist aber noch nicht gefüllt und mit 110 Oechsle wird er entweder sehr alkohollastig oder eben eher halbtrocken…

    Lass mal von Dir hören.
    Liebe Grüsse
    Gabi & Bernd

    • Na hoi, welch‘ Überraschung! Danke für die Komplimente – und noch mehr für das Angebot. Im Sauer’schen Keller einen Halbtrockenen (besser als ne Alkoholbombe, oder?) zu probieren, wäre mir eine Freude!

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