Inselrundfahrt Isola di San Pietro

Faro di Capo Sandalo

Man könnte die Insel auch zu Fuß duchwandern – aber wir hatten doch keine Zeit! Also starteten wir eine Rundfahrt mit dem Auto, wobei: Rund um die Isola di San Pietro kann man nur schippern – die Straßen sind fast alle Einwegbahnen, die sternförmig von Carloforte weg- bzw. auf den Hauptort hinführen. Wir also erst mal raus Richtung Norden!

Isola PianaBei La Punta, dem nordöstlichen Zipfel der Insel sieht man die Reste einer ehemalige Thunfischfabrik, einer Tonnara. Heute residiert da – verträglicher für die Umwelt und vor allem die immer weniger werdenden Thunfische – das Carloforte Diving Center. Auch nebenan auf der Isola Piana gab es einmal eine Tonnara, sogar die größte Sardiniens. Nun ist die Insel ein Touristenrefugium der eher ruhigen Art. Man kann hier wunderbar spazieren und wunderbare Ausblicke genießen – aber wir hatten doch keine Zeit!

Saline di CarloforteWir also südwärts die gleiche Straße zurück nach Carloforte, an den Yachthäfen, dem Fähranleger und dem kleinen Nutzhafen vorbei und schon wieder raus aus der Stadt. Bislang war das Wasser links, plötzlich ist es rechts: Die über hundert Hektar große Saline di Carloforte. Seit 1990 hat sie als Produktionsstätte von Salz ausgedient, aber aus ökologischen Gründen wird sie als Biotop salzig gehalten. Hier gibt es immer irgendwo Flamingos, die rosarot im Blauen staksen (das Bild entstand übrigens auf der anderen Seite der Lagune beim Rückweg).

Spiaggia di GirinViele Sandstrände gäbe es nicht auf der Insel, stand in unseren Reiseführern. Aber ein Blick auf die Karte zeigt: viele der links von der Straße abführenden Stichstraßen enden an kleinen Sandstränden, und gleich hinter Carloforte an der Punta di Girin gibt es eine nette Bucht (Parkplatz mit Restaurant von der Straße aus gut sichtbar). Die italienischen Familien scheinen ihn zu kennen, wir sahen sie im Clan am Strand und im Wasser stehend debattieren. Schwimmen? Nein, das machen doch nur Touristen! „Unsere Italiener“ verlagerten ihren Debatierclub lediglich ins kühlende Nass und dann wieder hinaus, ohne zwischendurch die Gespräche zu unterbrechen.

Spiaggia la BobbaBekannter ist die Spiaggia di Bobba – weil es von da einen (wunderbar ausgebauten) Fußweg zu den Felsnadeln Le Colonne, die so etwas wie das Wahrzeichen der Insel bilden. Der Reiseführer empfahl, den Wagen an der Hauptstraße abzustellen und runter zum Strand zu laufen. Macht kein Mensch: Die Straße ist befahrbar, am Ende direkt vor dem Strand gibt es einen Parkplatz. La Bobba liegt geschützt, ist nicht so groß und hat einen feinen Sandstrand. Nach italienischer Sitte befindet sich auch hier am Eingang ein Restaurant, mit dessen Angebot man gut übern Tag kommt.

Le ColonneDer Weg zu Le Colonne ist offensichtlich im Rahmen eines größer angelegten Programms gut ausgebaut. Tafeln machen schlau – Le Colonne ist Nummer drei von insgesamt 14 Geositi, bemerkenswerten geologischen Punkten auf der Insel. Die beiden Trachytfelsnadeln ragen etwa 20 Meter aus dem Wasser heraus. Ein Blick auf das Land vor Le Colonne lohnt auch: Da steht ein chices Haus, offensichtlich ein Ferienhaus. Etwas einsam, was die nächste Bäckerei anbelangt, etwas zu einsichtig bei vielen Touristen am Fels – aber mit schönen Blicken rundum.

La CalettaWeiter westlich an der Cala dello Spalmatore scheint am Strand von La Caletta touristische Neuzeit angebrochen zu sein. Neubauten entstehen, und sie sehen nicht alle schön aus. Kleine Ferienhäuser haben jetzt statt Blick aufs Meer Blick auf Neubau – erste Verkaufsschilder sieht man schon. Der Strand ist relativ groß, aber der Sand nicht so fein wie an den anderen der insgesamt sieben Strände dieses Teils der Küste. Aber mit der tiefer stehenden Sonne macht die Bucht, garniert mit einem (genau: einem) Segelboot doch einen netten Eindruck.

 
FelsenWeiter an der Küste geht’s jetzt nicht, zumindest nicht mit dem Auto. Also wieder nordwärts bis kurz vor die Saline und dann links ab, wieder westwärts. Es geht aufwärts, wenn auch nur rund zweihundert Meter. Oben gibt es beeindruckende Felsformationen, die ehemaligen Minen (Vecchia miniera di ocra e manganese) sind auch hier. Aber: Wir haben ja keine Zeit und, vor allem, noch ein Ziel: Das Capo Sandalo, berühmt für seine Sonnenuntergänge, und auf dem Weg dahin die Cala Fico.

Cala FicoWer gut zu Vögeln ist, wird die Cala Fico lieben: Die umliegenden Berge sind die Heimat seltener Vogelarten, unter anderem kann man mit etwas Glück hier den Eleonorenfalken sehen. Natürlich hatten wir kein Glück, fanden aber die fjordähnliche Bucht mit dem klaren Wasser, die aufragenden Felsen mit ihren Höhlen und das gesamte Setting sehr faszinierend. Auf dem Weg zum Wasser gibt es (natürlich) ein Restaurant, aber leider leider: Wir hatten ja keine Zeit!

Punta di Capo RossoJetzt aber: Das Capo Sandalo, inklusive Leuchtturm. Beides liegt etwas südlich von der Cala Fico, hat ausreichend Parkplatz – und man sollte sich Zeit nehmen! Neben den breiten Wegen zur Punta di Capo Rosso gibt es Trampelpfade runter zum Meer, von denen aus man die wildesten Blicke genießen kann. Es ist wie auf Brücken: Bist Du da drauf, siehst Du ja gar nicht, wie schön die ist (bzw. sein kann). Das Capo Rosso macht vor allem im Abendlicht seinem Namen alle Ehre.

Punta di Capo RossoWieder oben auf dem Hauptweg erschließen sich auch bemerkenswerte Blicke: Links und rechts vom Kap Buchten mit Trachytfelsen, man hört – trotz nur leichten Wellengangs – das Wasser hundert Meter tiefer an den Felsen klatschen. Trotz aller touristischen Erschließung: Es gibt nur einen Punkt, auf dem man romantisch umschlungen sitzen kann, um der Sonne bei ihrem steten Untergang zuzusehen. Wer schlau ist, kommt rechtzeitig, bringt sich eine Flasche Wein mit und genießt das Ende des Tages mit allen Sinnen und auf allen Ebenen.

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