Von Kirchen und Tempeln

Innenhof

Mailand und seine Kirchen! Alle paar Meter eine neue, meist sehr alte. Und zwischendurch nicht nur Cafés, sondern auch bezaubernde Hinterhöfe. Zum Beispiel in der Via Magenta 14: Unscheinbarer Durchgang, aber irgendwie zog es mich hinein – aus gutem Grund, offensichtlich. Drinnen Wandmalerei, ein Brunnen mit Fliesen, eine in die Wand geschlagene Skulptur. Wenn ich das Schild richtig verstanden habe, ein Teil von der alten Santa Maria alla Porta.

Chiesa di Santa Maria PodoneDie Chiesa di Santa Maria Podone ist eine der ältesten Kirchen Mailands. 871 geweiht und natürlich mehrfach umgestaltet. Adlige hatten da immer ihre finanzielle Hand im Spiel: Benannt ist die Kirche nach Vuerolfo Pedone, sie steht am Platz und gegenüber des Palastes der Borromeo-Familie – 1440 ließen die eine Kapelle hinzufügen. Die jüngste Änderung erfolgte nach der Restaurierung zu Beginn unseres Jahrhunderts: Die Kirche beherbergt jetzt die griechisch-orthodoxe Gemeinde.

Chiesa del Santo SepolcroDie Chiesa del Santo Sepolcro hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel: seit 1030 steht sie da am gleichnamigen Platz, wurde allerdings ebenfalls mehrfach umgebaut – unter anderem während der Kreuzzüge, um ihr die Form des Heiligen Grabes in Jerusalem zu geben. Die beiden Türme waren ursprünglich nicht gleich hoch, und die Fassade machte auch mehr her. Renovierungsgeschmack treibt manchmal schon seltsame Blüten. Drinnen aber hat die Kirche ihr barockes Aussehen erhalten, wobei die beiden Kapellen links und rechts vom Altar mit bemerkenswerten Terrakotta-Skulpturen ausgestattet sind. Links eine Szene des letzten Abendmahls zeigt Jesus bei der Fußwaschung, während in der rechten Kapelle ein Triptychon den Tod Christi thematisiert. Seit 1928 ist die Kirche ein Teil der bedeutenden Biblioteca Ambrosiana gleich nebenan.

PeckDas nächste sich bummelnd ergebende Ziel war deutlich weltlicherer Natur, obwohl das Wort Tempel einem schon in den Sinn kommen konnte: In der Via Spadari gibt es den Luxus-Schlemmer-Tempel „Peck“ – gegründet 1883 von einem Einwanderer aus Prag und gleich neben dem Dom gelegen einen Besuch wert – auch wenn man nichts kaufen möchte. Auf 4.000 Quadratmeter findet man alles, was gut und vor allem teuer ist. Wir sahen in der Auslage unser Lieblingssteak „Fiorentina“ für 55 € pro Kilo – das ist mehr als wir einige Stunden später im Restaurant bezahlt haben. Viele Menschen bedienten wenige Kunden oder kümmerten sich um das tadellose Aussehen der Auslagen. Um zwölf Uhr mittags scheint man in Mailand nicht einkaufen zu gehen, sondern lieber ins Restaurant (gibt’s im Haus, aber auch gegenüber in der Pesceria Spadari ist ein Stehimbiss – der hätte mir gefallen!).

Spaziergang Mailand

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