Bar Mut: „Es ist verführerisch!“

Bar Mut

Es war einer dieser Tage, auf die man so lange gewartet hat, weil es einen Winter lang zu kalt war für eine kurze Rast draußen in der Sonne. Wir waren unterwegs in Barcelona, auf den Spuren von Antoni Gaudí und hatten uns in der Nähe der Sagrada Familia, die unser nächstes Ziel sein sollte, schon mal vorab ein kleines Restaurante ausgesucht.

An einer der zahlreichen Ecken der Avinguda Diagonal – eine der breitesten, wichtigsten und auf jeden Fall reichlich befahrenen, lauten Straße von Barcelona – sahen wir vier Tische draußen stehen, vor der Bar Mut. Nix wie rüber über die deutlich schmalere Querstraße Calle Pau Claris! Mist, alle Tische leibhaftig oder per Schild besetzt!

Raus kommt ein Kellner. Wir so: Ob wir ein Gläschen trinken könnten? Und er? Nimmt das Reserviertschild weg und weist uns den letzten freien Tisch draußen zu. Wir bestellten zwei Glas Cava, aber, no gracias, zu essen wollten wir nichts haben. Zum Cava (5,50 € das Glas) kommt dann noch ein Teller mit Oliven (und ein kleiner leerer für die Kerne!), aber das ist ja eher normal.

Während wir uns quasi auf der Kreuzung in der Sonne aalen, wollen die Herrschaften am Tisch neben uns bestellen. Unsere Bedienung schnappt sich einen Stuhl, setzt sich und fängt an zu erzählen. Hhm, klingt alles sehr gut. Als er aufsteht, sieht er uns noch einmal an: Ob wir wirklich nichts essen wöllten? No, gracias.

Ich schnappe mir die Kamera, um ein Bild vom Innenleben der Bar zu machen. Sehe die Flaschen in den Regalen, die Aufschriften auf den Schiefertafeln, Fisch und Krustentiere auf Eis in der Auslage. Gehe raus und grinse Sylke an: Wir wollen, glaube ich, doch hier essen! Sie rein, guckt, kommt raus: Oh ja! „Es ist verführerisch, oder?“ sagt die Frau am Nachbartisch, und ihr Mann verrät, dass sie ja eigentlich auch nur was trinken wollten…

Nun sitzt die Bedienung neben uns und erzählt. Er hat viel mehr zu bieten als das, was wir drinnen gesehen hatten, aber die Auslage hat unsere Geschmacksknospen konditioniert. Also gibt’s hauptsächlich was aus dem Meer: Jacobsmuscheln zuerst. Kurz scharf angebraten, innen lebendfrisch-saftig, auf einer leicht scharfen Tomaten-Paprika-Sauce, mit einer Blüte garniert. Und draußen serviert: Das ist wie im siebten Himmel!

Gambas auf grobkörnigem Meersalz und Pesto, ein Blattspinatsalat mit Feigen, Tomaten, Nüssen und sehr schönem Balsamicodressing und Tintenfischlein auf Zwiebelconfit waren die anderen Tapas, allesamt wahrlich überzeugende Vertreter der grandiosen Frische, die in Barcelona möglich ist. Dazu ein Glas Tricó Albariño, ein frischer Weißer aus Galicien (6,05 € per Glas) – aus einem kleinen Pausenstopp wurde ein wunderbares Mittagessen.

Bevor da jetzt alle hinrennen und dann hinterher meckern: Ein Billigheimer ist die Bar Mut nicht, die geschilderten und abgebildeten Sachen haben knapp 130 Euro gekostet: Das ist für barcelonische Mittagsverhältnisse viel. Wir waren allerdings weder überrascht (auf den Tafeln drinnen standen Preise!) noch knatschig (wie viele Kommentatoren in den einschlägigen Internetplattformen): Nur weil etwas als Tapa serviert wird, muss es ja nicht unter fünf Euro kosten. Qualität und Zubereitungsart erschienen uns Rechtfertigung genug für den Preis. Und die Sonne dazu war eh unbezahlbar…

Bar Mut
Calle Pau Claris, 192
08037 Barcelona

Telefon +34 932 17 43 38
http://www.barmut.com/

Geöffnet: täglich außer Sonntag 09:00 bis 00:00

[Besucht am 19. März 2013 | Lage]

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2 Kommentare

  1. Boah was für eine Homepage!!

    Erschreckender Preis, aber gut das ist relativ und abgesehen von den Speisen und Getränken war es schon die Bedienung die sich an den Tisch setzte den Preis wert!

    • Danke für den Hinweis auf die Homepage – aber so wie die sich lohnt, blieb eben der ganze Besuch in bester Erinnerung. Übrigens: Als der Nachbartisch zahlen wollte, kniete sich die Bedienung aufs Pflaster nieder. Auch nicht schlecht 😉

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