dos palillos: Tapas mit Stäbchen und Stern

dos palillos

Es gäbe, hatten wir gelesen, im dos palillos ein supergünstiges Probiermenü – mittags, fünf Gänge, 22 Euro. In einem Sterne-Restaurant! Allerdings haben sie nur donnerstags, freitags und samstags mittags (von 13:30 bis 15:30 Uhr) geöffnet. Wir also vorher reserviert, was eine gute Idee war, denn an jenem Besuchs-Donnerstag gab’s keine freien Plätze.

Aber natürlich kam dann alles anders. Denn neben dem Schnäppchenmenü gibt es noch ein Degustationsmenü für 60 Euro, ein größeres für 75 Euro und ein ganz großes für 85 Euro. Alle bieten deutlich mehr Einblicke in die Küche und die Vielfalt der Aromen – also wählten wir das Schnäppchen ab und bereuten es nicht.

Der Chef von dos palillos ist Albert Raurich, was deutscher klingt als es ist: Der ehemalige Küchenchef von Ferran Adrià im el Bulli ist in Barcelona geboren. Nach den experimentellen Molekularjahren praktiziert Raurich im dos palillos eine famose Mischung aus asiatischer und europäischer Küche. Das Konzept steckt schon im Namen: dos palillos, das sind zwei Stäbchen…

Wie gesagt: Ein Stern vom Michelin seit vergangenem Herbst, die Auszeichung im Food-Blog Salsa de Chiles als bestes Restaurant mit ausländischer Küche Spaniens – aber das alles in einer Bar, in der es kuschelig eng und unprätentiös zugeht. Man sitzt an einer Theke rund um die offene Küche „auf nicht sehr bequemen Barhockern“ (steht so auf der Seite des dos palillos) und sieht den Köchen bei ihrem Handwerk zu.

Sie bereiten tapas, aber eben nicht die gewöhnlichen, wie man sie hierzulande beim Spanier bekommt. Sondern Außergewöhnliches, zumindest was den Geschmack anbelangt. Von einzelnen Dingen zu schwärmen ist irreführend, weil alles zum Wiederkommen reizte. Wobei: die große gegrillte Auster mit Sake ist vielleicht erwähnenswert, weil sie einmal einen ganz anderen ungewohnten Geschmack bietet. Aber gilt das nicht für fast alles, was da serviert wurde? Eine Wamme vom iberischen Schwein auf kantonesische Art hatten wir so auch nie zuvor (und wahrscheinlich hätten wir ohne die würzige krosse Zubereitung auch eher dankend abgelehnt). Aber selbst Bekanntes (oder gar selbst zuzubereiten Versuchtes) wie zartes Gemüse aus dem Wok machte uns klar, dass es im dos palillos anders als anderswo ist. Besser!

Wir hatten am Anfang gefragt, welcher Wein denn zu dem Degustationsmenü passen würde. Ein Dutzend „aromatische Weine“ der Karte wurden uns dann empfohlen – darunter auch uns Bekanntes wie Rieslinge von Bürklin-Wolf oder Wittmann. Wir entschieden uns dann aber für einen Pedralonga 2011 Albariño aus dem Rías Baixas, der mit 32 € gewohnt nett kalkuliert war (die Flasche kostet bei uns im Einzelhandel knapp die Hälfte).

Den Köchen bei der Arbeit zuzuschauen macht richtig Spaß! Nicht, weil wir es genießen, selber das Leben genießend andere bei der Maloche zu beobachten, sondern weil man das Essen um so mehr zu würdigen weiß: Welche Organisation, welche Ruhe, welche Ausstrahlung, welche Eleganz der Bewegungen! Toll, dass jeder Gang von dem Koch (und einmal: der Köchin) gebracht wurde, der/die ihn zubereitet hat! Natürlich mit Ansage und Erklärung, wobei die japanisch-spanisch-englische Mischung der Begrifflichkeiten uns Banausen in den meisten Fällen eher als gut gemeinte Geste zählte.

Wir hatten das Glück, Takeshi Somekawa gegenüber zu sitzen. Er kommt aus Osaka und ist Küchenchef sowie rechte Hand von Albert Raurich bei dem Projekt dos palillos. Bei einem der insgesamt zwölf Gänge war er sogar unser Lehrer: Er zeigte uns, wie man aus Thunfisch, Reis und Nori was optisch Ansprechendes macht. Wir versuchten es, aber seins sah besser aus. Geschmeckt haben alle gleich, das war uns ein Trost. Take, wie er von den Kollegen genannt wird, zeigte gen Ende der Schicht auch seinen Mitköchen kleine Tricks – auch dies war einfach nett anzusehen, wie hier Wissen weitergegeben wird.

dos palillos
c/ Elisabets nº 9
08001 Barcelona

Tel. 00 34 933 040 513
http://www.dospalillos.com

Geöffnet
dienstags bis samstags 19:30 bis 23:30 Uhr
donnerstags, freitags und samstags zusätzlich von 13:30 bis 15:30 Uhr

[Besucht am 21. März 2013 | Lage]

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2 Kommentare

  1. Ich will ja nicht meckern, aber als quasi Nachbar dieses Ladens fallen immer mehr Blogger auf, die mit Kameras bewaffnet ohne Reservierung die Organisation dieses Restaurants durcheinander bringen. Die Jungs sind zu höflich um darauf aufmerksam zu machen. Mit Resrevierung läuft das alles in Barcelona viel entspannter. Geht auch auf englisch.

    • Es gibt, was uns anbelangt, auch keinen Grund zum Meckern. Wir hatten reserviert. Woran erkennt man übrigens, dass die Unangemeldeten Blogger sind? Und wie bekommt man das von außen mit, dass sie den Laden durcheinander bringen? Ich frage für eine Blog-Freundin…

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