Man muss sich aufs Entdecken einlassen…

Sommerausstellung Ge-Schichtungen auf Burg Stolpen mit Werken von Einhart Grotegut

Ge-Schichtungen

Der König der Wanderratten schleicht sich überlebensgroß über den Kornboden der Burg Stolpen. Sein Schöpfer, wenn man das so sagen darf, steht dahinter und guckt irgendwie zufrieden. Zufrieden sein kann Einhart Grotegut ja auch, denn die diesjährige Sommerausstellung Ge-Schichtungen auf Burg Stolpen erfreut sich bei den Burgbesuchern großer Beliebtheit. Assemblagen, Collagen, Zeichnungen und Objekte von Einhart Grotegut sind seit dem 13. Juli schon und noch bis zum 25. August zu sehen und wollen erforscht und entdeckt werden.

Einhart GrotegutGrotegut ist seit zwanzig Jahren als Gestalter mit auf Stolpen tätig und somit maßgeblich für die Optik des Museums auf der Burg mitverantwortlich. Nun hat er seine eigene Ausstellung gestaltet – einerseits natürlich ein Heimspiel, andererseits aber auch eine Herausforderung – wo soll denn die Distanz herkommen, wenn man dermaßen vertraut mit dem Raum und sogar den Objekten im Kornboden ist. Also ist da schon eine gehörige Portion Spannung, wenn man – in Begleitung des Künstlers – die Treppe hochkommt und langsam in die Ausstellung hinauftaucht. Sie löst sich mit einem „wow!“ auf: Großformatige Bilder hängen keineswegs in Reih und Glied, sondern scheinbar locker-ungeordnet  von der Decke. Mittendrin erkennt man ein mächtiges Objekt, ein Baumstück. Das ist, zumindest, ungewohnt.

Auf dem KornbodenAber es ist natürlich alles durchdacht und nichts dem Zufall überlassen. Man muss nur rumgehen und sich aufs Entdecken einlassen: Sich nicht nur die Bilder ansehen, sondern auch mal zwischen zweien hindurchblicken – meist sieht man dann was, was man sonst vielleicht gar nicht bemerkt hätte, weil es zwischen den dauerhaft ausgestellten Dingen auf dem Kornboden steht, als ob es dazu gehöre. Tut’s ja auch irgendwie, denn Grotegut ist ja nicht nur Künstler und (Ausstellungs-)Gestalter, sondern leidenschaftlicher und kenntnisreicher Sammler. Und so hängt Der alte Brunnen nahe bei Gegenständen, die er (der Brunnen) schon mal gesehen hat: Den Brunnen gibt’s nämlich, vor dem Atelier des Künstlers in Dresden. Das Bild zeigt eine der Techniken Groteguts, Dinge miteinander zu verknüpfen: Alte Buchseiten und die detailreiche grotegutsche Zeichnung sind miteinander verwoben.

Bewahrte LebensspurGeschichtet sind etliche der Werke Groteguts. So wie sich der Archäologe Schicht um Schicht nach unten buddelnd die Geschichte erarbeitet, baut Grotegut seine Denk-Anstöße aus Relikten der Zeit, collagiert Altes zu Neuem. Joachim Menzhausen, ehedem Direktor des Grünen Gewölbes, fasste das einmal so zusammen: „Sein Darstellungsgegenstand ist der Lauf der Zeit.“ Die Spuren der Geschichte blicken meist durch, und auch hier gilt wie für die gesamte Ausstellung: Man muss schon genau hinsehen, Details finden und verstehen. Und man muss sich natürlich auf den Künstler einlassen, der beispielsweise ein Fundstück ins rechte Licht zu rücken weiß: Ein Grab-Kreuz, das in einen Baum hineingewachsen ist (eigentlich ist natürlich der Baum um das Kreuz gewachsen…). Natürlich verdeckt der Baum wesentliche Informationen (wie den Namen), doch die Bewahrten Lebensspuren geben genug Stoff zum Weiterdenken…

Daseinspuren gleiten zur Unkenntlichkeit.
Durch Zeit.
Als Maßstab der Vergänglichkeit.
Durch Feuer, Wasser, Luft werden sie zu Erde.
Die mit beharrlich anhaltender Kraft
die Dinge verzaubert
und Geheimnisse schafft.
Ein Prozess mit Hoffnung auf Unendlichkeit.
Grotegut 2012

Sonderausstellung »Ge-Schichtungen«
Assemblagen, Collagen, Zeichnungen und Objekte von Einhart Grotegut. 13. Juli bis 25. August 2013, 10 bis 18 Uhr im Sonderaustellungsraum “Kornboden”. Kein gesonderter Eintritt.

Burg Stolpen
Schlossstraße 10
01833 Stolpen

Tel. 03 59 73 / 2 34 10
www.burg-stolpen.org

Öffnungszeiten
täglich 9-18 Uhr (April-Oktober) | 10-16 Uhr (November-März; bei Schnee oder Glatteis nachfragen!)

[Besucht am 9. August 2013 | Lage]

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