Nichts Neues in Dresden

bean&beluga ist Restaurant des Jahres 2013 beim "Feinschmecker", aber sonst keine Veränderungen gegenüber 2012

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Es ist der 14. August, und auf dem Balkontisch liegt der September-Feinschmecker. Darin ein Extra-Buch: Die 800 besten Restaurants – des Jahres 2014. So geht Marketing! Aber egal, denn was wir da lesen, ist natürlich toll: Das bean&beluga wurde zum Restaurant des Jahres 2013 gewählt (hatten wir ja gestern schon kurz vorab vermeldet)! Das finden wir toll, super-toll, richtig gut: Zeichnet es doch das (offensichtlich erfolgreiche) Bemühen von Stefan Hermann und seinem Team aus, mehr als ein Gourmet-Restaurant zu sein. Das Imperium hat sich ja vom Weißen Hirsch aus vergrößert, mit Tages- und nun auch Weinbar, mit kleinem Feinkostladen, mit dem Konzertplatz, der Anwesenheit auf dem Striezelmarkt und mit dem Engagement in der Semperoper und – demnächst – im Staatsschauspiel. „Hoffentlich übernimmt er sich da nicht!“ meinte kürzlich ein Freund im Gespräch – guter Wunsch. Andererseits sieht es so aus, als ob es ohne diese mannigfachen Aktivitäten heutzutage wohl schwer bis unmöglich ist, ein Gourmetrestaurant mit Anspruch zu führen. Die wirtschaftliche Lage, you know.

Ein wenig verwundert hat mich dann aber doch, dass die Küche des bean&beluga, die ja eigentlich im Restaurantführer besprochen wird, nach Meinung des Kritikers/der Kritikerin nicht zugelegt hat und nach wie vor mit drei F bewertet wird. Vom Text her wäre ein (kleiner) Sprung nach oben durchaus zu rechtfertigen: „Die Gerichte überzeugen und begeistern schlicht mit Geschmack, ganz ohne Geklecksel und Landschaftsgärtnerei.“ lesen wir (Seite 91, wenn jemand nachschlagen möchte). Gelobt werden, unter anderem und zu Recht, auch das vegetarische Menü sowie Jens Pietzonka als Restaurantleiter. Der ist, das muss man vielleicht den Vergesslichen noch einmal ins Gedächtnis rufen, im Februar ja auch geehrt worden, nämlich zum Sommelier des Jahres. Und wir befördern, weil wir bei unseren Besuchen immer von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so herzlich betuddelt werden, die ganze Mannschaft hiermit zu unserem Team des Jahres!

Was tut sich sonst laut Feinschmecker, der traditionell der erste im Reigen der neuen Guides ist, in Dresden und Umgebung? Nix Neues, und das muss man wirklich geißeln. Tipps für die Vergessenen hatten wir ja vor einem Jahr gegeben, aber da ist man in Hamburg offensichtlich reiseresistent. Also fehlen nach wie vor beispielsweise Olav Seidel mit dem Gasthof Bärwalde (bei Moritzburg) oder das Kastenmeiers im Dresdner Zentrum.

Mit dabei sind dann die üblichen Verdächtigen: Ebenfalls mit 3 F bewertet ist das Caroussel im Bülow-Palais. Der Verlust des halben Punktes schafft den Gleichstand der beiden Dresdner Top-Betriebe, ist aber für den erst seit Mai dort kochenden Benjamin Biedlingmaier ein guter Start. Wir waren noch nicht bei ihm, wird nachgeholt. Auf Platz drei folgt wie gehabt Thorsten Bubolz im Lesage mit 2 F. Mit je 1,5 F bewertet sind das Elements, das Kaminrestaurant, Schloss Eckberg und das Ven, als interessante Locations sind die Villa Marie und das Villandry dabei – alles wie im Vorjahr, kein Auf und kein Ab.

Vor den Toren Dresdens bzw. von hier aus ganz gut zu erreichen sind das Sendig in Bad Schandau, das zwar voraussichtlich bis zum Jahresende noch an der Juni-Flut zu knabbern hat und deswegen geschlossen ist – aber mit 2,5 F steht man dann 2014 wenigstens drin im Orientierungshandbuch für Reisende mit Geschmack. Dass es nicht mehr als zweieinhalb sind, hat mich schon im vergangenenen Jahr gewundert, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden! Barbara Sieberts Schwarzbachtal in Lohsdorf hat, auch wie gehabt, 1,5 F – und steht bei uns auf der Liste mal wieder zu besuchender Restaurants. Was immer noch fehlt im Raum östlich von Dresden ist das Erbgericht Tautewalde, wenigstens – vielleicht ja auch noch das eine oder andere uns nicht so bekannte Haus.

Westlich und in der Nähe von von Dresden mit dabei sind Charlotte K. und Schloss Wackerbarth – beide mit je 1,5 F wie im Vorjahr. In Meißen ist das Goldene Fass mit 1,5 F erwähnt – und das war’s dann auch schon: Neunmal Dresden, fünfmal drumherum.

[Übersicht aller hier besprochenen Restaurants aus Dresden und Umgebung als Liste (oder auf der Karte) – auch subjektiv und nicht vollständig, aber mehr ]

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