Gute Zeiten – Schlechte Zeiten – Zeitlos

zeitlos

Bis 22, am Wochenende gar bis 23 Uhr, war das Zeitlos mal geöffnet. Diese Zeiten ist man im Restaurant, das im Dresdner Militärhistorischen Museum mehr als eine Kantine sein wollte, los. Aber außer beim Mittwoch, der immerzu Ruhetag war und ist, sind die Schlusszeiten überklebt, und Besuchern ab 18 Uhr wird auf der Internetseite des Restaurants eine Reservierung empfohlen. Wahrscheinlich, damit man sich nicht umsonst durch die Staus quält, wenn mit dem Museum auch das Restaurant die Tore schließt.

Keine gastfreundlichen Umstände, doch das Konzept des Hauses (und die positiven Ess-Erfahrungen von Freunden vor einiger Zeit) sind verlockend: regionale Zutaten, dem Slow-Food-Gedanken verpflichtet, nett zu lesende kleine Karte. Also gehen wir hin, nicht ohne uns vorher ordentlich angemeldet zu haben. Zur großen Freude waren wir nicht allein – noch zwei Tische waren draußen belegt. Man könnte auch sagen: So richtig voll war’s nicht. Aber unsere Bedienung schien schon von den neun Gästen überfordert. Mal brachte er uns die Karten, dann nichts, dann das bestellte Wasser, dann nichts, dann die gewünschte Weinkarte, dann nichts, dann den bestellten Wein und irgendwann auch mal das Essen. So ungefähr lief das gefühlt ab. In Wirklichkeit brachte er an den „nichts“-Stellen natürlich keineswegs nichts, sondern kam gar nicht.

Ich mag auch gar nicht so doll klagen, denn draußen am Abend ragt der Keil, den Daniel Libeskind in die neobarocke Fassade des ehemaligen Arsenals getrieben hat, recht ansehnlich in den Abendhimmel. Also kann man rumlaufen und fotografieren und kommt am Ende der Runde gerade rechtzeitig zum Gruß aus der Küche – ein veritables Stück Fisch (leider sehr salzarm), eine große Blüte, schmackhafte Créme: Nicht umwerfend, aber eine immer wieder nette Geste (auch wenn wir die Blüte zurückgehen ließen – wir trauten uns nicht an das Riesending). Farbenfroh (vor allem im Licht der untergehenden Sonne) und geschmackvoll war Sächsisches Roastbeef, fein mariniert und rosa gebraten, dazu Tomaten-Paprikamousse sowie Kamutbrot (7,90 €). Der nicht erwähnte Salat natürlich mit Blüte – ob es die selbe oder die gleiche wie später beim Dessert war, vermag ich nicht zu sagen. Ich denke mal: die gleiche.

Mein Hauptgang war Knuspriges Schnitzel vom sächsischen Landschwein mit frischen Pfifferlingen und Champignons mit lauwarmem Kartoffel-Gurkensalat (11,50 €), und der war gut. Etwas knuspriger hätte es sein können, aber das fällt in die Kategorie Meckern auf hohem Niveau. Die Pfifferlinge waren ausreichend portioniert, und wenn man lauwarmen Kartoffelsalat mag, ging der sehr in Ordnung. Die Portionen (die Mädels am Tisch hatten einen erfrischenden Hausgebeizten Lachs auf Sauerrahm auf Wasabischaum und Gurkensalat (7,90 €) sowie ein perfektes, krosses Zartes Forellenfilet aus Langburkersdorf für 11,50 €) sind nicht zu klein, da war nicht mehr viel Platz fürs Dessert. Eins mit drei Löffeln ging aber: Sommerduett von frischen Waldbeeren und Mascarpone (5,50 €) – ohne Neidfaktor, weil zwar ein Abschluss, aber kein wirklich krönender.

Fazit: Ein schönes Museumsrestaurant, aber ohne Museum ist der Anspruch größer als das Erlebte.

zeitlos restaurant & cafè
Olbrichtplatz 2
01099 Dresden

Tel. 0351 / 88 94 80 79
www.restaurantzeitlos-dresden.de

Geöffnet:
täglich außer Mi ab 10 Uhr
Ab 18 Uhr vorherige Reservierung nötig

[Besucht am 16. August 2013 |  | Lage | Die Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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