Die Jungfrau hinterm Felsvorhang

Auf dem Pfaffenstein: Durch die Hohle Gasse zur Barbarine

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Mal ganz ehrlich: Wer weiß denn spontan, wie groß zwölf Hektar sind? Neben der ordentlichen Antwort (120.000 Quadratmeter) kann man im passenden Wiki-Beitrag sich auch noch in Konfusion stürzen, denn ein Hektar sind vier Morgen – aber der Morgen, so ist das mit ungenormten Flächenmaßen, ist laut der gleichen Quelle ja „0,1906 und 1,178 ha, meist zwischen 0,3 und 0,4 ha, später zu 0,25 ha“ groß. Au weia. Aber die etwa hundert Meter überm Umland erhabene Ebene des Pfaffenstein, die Tafel vom Berg quasi, die ist zwölf Hektar groß. Beinahe. Also 12 ha = fast ein Pfaffensteinplateau.

Home of the Rapunzel?Zweieinhalb Kilometer Wanderwege gibt’s da oben – damit kann man spontan mehr anfangen. Den einen oder anderen Meter wollen wir als Verdauungsspaziergang wie auch als willkommenes Pflichtprogramm nach dem Gaststättenbesuch nun laufen: Das Ziel ist die Barbarine, der Sage nach eine Stein gewordene Jungfrau. Schöne Geschichte! Der Weg dahin führt zuerst einmal am 29 Meter hohen Aussichtsturm vorbei – und wenn man mag, auch 123 Stufen hoch (und tunlichst auch wieder runter). 1894 gab’s da schon einen Holzturm, aber der umtriebige Gaststättenbesitzer Hermann Keiler hat ihn 1904 durch den jetzigen aus Stein ersetzen lassen. Die Steine wurde eigens dafür gebrochen, der Turm ist sozusagen ein fast natürliches Gewächs. Den Balkon am an dieser Seite efeuberankten Turm kann man sich gut als Aufenthaltsort für Rapunzel vorstellen, auf dass sie ihr Haar herunter lasse…

IMG_1079Der Weg zur Barbarine ist eine Sackgasse, man muss sich also für gute Motive nicht umsehen, weil der gleiche Weg auch zurück führt! Wir laufen oberhalb der weißen Wand – die heißt so, weil der Fels dort deutlich heller ist als der ganze Rest des Pfaffensteins. Hell ist es dort, weil mal (1838) richtig viel Berg runterkam und dieses Stück nun weniger verwittert ist. Ein riesiges Stück Fels liegt unten rum, Klamotte heißt dieser Kletterfels. Den sieht man von oben, die weiße Wand natürlich besser und eindrucksvoller von unten!

Hohle GasseFür uns wird’s nun wieder eng. Eine geschätzt zweieinhalb mal so umfängliche Dame wie ein jeder von uns sah skeptisch auf unsere Rucksäcke und wies uns in aller Freundlichkeit darauf hin, dass „es mit Rucksack wohl ein wenig eng“ werde in der Hohlen Gasse. Ich bekam vom Prusten der hinter mir Laufenden ein nasses Genick, bedankte mich aber nach vorne artig mit einem beherzten „Ach, das schaffen wir schon!“. Man muss nur den richtigen Moment abpassen und quasi Duftmarken setzen durch Besteigen einiger Stufen, sobald mal keiner runterkommt. Allerdings warten oben meist auch Leute, die das ähnlich sehen – aber irgendwie regelt sich das, und irgendwann ist dann nichts als Sonne im Spalt zwischen den Felsen.

Blick zum GohrischHinter der kleinen Stiege ist der Pfaffenstein am höchsten – rechter Hand ist der Gipfelpunkt mit 434,6 m Höhe. Netter ist es aber linker Hand, weil man da nur wenige Zentimeter tiefer ist und schon wieder wunderschön ins Land blicken kann.

Wir sind fast am Ziel, doch die Jungfrau ziert sich. Sie verbirgt sich, irgendwie passend, hinterm Keilerturm. Ein schmaler Spalt (mal wieder) muss passiert werden – oder anders formuliert: Zwei Felsen gewähren vorhanggleich nur spärlich Durchlass.

Klettern nahe der BarbarineVorhang auf, Panoramablick! Wobei dieses Mal nicht die Ferne so sehr interessiert, sondern die Nähe. DAS also ist die steinerne Jungfrau. Hm, man braucht ein gerüttelt Maß an Phantasie, um das zu erkennen. Ich habe, wenn überhaupt, eher phallische Phantasien, wenn ich mir das Teil so ansehe. Ich mag mir allerdings nicht imaginieren, was für eine Geschichte dazu passen könnte – sicher irgendwas mit einem bösen Riesen. Wie auch immer: Die Barbarine (die nach meiner Theorie natürlich dann auch anders heißen müsste, vielleicht Brunorinus oder so) darf seit 1975 nicht mehr bestiegen werden. Aber wer nebenan den Förster besteigt, ist ja nicht weit weg – und natürlich ist da immer was los. Kletterer gehören schließlich zur Sächsischen Schweiz wie (nicht nur lila) Kühe in die echte Schweiz!

Mooslandschaften

Für den Rückweg wählen wir den „bequemen Aufstieg“, den man auch bequem herunter gehen kann. Wenn wir es bislang noch nicht geahnt hätten: Der Pfaffenstein soll alles haben, was die ganze Sächsische Schweiz hat. Spalten, Höhlen, Felsen hatten wir schon, jetzt kommen nahezu gomerische Mooslandschaften. Feuchtgebiete, die jugendfrei sind!

SteintreppeWo gelegentlich Sonne hinkommt, wird’s dann auch gleich trockener, mit fotogen drapiertem Laub auf den Steintreppen. Am Jäckelfels prangt ein Marmormedaillon und erinnert an Carl Gottlob Jäckel (1803–1882). Jäckel ist sowas wie der Erfinder des Pfaffensteins, er war offensichtlich ein Macher und umtriebiger Anstupser (der für seine Schalkhaftigkeit berühmte Volksmund bezeichnete ihn als „Berggeist vom Pfaffenstein“ oder „Rübezahl vom Pfaffenstein“, lese ich in der Wikipedia). An dieser Stelle kann, wer will, den Klammweg weiter gehen und landet wieder in der Gaststätte. Das sind dann die, die das Nadelöhr für den Abstieg nutzen. Wer weiter bequem runtermachen will, nimmt den anderen Abzweig, der hier nicht explizit ausgeschildert ist.

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Königstein - Pfaffenstein - Quirl - Königstein

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Königstein - Pfaffenstein - Quirl - Königstein 50.909582, 14.077435 WanderbeschreibungKönigstein, Deutschland (Routenplaner)

Alle Teile dieser Wanderung:
Königstein-Pfaffenstein
Berggaststätte Pfaffenstein
Auf dem Pfaffenstein
Sage der Barbarine
Pfaffenstein-Quirl-Diebshöhle-Königstein

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4 Kommentare

  1. Wir waren heute auch in der Sächsischen Schweiz. Die moosbewachsenen Felsen haben wir in der Gegend des »Kuhstalls« und am Flößersteig auch gesehen. Dort gibt es auch unglaubliche Verwurzelungen von Bäumen an (auf) Felsen.

    Das Essen am »Lichtenhainer Wasserfall« war bürgerlich-solide. Interessant ist der Duft der im Haus mit Wacholder geräucherten Forellen, der auch deutlich im Gastraum zu spüren ist. Irgendwann fahre ich noch mal hoch und probiere eine …

  2. Ob das Gasthaus Deinen Ansprüchen genügen wird? 😉

    Interessant finde ich die vielen Geschichten über die Gründer und Ideengeber des Tourismus (hier in Bad Schandau z. B. Rudolf Sendig). Ganz am Anfang diente ja die Sächsische Schweiz lediglich zur Akklimatisierung nach einer Kur in den berühmten böhmischen Bädern [die Leute müssen Zeit gehabt haben ;-)].

    Was mich heute umgehauen hat: Bis vor reichlich hundert Jahren hat man die Besucher wohl noch zum »Kuhstall« getragen (mit zwei Trägern pro Person) bzw. auch auf Saumtieren reiten lassen.

    • ach, was heißt hier Anspruch? so lange es gut ist!

      Ansonsten merke ich beim Rest Deiner Anmerkungen, dass wir da zwar schon mehrfach waren, es aber hier nie niedergeschrieben wurde. Das muss sich ändern!

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