August der Starke

august-der-starke-buchOhne August den Starken, das erklären wohl alle Gästeführer ihren Kunden, wäre Dresden nicht das, weswegen eben jene Kunden Gast in der Stadt Dresden sind. Und dann erzählen sie gerne die eine oder andere Geschichte mit und über August. Die meisten klingen gut, sind aber nur gut erfunden. Jemand, der etwas mehr zu erzählen hat, ist Reinhard Delau. Der 1940 geborene Journalist und Autor ist ein profunder Kenner der sächsischen Geschichte. Die schreibt er – mehr locker-flockig als wissenschaftlich-verklausuliert – in Zeitungsgeschichten und Büchern auf, die sich äußerst spannend lesen.

Gibt’s denn eigentlich noch was Neues über diesen August? Nicht wirklich. Aber der Mann war so faszinierend, so schillernd, so eigen, dass man die Geschichte(n) immer neu erzählen kann. Delau, der auch Historiker ist, weiß viel und tut, weil er eben auch Erzähler ist, gerne so, als sei er dabei gewesen. Das mag ihn in der Schar der Historikerkollegen angreifbar machen, aber egal: Es reizt zum Weiterlesen – und wenn man Delau mal gehört hat, kommt beim Lesen seine Stimme in den Kopf und man denkt: Da sitzt einer am Kamin und erzählt Geschichten aus der alten Zeit, die nicht immer nur die gute war.

Es geht ums ganze pralle Leben, um Frauen (natürlich), um Politik (na klar), um Kunst und Architektur – und immer wieder ertappt man sich dabei, wie man ob der Schönheit der Worte schmunzelt. Sentenzen wie diese muss man einfach mal laut lesen und auf sich wirken lassen: Georgius Agricola hatte schon 1530 „der Welt mitgeteilt, dass Silber Silber und Gold Gold bleibe, eine Umwandlung eines Metalls in ein anderes unmöglich sei. Oft ist die Wissenschaft schwächer als die Dummheit. Der Geldbedarf an den Höfen war groß. …“ So lernt man pausenlos dazu, möchte dieses Buch am liebsten noch einmal lesen…

Ein rundum schönes Buch? Im Prinzip ja. Ich finde ja Alliterationen à la „Kurfürst König Kavalier“ langweilig und abgedroschen, aber was soll’s. Und dass in einem Buch des Jahres 2013 die 24 Farbseiten sich in der Mitte versammeln, weil das die Produktionskosten senkt, mutet auch irgendwie seltsam altbacken an – wobei obendrein auch reichlich belanglose Bilder ausgesucht wurden, auf die man gut hätte verzichten können. Aber ansonsten sind die knapp 20 Euro gut angelegtes Geld!

Reinhard Delau, August der Starke. Kurfürst, König, Kavalier.
Edition Sächsische Zeitung, ISBN 978-3-943444-21-6
Hardcover, 168 Seiten, 22 x 26 cm, 19,90 €

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