Auf den Spuren der Römer

Bummel durch die drittgrößte Stadt der Marken: Fano

Römisches Erbe

Wir haben alles richtig gemacht: Wir betraten Fano, mit über 63.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Marken (nach Ancona und Pesaro), durch den Augustusbogen. Das war schön, aber Zufall: Wir hatten einen Parkplatz außerhab der Altstadt just so gefunden, dass es passte. Aber gut fanden wir’s dennoch, denn erstens muss man den Arco d’Augusto, den Triumphbogen von Augustus aus dem Jahre 9 nach Christi Geburt gesehen haben (sonst war man nicht in Fano, echt mal!), und zweitens ist man dann nach Stau und Stinkerei der Autos gleich im richtigen Leben einer italienischen Stadt. Das übliche Geschnatter erfährt an Markttagen ja noch eine Steigerung, von der die Gänse des Kapitols in Ehrfurcht sich verneigen täten – wenn sie denn dabei wären. Früher endete die Via Flaminia hier, die direkte Verbindung nach Rom.

Direkt davor klotzt mächtig Porta Maggiore (das Haupttor) aus dem Jahr 1227. Was so alt ist, darf schon ein wenig mehr schein als sein: Von vorne sieht’s aus wie ein veritabler fetter Turm mit Tor, von hinten entpuppt es sich als eine leere Hülle mit Mehrfachnutzung: Abstellplatz für Fahrräder, Motorräder und ein schattiger Ort für die Tische einer Bar.

Convento S. Domenico…und dann latschtste durchs alte römische Tor durch und was ist? Nüschte. Kein erhabenes Gefühl. Zu viele Menschen. Lustigerweise waren sie nach zwei Minuten weg – als ich mich umdrehte, um das Tor von innen zu fotografieren, mit dem zu dem Zeitpunkt sehr einsamen Akkordeonspieler. Dann kommt der nächste Schwall Menschen, und wir lassen uns treiben. Eine schöne Stadt, mit Erinnerungen an die römischen Zeiten, das Mittelalter, an Renaissance und Barock. Und alles nebeneinander, auf einem Spaziergang durchs centro storico zu besichtigen. Da entdeckt man dann zum Beispiel das Areal des Convento S. Domenico, mit Büros und Wohnungen, mit schönen architektonischen Details. Und draußen davor ein Restaurant mit Freiplätzen, bestens besucht.

Im Palazzo MalatestianoEtwas weiter sind die Giardini Leopardi und das Museo Archeologico e Pinacoteca del Palazzo Malatestiano – eigentlich geschlossen, weil abends im bestuhlten Innenhof Showtime ist. Ein tolles Ambiente, rundrum mit historischem Gemäuer. Wir gucken uns einige der dort ausgestellten Vasen und Anker an, letztere von feinem Rost wunderbar angefressen. Dann: weiter dahin, wo Anker eigentlich ihren Platz haben – zum Meer.

Ménage-à-trois?Weit ist es nicht. Die Eisenbahnlinie trennt das historische vom neueren Fano, der Strand ist breit und steinig. Die Marina dei Cesari als Stadthafen mit bis zu 500 chicen Yachten lässt sich von einer ganz tollen (künstlichen) Mole aus ansehen. Man geht und geht, rechter Hand der Blick schweift übers adriablaue Meer, der zurück auf Fano hinterm Kieselstrand der Spiaggia Sassonia. Links der Hafen wirkt wie tiefer gelegt – die Mole ist zwei, drei Meter hoch. Und am Ende? Keine Treppe runter. Man könnte sich ja als Gemeiner mit den Reichen mischen, die ihre Autos am Yachthafen parken. Aber Hinsehen ist erlaubt, immerhin. Man könnte dran verzweifeln, sich aber alternativ unter der Statua del Lisippo (die Bronze-Nachbildung einer von Fischern vor Fano gefundenen Statue) mit sich selbst beschäftigen – da braucht’s keine Treppe runter, allenfalls solche in den siebten Himmel.

KanalparkerZurück geht’s also den gleichen langen Molenweg, Schiffe aus der Nähe ansehen ist nicht erwünscht. Auf dem Weg zum Festival Internazionale del brodetto e delle zuppe di pesce erleben wir ein geöffnetes und mit freundlichem Personal versehenes Pro Loco (Touristenbüro) und Nebenstraßen, in denen Touristen eher die Ausnahme sind. Vorbei an der malatestianische Burg (Rocca Malatestiana) des Architekten Matteo Nuti aus der Mitte des 15. Jahrhunderts geht es ein Stück am Canale di Porto vorbei zum Lido, wo uns dann das Fischsuppenfestival enttäuschen wird. Aber der Aperitivo im Docks 27 am Lido war eine willkommene Pause auf dem Weg zurück in die Stadt zur Brodetto alla Fanese im auch ganz normalen Restaurant

[Karte | Mehr Bilder im Album bei flickr]

Bar

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