Auf der Suche nach Professor Violine

Mathias Bäumel: Velemir Dugina – Eine Spurensuche

Also gut, beginnen wir die Buchbesprechung mit einem sicher historisch zu nennendem kleinen Video:

Der da die Violine spielt: Das ist Velemir Dugina. In Australien geboren, in Rijeka und Triest aufgewachsen und mit 29 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden – was ihm, da kennt die katholische Kirche nach wie vor kein Pardon, ein Grab ohne Kreuz einbrachte. Aber mit Grabstein und Aufschrift „Prof. Violine“. Darüber muss man ja stolpern, wenn man Augen hat zu sehen. Mathias Bäumel, in Dresden lebender Journalist und Autor (und, um das bei dieser Gelegenheit im Rahmen der hier gepflegten Befangenheitsoffensive auch gleich klarzustellen, netter Kollege an der TU Dresden), hat Sinn für derlei Kleinigkeiten – und ließ sich anregen, mehr wissen zu wollen.

Velemir_InnenBäumel betrieb eine mehrjährige akribische Spurensuche. Per Netzrecherche, per E-Mail und vor Ort versuchte er, mehr zu erfahren über Velemir Dugina. „Herausgekommen ist nicht nur eine fragmentarische biografische Skizze eines Musikers, der sich wie die allermeisten seines Faches jenseits des Star-Zirkusses hingebungsvoll seinem künstlerischen Beruf widmete, ohne je berühmt zu werden,“ sagt Bäumel zu seinem im Verlag SchumacherGebler veröffentlichten Buch. Aber mindestens ebenso wichtig ist ihm, dass durch die Nachzeichnung dieses Schicksals auch „ein angedeutetes Bild des kulturellen und historischen Reichtums einer Region entstanden ist, die sich von Friaul Julisch-Venetien über Triest bis hinein in den Kvarner Golf und darüber hinaus erstreckt.“ Das Büchlein trägt diesem Gedanken Rechnung und kommt zweisprachig daher, dem deutschen folgt ein italienischer Teil (Übersetzer waren Christoph Koop und Sophie Püschmann).

Velemir_TitelWer das Buch in die Hand nimmt, bekommt übrigens gleich ein gutes Gefühl: es fasst sich gut an. Und es ist (von der studierten Diplomdesignerin Kerstin Hübsch) liebevoll gestaltet, vom großzügigen (klassisch geschnittenen) Satzspiegel über angenehme Typografie (gesetzt aus der Linotype Didot Roman) und stimmungsvolle Landschafts-Fotos des Autoren  bis zur Ausstattung. Hardcover! Schönes griffiges Papier! Lesebändchen! Da merkt man doch selbst als Liebhaber digitalen Schrifttums, was einem ein Kindle oder iPad so alles nicht bieten können!

Mathias Bäumel
Velemir Dugina – Eine Spurensuche
Verlag SchumacherGebler Dresden 2013, ISBN: 978-3-941209-27-5
Festeinband, 88 Seiten. 12,95 Euro

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