Zartes Kalb unter würziger Kruste

Kochsternstunden in der Villa Sorgenfrei

Villa Sorgenfrei

Potsdam hat sein Schloss Sanssouci, das bekanntlich schön ist. Und Radebeul? Radebeul hat auch was Schönes, unter anderem die Villa Sorgenfrei, was ja nichts anderes als die deutsche Übertragung des französischen Begriffs ist. Die beiden Grundsteine im Keller des Gebäudes verraten Bauherrn und Entstehungszeit: „C. F. Gregory. Anno 1783“. Der vorbildlich restaurierte Herrensitz „im Dresdner Zopfstil …, einem spätbarocken Baustil im Übergang vom Rokoko zum Klassizismus“ (steht so in der Wikipedia) beherbergt ein Hotel und – im ehemaligen Gartensaal – ein Restaurant. Da unser letzter Besuch dort schon einige Zeit her ist, nutzten wir die Kochsternstunden zu einer erneuten STIPvisite.

Das Kochsternstunden-Menü ist in fünf Gängen komponiert (59 €) – wir nahmen vier davon (49 €) und verzichteten auf die Suppe. Was wir gut fanden: Die Auswahl des abzuwählenden Gangs überließ man uns. Die passenden Weine dazu kosten pauschal 20 Euro – dafür bekamen wir eine doch recht ordentliche Auswahl, die uns die Qual der Wahl abnahm: Wer weiß schon besser als Koch und Kellner, welcher der im Keller des Hauses vorhandenen Weine zum Küchenstil passt?

Im Gartensaal ist  es sehr romantisch. Es gibt nur wenige Tische, dafür aber viel Kerzenlicht. Hier ist quasi immer Candlelight-Dinner! Wir hatten, wie erwähnt, vier Gänge bestellt, aber der nullte Gang hatte es bereits in sich. Es gab drei Sorten frisches, schmackhaftes Brot mit dreierlei Aufstrich, der Farbe und Geschmack aus Rauch, Basilikum und Roter Beete bezog – wobei der Rauch am kräftigsten herausschmeckte. Die Küche schickte dann als Gruß eine Suppe, die fein nach Curry schmeckte und mit dem daneben drapierten Häppchen von Rotbarbe auf Wirsingsalat eher nichts zu tun hatte – außer dass uns auch der kleine Salat sehr positiv überraschte. „Hui“ sagten wir und freuten uns auf den Rest des Abends.

Dreierlei vom Bachsaibling variierte den Fisch als Praline, roh mariniert & Fuko Maki. Das machte auf der Schieferschindel einen bunten Eindruck, blieb aber geschmacklich eher verhalten. Der (passende!) Wein dazu: ein 2012er Grecanico Fusione, Taranto (Apulien) erwies sich als leichter frischer Begleiter – trotz der 13 % Alkohol. Die (nach Amuse Gueule und Vorspeise) dritte Schieferplatte des Abends bescherte erneut Fisch: Bei Involtini von der Seezunge & Sandgarnele mit Koriander, Erbse & Sellerieschaum erfreuten wir uns an der saftigen Seezungenrolle (sowas haben wir andernorts schon viel zu oft trocken gedünstet bekommen) und ebenfalls korrekt gegarter Garnele. Statt Koriander gab es reichlich Kerbel, was wir schade fanden. Aber der dazu gereichte Wein, ein 2012er Chardonnay von Ludwig Hofbauer (Niederösterreich), war der perfekte Seelentröster – wir überlegten schon ernsthaft, bei dem zu bleiben.

Aber als die Bedienung mit einer Flasche 2004er Reserva Finca Antigua, La Mancha kam – eine Cuvée aus 70 % Merlot, 10 % Syrah und 20 % Cabernet Sauvignon – und uns probieren ließ, war klar: der sollte es schon sein. Ein geschmeidiger Wein, ein weicher Wein. Ausgebaut zuerst im Stahltank und dann im Holzfass – er passte wirklich gut zur Tranche vom heimischen Kalb mit Bergkäse souffliert, dazu eine Buttermöhrencreme & Thymianjus. Das war unser Lieblingsgang: mit zartem Kalb unter sehr würziger Kruste, mit Texturenspiel bei der Möhre und der Möhrencrème und mit einer kräftigen Jus.

Zum Dessert, das Törtchen vom Kürbis & Ingwer mit einem Kokoseis & Schokoladencrunch kombinierte, gab es ein Gläschen 2005er Sauternes Château Cantegril. Ein Geheimtipp, schreibt unser Lieblingsweinhändler – aber wenn der es schreibt, ist’s ja schon keiner mehr. Als Dessertbegleiter vor allem zum schmelzigen Kokoseis und dem knusprigen Schokocrunch hinterließ dieser Sauternes aber in der Tat einen guten Eindruck und kann als Tipp durchgehen!

Villa Sorgenfrei
Augustusweg 48
01445 Radebeul

Tel.: 0351 | 79 56 660
www.hotel-villa-sorgenfrei.de

Öffnungszeiten:
Mi – Mo ab 18.00 Uhr

[Besucht am 14. März 2014 | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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Atelier Sanssouci / Villa Sorgenfrei

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