Spargel, neue Kartoffeln und Wiener Schnitzel

Spizz 14

Wir müssen über Kartoffeln reden. Die gibt es nämlich in vielen Varianten, von geschmacklos über nahezu geschmacklos bis zu toll-aromatisch. Von den unterschiedlichsten Texturen mal ganz zu schweigen, die bleiben in unserer heutigen Kurzbetrachtung einmal außen vor – fast, jedenfalls. Auf der Karte standen nämlich „neue Kartoffeln“, die zu Spargel und Schnitzel gereicht würden. Und da lief ein ganzer Film ab im Kopf, der wirklich bei den Kartoffeln begann. Neue Kartoffeln, stellen wir uns vor, sind irgendwie nicht so groß. Sie sind in unserer Vorstellung überhaupt nicht mehlig, sie kommen bei uns zu Hause in der Schale auf den Tisch – das, denken wir uns, trauen sie sich nicht in der Gaststätte. Aber diese hauchdünne Schale, die fast von selbst von der Kartoffel fällt, gehört dennoch zum Vorstellungs-Bild. Natürlich dampft diese Kartoffel, und wenn man reinbeißt, ist sie aromatisch. Kein bisschen wässrig, sondern eine kleine Kartoffelgeschmacksbombe.

Dazu Spargel. Wenn irgendwo, dann sind wir beim Spargel Traditionalisten. Weiß soll er sein (wenn’s kein grüner Spargel ist, natürlich nur), auf keinen Fall schlaff. Frisch sowieso und prima geschält. Und weil Spargel ja von sich aus dazu neigt, nach nichts zu schmecken, braucht’s eine gute Garmethode – Butter, Salz, Zitrone (und/oder Weißwein), Zucker vielleicht –, um einen Hauch von Schmackofatz anzunehmen, bevor die Sauce dazu kommt.

Und Schnitzel. Wiener Schnitzel! Wieso sind die Teller so klein, wollen wir uns denken müssen. Kalb, sagen die Puristen, gehört zwischen die Panade, eine Sardelle und Kapern dazu. Ein Wiener, den wir gerade im Urlaub auf Salina getroffen hatten, meinte: Schmarrn, die besten Wiener Schnitzel seien die aus Schweinefleisch – nicht in der Theorie, aber in seinem Lieblingsrestaurant.

Eintritt die Wirklichkeit. Ein Teller mit fünf Stangen Spargel, auf (auf!) denen zwei kleine-Frauenhand-große Fleischstücke und ein Zitronenachtel den Wienerschnitzelturm ohne Sardelle und Kapern bauen.  Also heißes Fleisch auf Spargel, das ist für mich ja schon fast pervers. Mal abgesehen davon, wie unelegant ich den Spargel vom Fleisch befreien oder alternativ das Fleisch da oben in luft’ger Höh‘ schneiden soll: So eine Hochstapelei tut weder krosser Panade gut (so es sie jemals gab) noch kräftig-bissfestem Spargel (so er es jemals war). Daneben halbierte Kartoffel, die fast so groß wie die Schnitzelchen wirkten und von merkwürdiger Farbgebung: außen ein gelber Rand und dann ein blässliches Innenleben. Die Überraschung kam beim Versuch, so ein Teil zu verkleinern: Es war, sagen wir mal, sehr al dente gekocht. Obwohl es doch keine Nudeln, sondern Kartoffeln waren. Leider kein Einzelfall, sondern durch die Bank auf beiden Tellern. Unglücklicherweise kam just in diesem Augenblick der Chef des Hauses und erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei, worauf wir wahrheitsgemäß „nö!“ meinten und die Kartoffelsituation schilderten. Entschuldigung, meinte er, „ich hole neue aus der Küche“.

Was dann passierte, bestärkte mich freilich darin, nie wieder während des Essens zu meckern. Denn erst mal passierte nichts. Hätten wir warten sollen, alles kalt werden lassen? Taten wir nicht, sondern aßen weiter. Als wir fast fertig waren, kamen die neuen Kartoffeln. Sie waren wie die alten: uns zu hart und, nach unserem Geschmack, nahezu geschmacklos. Schade genug, aber dass man uns dann auch noch versicherte, „selbst hinten in der Küche probiert zu haben und auch die Köche probieren lassen. Wir fanden die Kartoffeln alle gut!“ – da blieb uns dann doch ob der Bevormundung und Zurechtweisung der Mund ein wenig offen.

Wir waren im Spizz, das sich im Dresdner Stadtteil Striesen nach wie vor großer Beliebtheit erfreut – Reservierung mehr als empfohlen.

Restaurant Spizz
Augsburger Straße 49
01309 Dresden

Telefon 0351 / 3190626
http://www.restaurant-spizz.de

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 12  bis 24 Uhr, feiertags 12 – 22 Uhr

[Besucht am 31. Mai 2014 | Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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