Vom Fisch, der beinahe eine Kuh wurde

Besuch im Filippino auf Lipari

Ristorante Filippino

Das Filippino ist eine Institution auf Lipari. Seit 1910 gibt es das Restaurant, das zu den beständig Guten der Insel zählt. Es ist, wie so oft in Touristenorten, kein kuscheliger Ort, eher groß und mit Wartesaal-Atmosphäre. Da helfen auch nett eingedeckte Tische und eine Heerschar von Bedienpersonal nichts. Also bitte Berührungsängste ablegen und munter hineinspaziert, auch wenn noch nicht viel los ist (weil wir auch um halb neun Uhr abends für liparische/süditalienische Verhältnisse noch zu früh sind)!

Wir können einen Tisch wählen und werden von zwei, drei Kellnern bedient. Im Laufe des Abends merke ich: Die haben kein Revier, sondern werden den Gästen nach Sprachkenntnissen zugeteilt. Also bekamen wir einen supernetten Kellner alter Schule, der uns wunderbar auf deutsch beriet. Er hatte deutsch in der Schule gelernt – aber wo? „In Krakau!“ Sein junger Kollege kam von den Inseln und freute sich, mit uns zweisprachig kommunizieren zu können: wir versuchten uns mit unseren Italienisch- und er mit seinen Deutschkenntnissen – so lernten beide Seiten was dazu. Man könnte auch sagen: es war eine sehr angenehme Atmosphäre, zumal nach unseren anfänglichen Bedenken.

Besonders lustig geriet der Abend, als uns der nach langen und ausführlichen Empfehlungen bestellte Fisch gezeigt wurde: „Ah“, freute sich Sylke, „la mucca!“ Der Kellner schüttelte sich vor Lachen, sein Kollege, der gerade mit unserem Wein, einem vorzüglichen 2012 Ottoventi Grillo Selezione (Cantina Mazzara, 22 €) hantierte, tat es ihm gleich. Oh, pardon: mucca ist doch die Kuh, na klar. Der Fisch aber ist ein mupa (was immer das für einer ist: lecker war er). Wir hatten, weil wir den Fisch beinahe zur Kuh gemacht hatten, gemeinsam unseren Spaß – und die Sache sprach sich beim Personal rum: alle strahlten uns mit einem Augenzwinkern an.

Vom Wein nahmen wir übrigens zwei Flaschen: die erste hatte deutlich Kork – das scheint bei Ottoventi kein Einzelfall zu sein, denn später auf Salina passierte es uns noch einmal. Die zweite Flasche aber war toll, ein hundertprozentiger sehr frischer Grillo (eine Traube, die aus Apulien stammt und heute hauptsächlich auf Sizilien angebaut wird). Selbstredend gab’s keinerlei Probleme bei der Reklamation – eher so ein Bedienergrummeln, weil man sich mit Korkschmeckern ja auch den frischesten Wein versauen kann.

Nach zwei Grüßen aus der Küche gab’s ein Menü, das wir mal wieder komplett 1:2 aufgeteilt hatten, so dass es genussvoll und nicht belastend war: von den Vorspeisen eine Cruditè di Pesce Spada, roher Schwertfisch mit Zitronenzesten, Kräutern und Zitronen-Öl-Marinade (12 €). Sehr erfrischend, wobei dort das Wort frisch selbstredend als wesentlicher Bestandteil enthalten ist.

Unter den primi entschieden wir uns für Risotto Nero con Calamaretti (15 €). Das, merkten wir sehr schnell, ist zu Recht eine Spezialität des Hauses: Risotto im richtigen Biss-Schmelz-Verhältnis, Calamaretti – ähm: vorhanden, in Ordnung, aber nicht das, weswegen wir diesen Gang bemerkenswert fanden. Der Clou war nämlich die nachgereichte scharfe Sauce, die es in sich hatte. Nur nicht zuviel davon!

Und dann die Kuh, die keine war. Mupa alla Griglia (6 €/100g) kam ganz und wurde fix und fachmännisch vom Personal filiert, wobei man die Haut auch abnahm (später lernten wir: derlei Fische nie von den Schuppen befreien und dann logischerweise ohne Haut servieren): soooo saftig, so schmackhaft. Lediglich ein wenig frisches Olivenöl übers Filet geträufelt – ein Frischetraum. Da kommt keine Kuh mit!

Dolce müssen sein: Crespelle con uva passa e malvasia (6 €) mit hauchdünnem Crêpe-ähnlichem Pfannkuchen und Süßweinschaumtraum – und dann, aufs Haus, ein Glas Malvasia mit Sesam-Keksen.

Filippino
Piazza Municipio
98055 Lipari

Tel. 090 9811002
http://www.filippino.it

[Besucht am 13. Mai 2014]
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