Volles Haus beim Herr der Suppen

Wieder besucht: Thomas Kaisers Landhaus Lockwitzgrund

Landhaus Lockwitzgrund

Von den vielen Gründen rund um Dresden ist der Lockwitzgrund einer der unspektakulärsten. Aber, aus Dresden kommend, gar nicht weit draußen gibt es ein Restaurant, dass seit Jahren in auffälliger Unauffälligkeit vor sich hinwerkelt – aber fast täglich ausverkauft ist. Volles Haus, mit Feiern, Tagesgästen aus dem Hotel und walk ins. Wir waren lange nicht da und wollten mal schauen, ob bei Thomas Kaiser noch alles war wie bisher.

Erste Antwort, leicht sächsisch formuliert: nu!

Das geht auch ausführlicher. Fangen wir mit dem an, was wir nicht taten: das Menü essen, das es für Zeitungsleser nach dem Motto „zahle eins, esse zwei“ gibt. Ich habe mich schon immer gefragt, wie das funktioniert, denn beim Kaiser sind die Preise vergleichsweise günstig – und das dann durch zwei… Aber wie gesagt, wir aßen à la carte. Vorab als Gruß aus der Küche brachte unsere Bedienung – ein Spanier aus Valencia, mit dem wir uns (auf deutsch) prächtig unterhielten, eine Gurkenscheibe mit Schafskäse, Oliven und angenehm scharfer Sauce. Ein trefflicher sommerlicher Auftakt. Als Vorspeise gab es einmal Rahmsüppchen von frischen Pfifferlingen mit Ricotta-Fiorelli (6,30 €) aus dem Feinschmeckermenü. Kaisers Rahmsuppen sind legendär, auch diese enttäuschte nicht. Gut gewürzt, ordentlich Pfifferlinge mit drin, locker aufgeschlagen – ein Gedicht. Aber als nicht minder gut entpuppte sich das Viererlei vom frischen Matjes-Hering aus Ostfriesland an Apfel-Dillgurkensalat und Kartoffelrösti (9,00 €). Gehäckselt mit orientalischem und mediterranem Einschlag, mariniert oder einfach so mit Zwiebeln – alles perfekt. Wobei ich mich ertappte, dann doch ein ostfriesischer Traditionalist zu sein: schlicht und mit Zwiebeln – darüber geht doch nichts!

Auf der Karte gab’s Sommertrüffel – die am meisten überschätzte Attraktion auf unseren Menükarten. Wahrscheinlich im Juli noch nicht reif genug, um wenigstens halbwegs nussig zu schmecken. Aber in der Kombination mit Pfifferlingen – eine wirkliche Attraktion auf unseren Menükarten! – kann man sie gut mitmümmeln. Wir hatten das Vergnügen in Varianten: Einmal quasi pur mit Rahmnudeln und Kaiserschoten (14,00 €) – hervorragend. Pfifferlinge gab’s reichlich, zubereitet ohne Speck, der diese feinfühligen Pilze doch nur tötet. Also prima. Unglaublich reichlich Nudeln (die Hälfte hätte gereicht), aber ordentlich. In der Variante gab es zusätzlich Gegrilltes Entrecôte vom Kalb (21,50 €) – rosa gewünscht und nicht wirklich rosa serviert (außer im Kern), aber dennoch im Gesamteindruck saftig und bestens gewürzt, so dass wir uns nicht beschwerten. Das zusätzlich zu den Pfifferlingen gereichte Gemüse entsprach nicht unserem, aber vielleicht dem Geschmack der meisten Besucher: uns war’s zu weich.

Holunderblütenparfait, Johannisbeersorbet und marinierte Erdbeeren (7,50 €) fielen nur wegen der farblichen Horrorkombi Sorbet-Erdbeere auf – geschmacklich konnten und wollten wir nicht meckern. Ohne das Sorbet hätten wir nichts vermisst und nichts zu tadeln gehabt! Lobenswert: Der Herr Kaiser hat einen gut sortierten Weinkeller und bietet die durchwegs guten Weine zu sehr fair kalkulierten Preisen an – viele auch offen. Da könnten seine Kollegen sich mal gerne eine Scheibe abschneiden! Wir genossen, so mal als Tipp nebenher, eine 2012 Scheurebe vom VDP-Weingut Schmitt’s Kinder (28,00 €), die eher feingliedrig und dennoch mit ordentlich Rückgrat das Menü aufs Vorzüglichste begleitete.

Landhaus Lockwitzgrund
Lockwitzgrund 100
01257 Dresden
Tel.: 0351 / 27 10 01 – 0
http://www.landhaus-lockwitzgrund.de

Geöffnet:
Dienstag-Sonntag: 11.30-22.00

[Besucht am 27. Juli 2014 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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