Zwischen Chi-Chi und italienischem Charme

Besuch im Bel Piatto

Bel-Piatto

Wie konnte das passieren? Da gibt es seit etlichen Jahren eine Italiener mitten in der Stadt – und wir immer dran vorbei und drum herum? Nun waren wir endlich im Bel Piatto, weil uns gute Freunde vorab versicherten, dass es da seit Jahren hervorragend sei. Also egal, was wir vor langer Zeit (und bei einem anderen Betreiber) an bösen Erfahrungen gemacht hatten: den Versuch sollte es wert sein.

Der kleine Italiener schräg gegenüber vom Kleinen Haus des Theaters vermittelt einen Hauch von chi-chi, festzumachen beispielsweise an lockeren Weinangeboten auf der Tafel über dem Durchgang zur Küche, wo es Flaschen zu 125 oder 210 Euro gibt (wobei: sie sind es wert!). Auch die bussi-bussi-Rate bei der Ankunft neuer Gäste ist verdächtig hoch, kommt freilich nicht an Münchner Niveau heran. Aber das sind ja nur die Auslupfungen auf der einen Seite, denen jene auf der anderen gegenüberstehen – und die heißen: wir hatten zwei richtig tolle Weine für sehr freundliche Preise und die Chefin als Bedienung, die uns freundlich-herzlich-kompetent bediente als wären wir seit zehn Jahren einmal im Monat zu Gast in ihrem Laden – mindestens.

Das Restaurant ist nicht groß, und es ist ausgebucht. Die Tische mit den weißen Decken, frischen Blumen und Kerzen strahlen Atmosphäre aus. Etwas problematisch: Es gibt keine Karte, alle Angebote stehen auf einer Tafel – und direkt davor sitzen Leute. Die Vorspeisen sehen wir, von den 14 Hauptgerichte nur die oberen sieben. Aber die Chefin erklärt ja alles, für Vergessliche gerne auch zweimal. Hungrig, dachte ich mir, darf man nicht kommen, aber wenn man etwas Zeit und Muße hat, dann passt’s schon.

Das erste Argument pro Piatto nannte sich Schwertfischcarpaccio (11,50 €) und versammelte neben hauchdünnem wirklich frischen pesce spada hauptsächlich Kapern und Öl, Zwiebel, Pfeffer. Eine leichte Vorspeise, eine feine Vorspeise. Unser Wein dazu: Ein 2013 La Segreta Bianco IGT von Planeta (19 €), der mit seiner Leichtigkeit und Frische in der Tat ein passender Gaumenschmeichler war. Merke: Trinkbare Weine müssen nicht überteuert sein (wobei das junge Team vom sizilianischen Weingut Planeta auch anders kann, das nur nebenbei).

Lammfilet mit aglio & olio (18,50 €) waren ein prima Beispiel dafür, dass gute Spaghetti der Rede wert sind. Denn so trivial ist es nicht, wenn sie geschmackvoll sein sollen und weder matschepampig-weich noch rohköstlerisch-hart, sondern so al dente, dass man sie mit Genuss auf die Gabel dreht und isst. Gutes Öl, ein wenig Peperoncino und ein ganz freundlicher Nudelnachbar: Lamm. Natürlich zart und rosa und würzig und – ach, das muss man nicht analysieren, dass muss man schnabulieren! Die Nudeln nebenan waren übrigens Linguine Livornese (12,50 €), von denen ich nicht probiert habe – aber ein zufriedenes hhhhm drang an mein Ohr und binnen kurzem war der Teller blitzeblank…

Zum Lamm hätte ich natürlich gerne ein Glas Rotwein gehabt – fand aber das Angebot des Offenen nicht passend. „Kein Problem!“ sagte die Chefin und kam mit einer Flasche Leone de Castris Salice Salentino Reserva aus dem Jahr 2010 – natürlich könnte ich da auch nur ein Glas von haben. Der passte. Und den Service fanden wir nahezu italienisch charmant – obwohl sie doch Deutsche ist und der Koch Italiener!

Ristorante Bel Piatto
Glacisstr. 11
01099 Dresden

Tel.: 0351. 810 80 96
www.belpiatto.de

[Besucht am 25. Juni 2014 | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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