Geschmacks-Granaten vom 51. Breitengrad

Matthias Hey und Marika Böhme zu Gast im bean&beluga

Marika Böhme, Matthias Hey

Alles gut an Saale und Unstrut, so weintechnisch gesehen? Das fragten sich vor einigen Jahren, als sich das Weinrecht mal wieder änderte und die Herkunft der Weine entscheidender wurde, viele Winzer des Anbaugebiets (und wahrscheinlich nicht nur dort – aber dieses Mal geht’s ja um das nördlichste Qualitätsweinanbaugebiet Deutschlands). Die Antwort fiel wie so oft aus: die einen sagten so, die anderen sagten so. Zwei von denen, welche die „doch-nicht-so-gut-Seite“ repräsentieren, waren jetzt in der Weinbar des bean&beluga: Matthias Hey vom Weingut Hey und Marika Böhme vom Weingut Böhme & Töchter. Beide gehören zur Gruppe „Breitengrad 51“, das sieben Qualitätsfanatiker zusammengeführt hat.

Entlang vom Breitengrad 51 liegen die Mitgliedsbetriebe:

  • Weingut Born in Höhnstedt +51° 9′ 36.58″ N, +11° 45′ 50.44″ O
  • Rollsdorfer Mühle in Rollsdorf +51° 29′ 48.53″ N, +11° 42′ 52.08″ O /
  • Weingut Böhme & Töchter in Gleina +51° 12′ 48.64″ N, +11° 45′ 25.24″ O
  • Weingut Frölich-Hake in Naumburg +51° 9′ 36.58″ N, +11° 45′ 50.44″ O
  • Weingut Hey in Naumburg +51° 9′ 36.58″ N, +11° 45′ 50.44″ O
  • Winzerhof Gussek in Naumburg +51° 5′ 43.45″ N, +11° 41′ 10.40″ O und das
  • Landesweingut Kloster Pforta in Bad Kösen +51° 9′ 5.51″ N, +11° 48′ 17.71″ 0.

Die Lage ist entscheidend, der Boden, das terroir (wie die Franzosen schon immer wussten). Die deutschen Qualitätsweingüter, die im VDP zusammengeschlossen sind, vertrauen seit 2012 auf eine vierstufige Qualitätspyramide – mit den Gutsweinen als Basis, den Ortsweinen darüber und der Ersten Lage sowie der Großen Lage als Spitze. Dieses verbandsinterne System, so der VDP, „soll als wegweisend für den deutschen Qualitätsweinbau betrachtet werden“.

Beim Breitengrad 51 gibt es auch eine Pyramide – aber einen Unterschied: Es kann immer nur je ein roter und ein weißer Wein von jedem Mitglied ein „Breitengrad 51-Wein“ werden. Zugelassen sind lediglich die im Anbaugebiet klassischen Burgundersorten, Traminer, Silvaner und Riesling sowie der Blaue Zweigelt. Der vorgeschlagene Wein sollte prinzipiell Auslesequalität haben (95 Oechsle und mehr), von ihm sollen höchstens 50 hl/ha gewonnen worden sein – und er muss eine sensorische Probe bestanden haben, eine Blindprobe, bei der Winzer und Sommeliers über topp oder flop entscheiden. Um es spanender zu machen, berichtete Matthias Hey, würde man auch immer einige Große Gewächse des VDP mit untermogeln bei der Verkostung. Wenn die Tester die für gut befinden, ist das schön für den VDP – aber ein Breitengrad-Wein wird das dann natürlich nicht.

Winzer im Fokus: Breitengrad 51Bei der diesjährigen Probe am 14. Juli haben es aber auch nicht alle Weine aus den eigenen Reihen geschafft: Vom Jahrgang 2013 gibt es deswegen zwar sechs weiße, aber nur drei rote Breitengrad 51 – drei Blaue Zweigelt. Spätburgunder waren zwar auch vorgestellt, haben es in diesem Jahr aber nicht geschafft. Wir probierten daher neun Weine:

  • 2013 Cuvée Weiß „Steinmeister“ Matthias Hey
  • 2013 Roter Traminer „Schweigenberg“ Weingut Böhme & Töchter
  • Riesling & Weißburgunder „Kreisberg“ Weingut Born
  • 2013 Grauburgunder „Dachsberg“ Weingut Gussek
  • 2013 Grauburgunder „Steinmeister“ Weingut Frölich-Hake
  • 2012 Weißburgunder Landesweingut Kloster Pforta
  • 2011 Blauer Zweigelt „Steinmeister“ Matthias Hey
  • 2012 Blauer Zweigelt „Dachsberg“ Weingut Gussek
  • 2012 Blauer Zweigelt „Kreisberg“ Weingut Born

Menü zum Winzertreff Breitengrad 51Dazu hatte Stefan Hermann ein 4-Gang-Menü zusammengestellt, das den Geschmack der Sterneküche in die Weinbar brachte:

  • Rochen/Kürbis/Koriander
  • Steinpilze/Risotto/Pinienkerne
  • Ente/Spitzkohl/Aprikose
  • Himbeer/Eierlikör/Ingwer

Zum viel zu selten servierten und hier vorzüglich auf den Punkt gegarten Rochen gab es jeweils eine Probe der drei ersten Weißweine – und wir waren völlig von den Socken: was für drei Granaten! Gepasst hätte jeder zum Fisch, aber unser Liebling war eindeutig die Cuvée von Matthias Hey, in der Grau- und Weißburgunder auf Silvaner aus 60 Jahre alten Stöcken treffen und sich fruchtig vermählen. Matthias Hey, Mit-Initiator und Motor der Winzervereinigung, war ja schon mal mit seinen Weinen in Dresden, aber Marika Böhme noch nicht. 4,5 Hektar bewirtschaftet Familie Böhme in Gleina – seit 1986. Drei Generationen arbeiten im Weingut zusammen – Gründer Werner Böhme, Vater Frank Böhme (im Keller) und die beiden Töchter Marika (hat in Geisenheim Weinbau studiert) und Toska (Öffentlichkeitsarbeit und all das). Böhmes Weine sind ausgezeichnet – bei Prämierungen sind sie die Absahner. Ihr Roter Traminer (ein Gewürztraminer, der mit 101 Oechsle im Oktober vergangenen Jahres geerntet wurde) war für einen Traminer wunderbar klar und kernig.

Begeisterung am Tisch bei der Burgunderrunde zum Risotto, das, nebenbei, eins der besten seit langem gekosteten war und wunderbar intensiv nach Steinpilz schmeckte: zwei fruchtig-kräftige Grauburgunder, ein satter Weißburgunder vom Landesweingut – nicht schlecht. Rundensieger war bei uns der Grauburgunder von Gussek, der das schmelzig-knackige Risotto am besten widerspiegelte und ergänzte. Da fragten wir uns doch gleich: wenn die an Saale-Unstrut so gekonnt mit den Burgundern umgehen, warum bei den Roten keiner dabei sein sollte?  Die Antwort kam in Form von drei Gläsern Blauer Zweigelt. Den hatten wir uns nicht so kraftvoll und potent vorgestellt – und das dann auch noch im Dreierpack, wo wir uns gar nicht so recht entscheiden mochten, welchen wir am liebsten hatten – im Zusammenspiel mit der Ente lagen sie alle gleichauf, beim Schluck danach hatte der Steinmeister von Hey die Nase leicht vorn. Aber der war ja auch ein Jahr älter als die beiden anderen…

Weingut Matthias Hey
Weinberge 1a
D-06618 Naumburg

Tel. 0176 / 240 593 25
www.weinguthey.de

Weingut Böhme & Töchter
Inh. Frank Böhme
Ölgasse 11
06632 Gleina

Tel. 034462 / 2 20 43
www.boehme-toechter.de

bean&beluga
Bautzner Landstr. 32
01324 Dresden

Tel. 0351 / 44008800
www.bean-and-beluga.de

Weinbar geöffnet:
Di bis Fr 13 bis 23 Uhr, Sa 10 bis 23 Uhr

[Besucht am 29. August 2014 | Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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