48 Stunden Venedig: Der erste Abend

Rialto, fermata

Ein Kurztrip in die Lagunenstadt – das hat ja was. Aber was tun, wenn man freitags am Abend ankommt und Sonntag abends schon wieder ausfliegt? Ganz klar: Es gibt keine Vorschrift! Und ebenfalls klar: Es gibt so viel zu sehen, dass eh nicht alles geht. Also entschieden wir uns für geplantes planloses Bummeln. Ein Kurzbericht (aber doch zu lang für einen Teil, also in mehreren Folgen).

Freitag, 19 Uhr

Locanda SalieriAnkunft am Flughafen. Wir hatten uns schon in Dresden um Tickets gekümmert: die 48-Stunden-Karte für die Linienboote der actv sowie ein Busticket zur Stadt sowie eins zurück zum Flieger. Die Buslinie 5 ist der Flughafenzubringer. An der Haltestelle kann man seinen online erworbenen Gutschein problemlos in das Sammelticket umwandeln – wenn’s Probleme gibt, hilft ein freundlicher Mann, der uns auch die richtige Haltestelle zeigt. Vom Flughafen zur Piazzale Roma, dem Busbahnhof am Canal Grande, ist es nicht weit (ca. 20 Minuten). Von dort aus geht’s dann weiter mit dem Boot oder – wie in unserem Fall – wenige Minuten zu Fuß zum Hotel.

Unsere Unterkunft, nun schon zum dritten Mal: das kleine Hotel Locanda Salieri. Es hat nur einen Stern, aber (zwar recht kleine) renovierte Zimmer, sehr freundliches Personal und vor allem: Lage! Es gibt zehn Zimmer, davon welche mit Blick auf den Kanal Rio del Gaffaro, andere mit Blick auf die Kirche Chiesa di San Nicola da Tolentino oder auch nur auf Dachlandschaft. Uns hat’s nie gestört, weil wir eh meist unterwegs waren. Gefrühstückt wird, italienisch spartanisch, nebenan im Restaurant Ribot.

PlatzUnser erstes Ziel: die Weinbar Estro. Vom Hotel nur wenige Gehminuten entfernt. Da gibt’s einen eigenen ausführlichen Bericht… Der Verdauungsspaziergang hatte eins der venezianischen Wahrzeichen zum Ziel: die Rialto-Brücke. Der Weg dahin ist ausgeschildert, so dass man sich im Gassenwirrwarr nicht verlaufen muss. Per Rialto geht unser Weg (und wenn’s von dort zu Fuß zurückgeht: Alla Ferrovia, zum Bahnhof – der liegt gleich neben der Piazzale Roma, also kein Problem). Die Gassen sind menschenleer. Lampengirlanden überspannen einen leeren Platz, wer mag, könnte hier einen sentimentalen Tango um den Brunnen herum tanzen.

RialtoEin wenig belebter wird’s am Canal Grande, aber auch hier räumen die Kellner auf: Mitternacht im Januar halt – im Sommer sieht’s hier anders aus.

Auch die Rialto-Brücke haben wir fast für uns allein. Kein Kaufmann von Venedig arbeitet um diese Stunde, und auch die fliegenden Händler bieten ihren Lieblingssaisonartikel „Selfiestangen“ jetzt nicht mehr an. Ab und zu bleibt ein bummelndes Pärchen stehen und sieht sich den Canal an. Der ist um diese Stunde schön bunt, weil sich die Lichter der palazzi links und rechts im leicht wellenbewegten Wasser brechen.

Canal GrandeUm diese Zeit fahren noch Boote – sie heißen nicht mehr Linie 1 oder Linie 2, sondern „N“. Die Fahrt auf dem Canal Grande zum Piazzale Roma ist schneller als tagsüber, weil das Boot nicht an jeder Haltestelle stoppt und weniger Leute aus- und einsteigen. Die beleuchteten palazzi (und in unserem Fall zusätzlich der Vollmond) geben der Szene ein ziemlich unvergessliches Gepräge.

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