Menü mit großem Essvergnügen

Besuch in Bülow's Bistro im Rahmen der Kochsternstunden

Bülow's Bistro

Wie schön, dass die hervorragenden Köche aus ihren Küchen nicht nur die Gäste der Spitzenrestaurants bedienen, sondern auch – mit gleichem Können zubereitet, mit gleicher Sorgfalt bei der Wahl der Grundprodukte – auch die Zweitrestaurants beschicken. Es muss ja nicht immer Hummer oder Kaviar sein! Forelle, Sellerie (okay, in unserem Fall mit ein wenig Trüffel), Rind und Schokolade können auch ein vorzügliches Menü ergeben – und wenn es aus der Küche von Benjamin Biedlingmaier und seinem Team kommt, sogar eins mit großem Essvergnügen.

Wir saßen in größerer Runde in Bülow’s Bistro mit Blick auf die Promi-Wand des Hauses und ließen uns vom aufmerksamen Service durch den Abend begleiten. Drei Gänge (35,00 € / inkl. Weinbegleitung 53,00 €) oder  vier Gänge (41,00 € / 64,00 €) stehen zur Wahl – wer uns kennt,weiß um die Entscheidung: das volle Programm. Aber sie war gut, denn was hätte man denn nicht kosten wollen? Die Antwort fällt einem auch nicht leichter, wenn man schon vorab einen Brotkorb auf den Tisch gestellt bekommt, den man einfach nicht vernachlässigen kann. Denn das Brot ist frisch, hat eine knackige Kruste – und es schmeckt. Eher super handwerklich als banal supermarktig. Wer nicht aufpasst, vernascht sich daran und schwächelt hinterher. Wir passen natürlich auf, holen uns zusätzlich Appetit mit dem Modegetränk der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts (trank es doch schon die KöniGINmutter, so dass das Hamburger Abendblatt zu ihrem Tod titelte: Sie liebte ihr Land, den Gin und das Leben) – aber natürlich ist der Windspiel was Besonderes (made in der Eifel aus Kartoffeln!). Und er tat gut!

Dann ging’s aber im gerade richtigen Tempo los mit dem Menü: Goldforelle, Apfel und Meerrettich ist keine ungewöhnliche Kombination, war aber in der Zusammenstellung der Texturen und kräftigen Eigengeschmäcker eine erfrischende Köstlichkeit. Dazu ein 2013 Riesling 1763 vom VDP-Weingut K. F. Groebe in Rheinhessen – dem Landstrich, der in letzter Zeit bei unserem Probierreigen gehörig an Hochachtung gewonnen hat. Zum nachfolgenden Gang Getrüffeltes Sellerieschaumsüppchen brachte unsere Bedienung dann ungefragt Brotnachschub – wir nahmen es dankbar hin. Nicht weil uns hungerte oder wir Geschmack an der Suppe vermissten, sondern einfach so aus Leidenschaft fürs Brot. Die Suppe: farblich nix für Fotografen, trotz einiger grüner Kräutertupfer und einer Handvoll Trüffelspäne, aber fein aufgeschlagen und geschmacklich rund. Das heißt natürlich nur, wenn man Sellerie mag und mit Trüffel was anfangen kann. Beim Sellerie muss man mich nicht überreden, Trüffel finde ich in den meisten Fällen überbewertet (auch wenn dieser schon mal ein wenig vom angenehmen Geruch verströmte, und der kam nicht von irgendeinem ominösen Öl!). Getränkemäßig waren wir in der Pfalz angekommen und mit einem trockenen 2013 Maikammer Grauburgunder vom Weingut Stachel gut beraten.

Der Hauptgang folgt dem Trend nach regionaler, wahlweise heimischer Küche und bringt mit einer Variation vom Rind, Erbse, Zwiebel und Karotte die beiden guten Bekannten von (theoretisch: kurz) Gebratenem und lang Geschmortem auf den Teller. Klingt langweilig, ist es aber nicht, und auch Erbsen und Karotten sind eindeutig kein Mischgemüse. Sterneköche können nämlich einfach nicht wirklich einfach, bei denen muss es durch irgendeine Kitzelei (und sei es das Sößchen, mal bewusst so geschrieben) immer gut aussehen und noch besser schmecken. Und deswegen gehen wir ja auch hin, oder? Der Weinvorschlag zu diesem Gang: 2011 Chianti Classico, Massanera aus der Toskana – 100 Prozent Sangiovese und für mich erstaunlich (und erfreulich) unkratzig.

Beim Dessert müssen wir die Verhältnisse mal umdrehen und mit dem Wein beginnen – weil der uns zum Nachschenken gut gefiel: Eine Cuvée Auslese von Welschriesling & Chardonnay vom Weingut Kracher im Burgenland. Wenn es nicht zum Ehrenkodex halbwegs engagierter Schreiber gehören würde, keine Nasenspitze zu machen, müsste man schreiben: ein Kracher. Tun wir aber nicht und freuen uns an einem Kompott aus Honigmelone, Birne, Pfirsich und (ja!) Babybanane, was hervorragend die Kombination aus Weißer Schokolade, Granatapfel und Vanille unterstützt. Die Cremigkeit der Schokolade und die knackigen Granatäpfel lösten nach Momenten stillen Genießens eine eingelegte Diskussion aus: sollen wir das Dessert noch mal nachordern? Unsere perfekte Servicekraft grübelte schon über das Wie und entschied sich gerade, in die Küche zu gehen, als dann (irgendwie: leider) die Fraktion der Normalen und Figurbewussten die Aktion stoppte.

Bülow’s Bistro
Hotel Bülow Palais
Königstraße 14
01097 Dresden

Tel.: 0351 | 8 00 30
www.buelow-hotels.de

Geöffnet: täglich 11.30 Uhr – 23.00 Uhr

[Besucht am 14. März 2015 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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