Weiß ist rot und Rot ist weiß

Claus Preisinger bei Winzer im Fokus

Stefan Hermann, Claus Preisinger

Lässig steht Claus Preisinger in der offenen Tür zur Weinbar des bean&beluga, rechte Hand in der Hosentasche und in der linken ein Glas Wein. Die Frauen am Tisch nennen ihn – wenn er nicht zuhört – Schnuckelchen, und irgendwie ist er ja auch ein Hübscher mit österreichischem Charme. Er plaudert in seinem Dialekt, da muss man schon gut zuhören. Aber wo ein Wein ist, ist auch ein Weg.

Und Wein gab’s natürlich, deswegen ist der Preisinger Claus ja angereist als Gast beim Winzer im Fokus. Stefan Hermann, der ihn begrüßte, war richtig ein bissl stolz – denn vor genau einem Jahr habe man sich auf der ProWein in Düsseldorf kennen gelernt und den Besuch in Dresden angeschoben. Dass er nun, ein Jahr später und einen Tag vor den ersten Veranstaltungen der diesjährigen ProWein, tatsächlich stattfände, sei einfach toll.

Claus PreisingerPreisinger, der uns am Tisch noch ein wenig vorgrantelte, gar nicht gerne mit so einer Roadshow unterwegs zu sein, gab sich an der Türfasche locker und redselig. Er sei, verriet er, „kein Erbe“, sei also das, was er geworden sei, nicht per Blankoscheck geworden. „Ich kam eher so vom Trinken zum Winzern!“ Sehr schön, das ist ja auch unser Ansatz – und wir hatten mit dem Probieren auch schon angefangen: zur Begrüßung gab es einen 2013 Heideboden weiß. Eine Cuvée aus 60 % Weißburgunder, 20 % Chardonnay und 20 % Grüner Veltliner, die wie ein Rotwein auf der Maische vergoren wurde. Acht Monate lag der Wein im alten Holz, es gibt keine Zusätze („außer ein bissl Schwefel“). Kann man zum Essen trinken oder – wie wir, sich beim Plausch nachschenken lassen.

Seit dem Jahr 2000 macht Claus Preisinger eigenen Wein – da war er zwanzig und betrieb das „wie alle im Dorf“ als Hobby. Aber irgendwie scheint den Leuten schon damals gefallen zu haben, was der Claus da so macht aus Vaters Trauben. Der Betrieb wuchs, Trauben von Vertragswinzern kamen hinzu. Mittlerweile ist er bei 24 ha Eigenfläche, auf denen hauptsächlich (95 %, um etwas genauer zu sein) Rotwein wächst.

Wir trinken zum ersten Gang wie zur Begrüßung dennoch einen Weißen, dieses Mal den 2013 Grüner Veltliner. Der stammt aus einer 40 Jahre alten Anlage. Drei Wochen bleiben die Trauben nach der Ernte auf der Schale, die Gärung in der Beere ist aber nur der erste Teil: Anschließend geht’s ab ins 700-Liter-Fass. Und das war’s dann quasi auch: kein Schwefel, keine Zusatzstoffe, keine Filtration. Das schmeckt dann nicht unbedingt so, wie man es vom Grünen Veltliner gewohnt ist, aber mit Gewohnheiten kann man ja brechen, und zu Gurke, Dill und Buttermilch können wir uns das bei knallender Sonne unterm Kastanienbaum (Lindenallergie, ansonsten ginge auch Linde, klar) besonders nett vorstellen.

Menü zum WeinDer nächste Gang war Fisch – genauer: Rotbarbe, Bärlauch-Risotto, Morcheln. Was empfehlen wir zu Fisch? Einen Rotwein, denn alles andere wäre ja für Langweiler. Der Pinot Noir 2012 eignete sich schon deswegen, weil er beim Trinken recht cool anmutete, jedenfalls zu Beginn. Aber dann schluckst du und denkst: Mein Gott, was kann der Wein sich ändern und so breit enden? Ein Blauer Burgunder kann das! Zumal Preisinger nicht so gearbeitet hat, wie man das bei einem Rotwein erwartet, sondern das Thema eher weißweintechnisch angegangen ist. Ach so geht das: Die Weißen wie rot und die Roten wie weiß verarbeiten, und schon ist’s besonders!

Viel gibt’s davon freilich nicht, denn aus den Reben von den drei Hektar Weingarten auf der flachen Parndorfer Platte werden jährlich zwischen 3.000 und 4.500 Flaschen gewonnen. Nochmal zurück zum Essen: dass der Fisch perfekt war, ist im Hause b&b ja quasi selbstverständlich. Die Nummer außen kross und innen saftig, na klar. Aber dass das Risotto so ganz ohne Reis auskam und auch mit den sardischen Hartweizen-Nudeln Fregula eine gar köstliche Grundlage für den Fisch bot, sollte man doch mal erwähnen. Da jetzt noch ein paar frische Morcheln drauf wäre nachgeradezu sensationell! Ach, die gab’s? Na dann!

Stefan Hermann, Claus PreisingerZwei weitere Rotweine sollten den Hauptgang begleiten, ein 2011 Pannobile und ein (nein: der!) 2011 Paradigma. Lamm, Aubergine, Bulgur auf dem Teller brachten einen Hauch Orient auf den Tisch, von den Gästen mehr als herzlich willkommen geheißen. So zart wollen Lämmer zu Ostern enden, genau so, und nicht anders. Und welchen der beiden Weine hätte sich das Lamm gewünscht? Wahrscheinlich keinen, denn Lämmer trinken keinen Rotwein. Mir hatte es der Paradigma deutlich mehr angetan als der Pannobile – beide indes sind noch Youngster, „die eine lange Reise vor sich haben“ – aber wenn wir sie hätten weiter reifen lassen bis sie was aus sich gemacht haben, da wäre ja das Lamm kalt geworden. Also glauben wir dem Winzer, wenn er sagt: „Der könnte noch besser werden.“ Ein wenig Hintergrund zu beiden Weinen: Pannobile nennt sich eine Verbindung aus neun Winzern, die – bei Blindproben – aus ihren Weinen die mit Charakter raussuchen. Also die mit besonderem Charakter, versteht sich, denn so ganz charakterlos sind sie ja wohl alle nicht. Und beim Paradigma gönnt sich der Preisinger Claus was und macht ganz egoistisch das, was er will und wonach ihm ist. „Der Wein ist jedes Jahr anders, aber immer das beste aus meinen Filetstücken!“ Solange die absolute Freiheit zu trinkigem Wein führt (wie Preisinger das selbst nannte), soll es uns recht sein.

Ein 2013 Weißburgunder ErDELuftGRAsundreBEN zum dieses Mal nicht süßen Dessert Taleggio, Rucola, Pinienkerne hinterließ ja erst mal Augenkrümmel. Edelgraben heißt das, was die Großbuchstaben ergeben, und das natürlich nicht zufällig: Der Edelgraben ist der Weingarten, auf dem der Weißburgunder wächst, der dann handgelesen und spontanvergoren in Amphoren und Fässern zwischen zwei und acht Wochen auf der Maische liegt. Ein weiteres Jahr Reife im Holzfass, dann kommt der Wein unfltriert und ungeschwefelt in die Flaschen. Orange Wein wie diesen kann man mögen, muss man aber nicht.

Claus Preisinger
Goldbergstraße 60
7122 Gols

Tel. 02173 / 2592
www.clauspreisinger.at

bean&beluga
Bautzner Landstr. 32
01324 Dresden

Tel. 0351 / 44008800
http://www.bean-and-beluga.de

Weinbar geöffnet:
Di bis Fr 13 bis 23 Uhr, Sa 10 bis 23 Uhr

[Besucht am 13. März 2015| Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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