Zwei Winzerinnen – ein Wein. Und mehr.

Gesine Roll und Anette Closheim zu Gast im bean&beluga

Gesine Roll | Anette Closheim

Fast ist es ja wie eine kleine Liebeserklärung– an Dresden!  Im Juni 2013, also fast genau vor zwei Jahren, waren vier Spitzenwinzerinnen zu Gast im bean&beluga – in dieser Kombination kamen sie so erstmals zusammen und fanden das selbst irgendwie toll. Seitdem sieht man sie in unterschiedlicher Kombination immer wieder. Zwei von ihnen waren jetzt wieder da: Gesine Roll, Queen of Sauvignon Blanc vom Weedenbornhof in Rheinhessen, und Anette Closheim, Riesling-Rakete von der Nahe.

savvyMitgebracht hatten sie (Obacht, in die Irre führendes Bild!) ihr gemeinsames Baby. Savvy heißt es und ist ein ganz herz- bzw. gaumenfrischendes junges Ding: Ein Sauvignon Blanc, gemacht aus einem eher grünen Sauvignon Blanc-Typ mit der Handschrift von Anette Closheim und einem mehr exotischen Sauvignon Blanc von Gesine Roll. Die Cuvée ist sommerlich-leicht und bot mit dem Fruchtmix von Limettenschalen und Grapefruit sowie roten Stachelbeeren und Holunderblüten einen wunderbareren Einstieg in den Abend, der unter der Überschrift „Girls in a Bottle“ lief. Nun wissen wir auch warum!

Small Talk am StehtischWas wir nun auch wissen: wer der neue Sommelier ist im bean&beluga! Shahzad Talukder – auf dem Bild mit Stefan Hermann und Anette Closheim – hielt sich an diesem Abend freilich noch zurück und half lediglich beim Wein ausschenken. Das hat aber wahrscheinlich nichts mit dem Satz zu tun, mit dem er bei Facebook vorgestellt wurde: „Nur Wein ist mir nicht genug!“ sagte er da und verriet, dass‪ ‎“Klassiker‬ und junge, individuelle Weine ebenso auf dem Programm stehen wie ‎Sake‬ oder verschiedene ‎CraftBiere“‬.

Menü bei Girls in a BottleAn diesem Abend aber drehte sich alles um Wein und das dazu passende Essen (vier Gänge, alle Weine, Wasser: 69 €). Fangen wir, trotz Weinabend, mal mit dem Essen an: es war durchkomponiert und gut – wie nicht anders zu erwarten. Es gab Avocado / Hollandaise / Kapern als grandiosen Starter, dann Buchenpilze / Weinbergschnecken / Knoblauch – die Geschmacksbombe und Überraschung, denn weder schmeckte Knoblauch vor noch hatten die Schnecken diesen manchmal doch sehr argen Eigengeschmack. Es war, in einem Wort: sehr fein (ach, das waren zwei? Egal!). Zum Hauptgang brachte der Service Kalb / Spargel / Brunnenkresse auf den Tisch. Wie so oft in der Spargelsaison: heißes Fleisch lag auf auf dem Spargel – für uns ein no go, denn der Spargel gart dort ja heftigst nach und bekommt eine Schlappheit, die ihm gar nicht gut steht. Wir befreiten den Spargel aus der doppelten Kalbsfalle und alles ward gut. Erdbeere / Buttermilch / Pistazie zum Dessert: prima!

Was neu war beim Winzer im Fokus: Es gab keine Speisekarte mehr. Das Menü stand an der Tafel (was ausreichte), die Weine des Abends aber waren sehr lax auf einem Flyer notiert, nur mit einem Stichwort, ohne Jahrgang – dafür aber mit Verkaufspreisen, die (natürlich?) über denen der Weingüter liegen. Das ist hard selling und Rückschritt in einem und könnte demnächst mal wieder traditionell anders laufen: Menükarte mit ordentlich benannten Weinen – und wer einen kaufen will, kann das sicher mit dem netten Personal regeln. Der Hinweis darauf ist sicher nicht strafbar.

Winzerin!Nun aber die Weine! Gesine Roll bewirtschaftet mit Mann Markus und ihren Eltern 16 ha im rheinhessischen Monzernheim. Sie steuerte zur Vorspeise den 2013 Perlentaucher Sauvignon Blanc bei, eine exklusiv für bean&beluga hergestellte Cuvée aus 40% Gutswein und 60% Sauvignon Blanc Terra Rossa. Eine spritzige Mischung, bei der man schon mal mit dem roten Kalkstein (terra rossa) Bekanntschaft schließen konnte. Vertieft haben wir diese Bekanntschaft beim Zwischengang und dem 2013 Riesling Terra Rossa. Quasi eine Cuvée mit sich selbst, zur Hälfte ausgebaut im großen Holzfass, zur anderen Hälfte im Stahl, mit wilden Hefen vergoren. Neun Monate Fassreife vor Verkauf heißt auch: Man gibt dem Wein zeit zum Reifen. Schnellschüsse? Nicht hoch oben auf dem Berg (nach rheinhessischen Verhältnissen, 232 Meter)! Und deswegen gab es zum Hauptgang auch nur eine Fassprobe vom 2014 Weissburgunder „vom Kalkmergel“: Im großen Holzfass ausgebaut, Feinhefe bis zum Frühjahr, neun Monate Fassreife vor Verkauf. Füllung in diesen Tagen und beim Besuch in Dresden noch ein Rohdiamant. Will heißen: Auch dieser Wein braucht noch ein bissl, bis er zu Topform aufgelaufen sein wird. Aber er wird! Zum Dessert dann ein Spätburgunder Rosé Sekt, der sowas von Trinkfreude auslöste – na gut, kein Wunder nach der liebevollen Behandlung (ich meine die des Sekts: Flaschengärung!)…

Anette ClosheimAnette Closheim liebt die Bödenvielfalt der Nahe. Zehn Hektar bewirtschaften die Closheims in Langenlonsheim an der Nahe – fünf davon „mit der klassischen Linie“ Vater Konrad, die fünf anderen „mit der eher innovativen Linie“ Anette. Zur Vorspeise steuerte auch sie einen eigens für bean&beluga gemachten Wein bei, den 2014 Blanc trocken – eine „kraftvoll, verspielt, elegante Aromatik“ attestiert die Winzerin dieser Cuvée, die besonders harmonisch auch mit asiatisch gewürzten Speisen einher geht. ACs Beitrag zum Zwischengang: ein 2013 Riesling „Mont Solis“ trocken – ein Riesling, der seine intensive Kraft, Mineralität und Nachhaltigkeit aus dem roten Sandsteinboden holt, auf dem er wächst. Vergoren im alten Holzfass (einem Stück, also 1.200 l). Und zum Hauptgang schlürften wir versonnen an einem 2014 Weißer Burgunder „Königsschild“ trocken – ein kräftiger Burgunder mit filigraner Mineralität und Würze.

Die Winzerinnen im Netz:

Anette Closheim
Gesine Roll / Weingut Weedenborn

bean&beluga
Bautzner Landstr. 32
01324 Dresden

Tel. 0351 / 44008800
http://www.bean-and-beluga.de

Weinbar geöffnet:
Di bis Fr 13 bis 23 Uhr, Sa 10 bis 23 Uhr

[Besucht am 15. Mai 2015| Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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